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Studenten sammeln Ideen für das Kap

Putgarten Studenten sammeln Ideen für das Kap

Die 28 Architekturstudenten aus ganz Deutschland stellen im Juni ihre Modelle für ein Besucherzentrum vor

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Maria Hossner (22) von der FH Wismar, Marlon Münch (27, FH Trier) und der Archäologe Dr. Fred Ruchhöft an den Grabungsstätten am Kap Arkona.

Quelle: Fotos: Anne Ziebarth

Putgarten. Marlon Münch und Lorenz Reiter klappen die Kragen ihrer Jacken hoch — der Wind pfeift kalt über die Ausgrabungsstätten am Kap Arkona. Trotzdem hören sie aufmerksam den erklärenden Worten des Archäologen Dr. Fred Ruchhöft zu, gilt es doch, soviel Informationen über den Ort wie möglich zu sammeln. Die beiden jungen Männer sind Teil einer Gruppe von Architekturstudenten aus vier verschiedenen Fachhochschulen, die sich im Rahmen ihrer Ausbildung mit der Neugestaltung des Kap Arkonas beschäftigen. Hier soll in den kommenden Jahren ein Besucherzentrum entstehen, das die unterschiedlichen Aspekte wie Archäologie, Militärgeschichte und Architektur bündelt. Die 28 Studenten der Fachhochschulen Trier, Frankfurt (Main), Wismar und Erfurt sollen Konzepte und Modelle entwickeln, wie man den Standort besser ordnen könnte. „Noch weiß man als Tourist nicht so richtig, wo man eigentlich hin soll und was es hier zu sehen gibt“, beschreibt Janis Rohler die Situation am Kap. „Es wirkt alles sehr ungeordnet.“ Sein Kommilitone Lorenz Reiter ergänzt: „Man hätte diesen Standort kontinuierlich weiterentwickeln müssen — so herrscht jetzt ein Sanierungsstau. Viele Gebäude sind in schlechtem Zustand.“

Dabei sei das Potenzial reichlich vorhanden, betont Professor Burkhard Pahl von der Universität Leipzig. Themenbereiche wie die Schinkel-Architektur, das Kap als Sehnsuchtsort, die Geschichte der Slawenburg und die Militärhistorie des Ortes im Inselnorden seien allesamt touristische Anziehungspunkte. Pahl ist gemeinsam mit Peter Dietrich mit der Entwicklung eines Zukunftskonzeptes betraut, das die Gemeinde Putgarten in Auftrag gegeben hat. Als Mitinitiator des Projekts hat Pahl seine Hochschulkontakte genutzt, um die Fachhochschulstudenten mit ins Boot zu holen. Sie können das Thema als Projektarbeit oder sogar für ihre Abschlussarbeit im Studium nutzen. „Uns war es wichtig, frische und unvoreingenommene Ideen für die Standortentwicklung zu bekommen“, erzählt Pahl. „Wir haben den Studenten nur wenig Vorgaben gemacht, um die Kreativität nicht einzuschränken. Mindestabstände, Denkmalschutz und die zu überplanende Fläche sind allerdings festgesetzt.“ Die Studenten könnten das Besucherzentrum sowohl als einen größeren Komplex planen, aber auch in Form von mehreren dezentralen Gebäuden. Die Vorschläge der Studenten sind durchaus radikal. „Hier muss eine Menge gemacht werden“, meint etwa Maria Hossner von der FH Wismar. „Man muss auch darüber entscheiden, was an Gebäuden abgerissen werden kann, um den Gesamteindruck zu verbessern.“

Einen weiteren Ansatzpunkt für eine Veränderung sehen die Studenten auch in der Wegeführung. „Früher verlief die Zuwegung zum Ensemble der Leuchttürme aus der Richtung des Leuchtturmwärtergartens“, sagt Janis Rohler. „Momentan kommt man quasi von hinten an die Türme und hat nicht mehr diesen überwältigenden ersten Eindruck wie früher. Vielleicht sollte man das wieder ändern.“

Einiges ändern soll sich auch in der Präsentation des Themas Archäologie am Kap. Hier befindet sich eine der bedeutendsten Grabungsstätten Mecklenburg-Vorpommerns. „Weil die Küste immer weiter abbricht, führen wir hier eine sogenannte Notgrabung durch um möglichst viele Erkenntnisse über das letzte slawische Heiligtum Nordosteuropas zu bekommen“, erläutert der Archäologe Dr. Fred Ruchhöft.

Von den zum Teil spektakulären Funden, die bei diesen Grabungen entdeckt wurden, sehen die Besucher am Kap allerdings bisher nichts. Münzen, Waffen und Schmuck wandern in die Magazine des Landesamts für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin. „Es wäre schön, wenn die Funde auch hier ausgestellt werden können“, meint Ruchhöft.

Als Inspiration für die mögliche Gestaltung des Archäologie-Teils des Besucherzentrums, empfiehlt der Archäologe den Studenten die Lektüre des dänischen Geschichtsschreibers Saxo Grammaticus, dessen Beschreibung des Slawentempels am Kap die einzige zeitgenössische Quelle ist. „Ich bin sehr gespannt, was die Studenten draus machen“, so Ruchhöft. Im Juni kommen die jungen Planer mit ihren Modellen und Konzepten erneut nach Putgarten und stellen ihre Ideen vor.

Das Kap Arkona — Slawenburg und Sehnsuchtsort

Das Kap Arkona war schon zu Zeiten der Slawen etwas besonderes. Hier stand eine bedeutende Tempelburg, die 1168 von den christlichen Dänen zerstört wurde. Zu Zeiten der Romantik war das Kap Sehnsuchtsort für viele Maler, Architekten und Autoren. Überliefert sind zum Beispiel Besuche von Caspar David Friedrich (1774—1840) und Friedrich Schinkel (1781—1841). Militärisch hatte der Ort auch eine herausgehobene Bedeutung, davon zeugen noch mehrere Bunker, die zum Teil zu besichtigen sind. Heute kommen jährlich mehr als 440000 Besucher ans Kap, überwiegend Tagestouristen.

Von Anne Ziebarth

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Lieven Kennes (32) ist seit März Professor an der FH im Bereich Wirtschaft. Seine große Leidenschaft ist die Mathematik.

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