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Syrer auf der Suche nach einem Dach über dem Kopf

Bergen Syrer auf der Suche nach einem Dach über dem Kopf

Vier Männer übernachten seit Tagen auf der Straße, weil sie keine Wohnung gefunden haben / Angebot des Landkreises zur Unterbringung in Tribsees lehnen sie ab

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Mahmoud F. (41), Mohamed A. (18), Khaled A. (23) und Jamil A. (22) vor der Gemeinschaftsunterkunft in Bergen.

Quelle: Anne Ziebarth

Bergen. Der Boden vor dem Bergener Hotel Ratskeller ist bereits empfindlich kalt. Trotzdem kauern auf dem Pflaster vor dem Gebäude, das seit vergangenem Jahr als Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge genutzt wird, derzeit vier Männern aus Syrien. Es ist ihr Schlafplatz.

Die Männer im Alter zwischen 18 und 41 Jahren haben alle einen bewilligten Aufenthaltsstatus und sind nach eigenen Angaben seit rund einem Jahr auf der Insel Rügen. Doch Mahmoud F., Mohamed A., Jamil A., und Khaled A. haben es versäumt, sich frühzeitig um eigenen Wohnraum zu kümmern; zum 30. September ist ihre Unterbringung in der Gemeinschaftsunterkunft beendet. Seit mittlerweile fünf Tagen leben die vier Flüchtlinge in Bergen auf der Straße, im Park oder am Bahnhof in einige Decken gewickelt, das Nötigste in Rucksäcken bei sich. Doch ein Verantwortlicher für diese unglückliche Situation – Flüchtling selbst oder Behörde – ist in dieser Situation nur schwer zu ermitteln.

„Alle Syrer, um die es geht, haben vor dem 31. Mai ihren Anerkennungstatus bekommen“, informiert Renate Jährling vom Landkreis Vorpommern-Rügen. „Damit verbunden ist die Aufforderung, sich eine Wohnung zu suchen. Dafür gibt es in der Regel einen Monat Zeit.“ Die Fristen seien in der Vergangenheit mehrfach verlängert worden.

„Am 5. September haben Mitarbeiter des Landkreises noch einmal vor Ort über die Situation informiert und darauf hingewiesen, dass es jetzt höchste Zeit wird“, sagt Jährling. „Das wurde mit den Flüchtlingen besprochen.“ Doch so recht hat es bisher bei den Männern mit der Wohnungssuche in Bergen nicht geklappt. „Wir suchen Wohnraum in Bergen, Stralsund oder Schwerin“, erklären die vier Syrer. „Schwer ist es auch, weil wir noch nicht alle unsere Pässe haben.“ Einwände, die Jährling nur bedingt gelten lässt. Die Ausländerbehörde stelle in solchen Fällen Papiere aus, in denen bescheinigt werde, dass der Pass in Arbeit sei. Am vergangenen Freitag wurde es dann ernst. Mitarbeiter des Landkreises teilten den Flüchtlingen mit, dass sie jetzt aus der Unterkunft am Markt ausziehen müssten, auch wenn sie noch keine neue Wohnung gefunden haben. Zurück in die Gemeinschaftsunterkunft könnten sie nicht mehr.

Für Hilfe bei der Suche von Flüchtlingen nach einer Wohnung ist laut Landkreis in erster Linie das Jobcenter zuständig. Das hätten die Männer aus Syrien nach eigenen Angaben auch besucht, mehr als einige Immobiliensuchen im Internet seien dabei aber nicht herausgekommen. Khaled A. zuckt resigniert mit den Schultern. „Es hat nicht geklappt.“

Für Fälle, in denen Flüchtlinge keine Wohnung finden, hat der Kreis eine Not-Unterbringungsmöglichkeit in Tribsees geschaffen. Die ehemalige Industriehalle mit rund 90 Feldbetten ist bei Flüchtlingen aber nicht beliebt. Bereits im Frühjahr dieses Jahres hatten 30 Flüchtlinge die Unterbringung dort mit dem Hinweis auf unhygienische Zustände verweigert. Die Rügener Flüchtlige sind ebenfalls von der Unterkunft in Tribsees entsetzt. Am vergangenen Freitag haben sie sich mit Sack und Pack auf den Weg gemacht – nur um dann schnellstmöglich nach Rügen zurückzukehren. „Kalt war es dort“, so Mahmoud F. „Dreckig und vor allem hat es furchtbar gestunken.“ Nun wollen es die Männer weiter beim Jobcenter probieren, um eine Wohnung in Bergen zu bekommen. „Vielleicht können wir heute Abend woanders schlafen, bei einem Bekannten vielleicht“, hofft Khaled.

Obdachlosigkeit stellt für Flüchtlinge eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar, insbesondere die so genannten Rückkehrer aus anderen Bundesländern könnten nur schwer erfasst werden und drohten abzurutschen. „Wir rechnen zusätzlich mit einem Rückstrom von Flüchtlingen aus den beliebten Ballungsräumen wie Berlin“, berichtet Uwe Ahlers, Flüchtlingsbeauftragter des Diakonischen Werkes. „Seit August haben wir eine veränderte Gesetzgebung, die besagt, dass uns andere Bundesländer die Flüchtlinge auch wieder zurückschicken können, die eigentlich uns zugewiesen worden sind.“

Anerkannte Flüchtlinge auf Wohnungssuche

Werden Flüchtlinge offiziell als Asylbewerber anerkannt, fallen sie unter das Sozialleistungsgesetz. Heißt: Sie müssen bei den Jobcentern Hartz IV beantragen und sich selber Wohnungen suchen.

Bei der Wohnungssuche der Flüchtlinge helfen die Jobcenter, die Integrationslotsen des Landkreises sowie das Wohnungsmanagement des Fachdienstes Ausländeramt.

Werden Flüchtlinge obdachlos, fallen sie in die Zuständigkeit des Ordnungsamtes der jeweiligen Kommune.

Anne Ziebarth

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