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Rügen Stressfreie Zeiten für Alleen auf Ummanz ganz ohne Salz
Vorpommern Rügen Stressfreie Zeiten für Alleen auf Ummanz ganz ohne Salz
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00:00 21.06.2016

Die Ahornallee, die von Varbelvitz nach Lieschow führt, sieht aus wie aus dem Bilderbuch: Die Reihen der Bäume sind geschlossen und bilden ein Grünes Blätterdach über der Straße. „So soll es aussehen“, freut sich Ingo Lehmann vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV. Doch um die wenigsten Alleen auf Rügen ist es so gut bestellt. Baumfällungen – zum Teil wegen Straßenbauarbeiten, zum Teil wegen Krankheit oder Abbruchgefahr der Bäume, haben das Bild der Alleen vielerorts bereits stark verändert.

Auch nur einige Meter weiter, an der größeren Kreisstraße 9 sieht es düster aus. Hier stehen nur noch einzelne Bäume, wo sich früher mal eine dichte Allee befand. „Die wenigsten Alleebäume erreichen noch ihr mögliches Alter“, meint Ingo Lehmann. „Meistens sind Schädigungen der Bäume der Grund für frühzeitige Fällungen.“

Doch was macht die Bäume kaputt? Um die Situation der Alleebäume auch wissenschaftlich zu betrachten, wurde vom Umweltministerium vor zwei Jahren auf der Halbinsel Ummanz ein Alleen-Projekt gestartet. Hier wird untersucht, wie man Alleenlandschaften schützen und wiederherstellen kann. „Ein großes Thema waren Untersuchungen zum Thema Streusalz“, sagt Dietmar Bilz, der wissenschaftliche Berater des Projekts. „Bäume, die an größeren Kreisstraßen stehen sind in der Regel viel mehr Streusalzbelastung ausgesetzt. Wie hoch die Belastung ist, haben wir untersucht.“ Zum Vergleich wurden Bodenproben aus dem Bankett der Kreisstraße 9 zwischen Gingst und Waase und aus dem Bankett der Gemeindestraße Lieschower Allee gezogen.

Die gewonnenen Werte sind alarmierend. „An der Kreisstraße haben wir nach dem kurzen Winter 2013/14 Natrium und Chloridwerte gemessen, die weit überhalb des Toleranzbereiches liegen“, erklärt Dietmar Bilz. „Ab 100 mg Natrium und Chlorid pro Kilogramm Erde werden die Blattränder von Alleebäumen braun und sterben ab. Wir haben hier mehr als das doppelte gemessen.“ Zum Vergleich: Die Lieschower Allee weist nur 12 mg Chlorid und 16 mg Natrium pro Kilogramm Boden auf. „Wir praktizieren seit Jahren den ,weißen Winterdienst’, das heißt wir räumen, verzichten aber auf das Ausbringen von Salz oder Schotter“, erklärt Holger Kliewe (CDU), der Bürgermeister von Ummanz. „Die Insel-Hauptstraßen müssen auch im Winter befahrbahr sein, zur Not eben durch Salz, keine Frage. Aber bei uns funktioniert das auch ohne gut. Die Menschen stellen sich darauf ein.“

Ist das prächtige Aussehen der Lieschower Allee also nur auf den „Weißen Winterdienst“ zurückzuführen? „Das spielt bestimmt eine große Rolle“, so Bilz. „Aber selbst bei den Gemeindestraßen ist mir Totholz aufgefallen. Das sollte eigentlich noch nicht vorhanden sein.“ Weitere Bodenproben ergaben etwas Erstaunliches in Zeiten der intensiven Düngung: Nährstoffmangel. „Den Alleebäumen fehlt es vor allem an Kalium und Phosphor“, so Bilz. „In der Landwirtschaft wird mehr mit Stickstoff gedüngt.“ Als die Bauern noch mit Pferdefuhrwerken unterwegs waren, erledigte sich dieses Problem quasi im Vorbeifahren, heute fällt für die Bäume kein natürlicher Dünger mehr ab. „Wir bringen seit 2014 mit dem Ziel der Revitalisierung Stallmist auf einer Alleenlänge von sechs Kilometern aus“, erzählt Kliewe. „Noch ist es zu früh, um anhand der Bäume einen sichtbaren Erfolg festzustellen, da braucht es mindestens fünf bis sechs Jahre. Aber die Bodenwerte haben sich bereits deutlich verbessert.“

Auch bei den Neupflanzungen ist Ummanz vorne mit dabei. Rund 60 Straßenbäume wurden in den vergangenen Jahren gepflanzt. „Wir sind sehr froh, dass wir mit Ummanz eine Gemeinde gefunden haben, die sich für dieses Projekt zur Verfügung gestellt hat“, erzählt Lehmann. „Es hat sich lange niemand bereiterklärt, mitzumachen.“ Ganz ohne finanzielle Belastung ist das Projekt für die Gemeinde nicht.

Einen Eigenmittelanteil von rund 10000 Euro (inklusive Arbeitsleistung) musste sie aufbringen. „Das ist es Wert“, findet Kliewe. „Alleen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Landschaft und wir haben auch die Verpflichtung sie zu schützen.“

Anne Ziebarth

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