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Streitbarer Politiker: Arnold Ruge

Bergen Streitbarer Politiker: Arnold Ruge

Barb und Karl Zerning stellen morgen Bergener Persönlichkeiten vor.

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Arnold Ruge

Quelle: Barb und Karl Zerning

Bergen. Mit Bergener Persönlichkeiten, die sich der Musik verschrieben hatten, wurde der Anfang gemacht — nun wird in dieser Woche zu einer weiteren „Reise in die Vergangenheit“ eingeladen. Am Freitag geht es von 19 Uhr an im Medien- und Informationszentrum am Markt um „Bergener Persönlichkeiten aus den Bereichen der Philosophie, Volkskunde, Heimatforschung und Malerei“. Barb und Karl Zerning werden die Zuhörer mit Zeitgenossen von einst vertraut machen. Zu denen gehören beispielsweise Matthäus Normann (Rügener Geschichtsschreiber), Carl Gustav von Wolffradt (Landvogt in Bergen), Johann Jacob Grümbke, Prof. Dr. Alfred Haas oder auch Arnold Ruge.

Der wurde am 13. September 1802 geboren. Sein Geburtshaus steht am Bergener Markt, eine Gedenktafel erinnert an den bedeutenden Sohn der Stadt. Seine Kindheit verlebte Ruge auf dem Gut Bisdamitz, das sein Vater gepachtet hatte. Der unterrichtete den Jungen zunächst auf dem Gut in Rechnen und Schreiben. Mit neun Jahren besuchte Ruge die Schule bei Kantor Dammas in Bergen und wohnte bei seinen Verwandten Hoffstädt in der Mühle ( heute noch bekannt — Hoffstädt-Moor). Der Schulzustand wurde unerträglich, die Schule Lazarett, Kantor Dammas musste mit seinen Schülern ins Kloster und dann in die Marienkirche ausweichen. Die Kinder erkrankten in der kalten Kirche, eine Keuchhustenepidimie breitete sich aus, so dass der Unterricht dort erstmal beendet wurde.

Der Vater beschloss 1818, den Sohn beim Pastor Gildemeister in Langhanshagen und später in Stralsund unterrichten zu lassen. 1821 ließ sich Ruge an der Universität Halle für das Theologiestudium einschreiben, aber die philosophischen und philologischen Studien interessierten ihn sehr und er setzte diese in Jena und Heidelberg fort. Hier trat er der Burschenschaft bei, die 1819 als „staatsgefährlich“ erklärt wurde und illegal war. Durch Verrat wird er auf einer Versammlung verhaftet, zu 15 Jahren Haft verurteilt. Aufgrund eines Gnadenerlasses wird er nach fünf Jahren Festung Kolberg entlassen. Trotz Ausschluss von allen Staatsämtern promoviert Ruge 1830 und arbeitet als Aushilfslehrer an den „Frankeschen Stiftungen“ in Stralsund und nach seiner Habilitation in Halle als Privatdozent an der Universität.

Er schließt sich in Halle den Junghegelianern an und gibt mit Theodor Echtermeyer die „Hallischen Jahrbücher“ heraus, eine Zeitschrift der demokratischen Opposition in Deutschland. 1842 kommt die „Reinische Zeitung“ dazu, die von Karl Marx redigiert wird. 1843 werden „Jahrbücher“ und „Rheinische Zeitung“ verboten, Marx und Ruge emigrieren nach Paris. Hier geben beide im Februar 1844 das erste und einzige Doppelheft der „Deutsch-Französischen Jahrbücher“ heraus. Aber diese Freundschaft und Zusammenarbeit zerbricht, weil Ansichten und Einstellungen nicht übereinstimmen.

Arnold Ruge kehrt über Zürich nach Deutschland zurück. Tätig als Verleger, erlebt er 1848 den Ausbruch der Revolution, deren Niederlage ihn tief trifft.

In Berlin gibt er mit Heinrich Bernhard Oppenheim „Die Reform“ heraus, eine radikale Zeitschrift der bürgerlich-demokratischen Opposition. Ruge ist Abgeordneter des Deutschen Parlaments in der Frankfurter Paulskirche. Trotzdem verlässt Arnold Ruge Deutschland und zieht an die englische Südküste nach Brigthon.

Arnold Ruge beobachtete und unterstützte 1866 Bismarcks Politik in Deutschland, dessen Bestrebungen für die Einigung des Landes und die Einführung des Allgemeinen Wahlrechts. Ruge erhielt 1877 bis zu seinem Tode deshalb einen Ehrensold. In Brigthon wird es still um den Historiker, Politiker und Publizisten; er stirbt dort Ende 1880 im Alter von 78 Jahren.

Barb und Karl Zerning

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