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Theater Vorpommern „Der lange Kuss ist der magische Moment“
Vorpommern Rügen Theater Vorpommern „Der lange Kuss ist der magische Moment“
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01:21 23.08.2014
Anna Lena Class ist in der aktuellen Inszenierung die Störtebeker- Geliebte Elisabeth. Quelle: Jens-Uwe Berndt

Geküsst haben die Störtebeker-Darsteller seit Bestehen der Festspiele in Ralswiek schon reichlich. Aber kein Kuss dauerte vermutlich so lange und wirkte so leidenschaftlich wie der zwischen Bastian Semm und Anna Lena Class. Das bemerken an jedem Abend zur Vorstellung auch die Zuschauer: Erst wird geraunt, dann folgt Szenenapplaus.

„Wir haben nie darüber geredet, wie der Kuss aussehen sollte“, sagt Anna Lena Class, die in der aktuellen Inszenierung „Gottes Freund“ die Störtebeker-Geliebte Elisabeth spielt. „Die Idee ist im Laufe der Probezeit entstanden.“ Einfach so. Denn wie die 32-Jährige verrät, soll das „Lippenbekenntnis“ nicht einmal im Drehbuch gestanden haben. „Wir haben den Kuss irgendwann angeboten“, sagt sie.

Und dass er so lange dauert? „Der Kuss ist der romantische Moment des Stücks, den das Publikum genießen kann und soll. Ein magic moment.“

Wie sehr sich die Fans der Störtebeker-Reihe selbst mit den kleinsten Details der Inszenierungen auseinandersetzen, zeigt, dass ein Teil des Premierenpublikums den Kuss als Grund für Semms Heiratsantrag an seine Freundin Claudia Gaebel betrachtete. Gaebel hatte vergangenes Jahr die Elisabeth gespielt und sich während der Saison in den Störtebeker-Darsteller verliebt. Zum Abschluss der Erstaufführung von „Gottes Freund“ am 20. Juni hatte Bastian Semm sich seine Freundin auf die Bühne geholt und öffentlich um ihre Hand angehalten (die OZ berichtete).

„Ich fand's etwas kitschig, aber es hat mich trotzdem sehr berührt“, beschreibt Anna Lena Class die merkwürdige Wirkung dieses Heiratsantrags.

Die Münchener Schauspielerin läuft allerdings nicht Gefahr, privat dem Charme des Titelhelden zu verfallen. Den Richtigen habe sie längst gefunden, sagt sie. Und eine Tochter gehört ebenfalls bereits zu der kleinen Familie. Wenngleich sie Semm durchaus attraktiv findet. „Er erfüllt alle Kriterien, die ein Klaus Störtebeker haben sollte: Er ist groß, gut gebaut und sieht gut aus“, gesteht Class.

Theatererfahrung bringt die feingliedrige Darstellerin kaum mit. „Ich hatte Rollen in ein paar kleinen Schauspielhäusern, komme aber sonst vom Fernsehen“, sagt sie und erzählt von ihrer Mitwirkung in Serien wie „Rosenheim Cops“, „Marienhof“ oder „Sturm der Liebe“. Und so sei sie selbst ein wenig überrascht gewesen, dass sie so gar nicht aufgeregt war, als sie das erste Mal als Elisabeth vor 8000 Zuschauern auf der Bühne stand: „Da bin ich bei Castings viel nervöser.“

Ein Vorstellungsgespräch, das ihr unter Umständen die erste große Kinoproduktion hätte bescheren können, fand ausgerechnet während ihres Engagements bei den Störtebeker Festspielen statt. „Das war in Paris und galt einem richtig großen Film mit solchen Leuten wie John Malkovich“, erzählt die Schauspielerin. „Ich habe alle Varianten überlegt, wie ich trotz meines allabendlichen Auftritts vielleicht trotzdem hinfliegen könnte, hatte schon ganz frühe Flüge rausgesucht. Am Ende habe ich dann die Finger davon gelassen. Denn wäre unterwegs irgend etwas dazwischengekommen, hätte ich abends als Elisabeth gefehlt.“ Ein Unding. Für sie sind Absprachen und Unterschriften unter Verträgen verbindlich. In Abmachungsfragen ist bei ihr für den Sommer 2015 aber noch alles offen. „Falls mir von den Festspielen erneut eine Rolle angeboten werden würde, wäre ich sofort wieder mit an Bord.“

Anna Lena Class wirkt glücklich. Sie schwärmt von dem Ensemble, von der Bühne — die für sie „irgendwie wie Kino“ ist — von der Landschaft, der Insel und der Ostsee. Aufgewachsen in einem bayerischen Dorf sei sie sowieso sehr naturverbunden.

Trotz ihrer Herkunft, die nicht nur bei Norddeutschen das Klischee des in Mundart grantelnden Bayern heraufbeschwört, spricht Class ein Hochdeutsch voller Wohlklang. „Das habe ich mir keineswegs antrainieren müssen, wenngleich ich auch richtig bayerisch sprechen kann. Dann ist meine Stimme sogar ein bisschen tiefer“, sagt sie. Eine Kostprobe gab sie erst im vergangenen Jahr in einer Folge der „Rosenheim Cops“, als sie eine Sekretärin spielte, die Mundart sprach.

Dass Anna Lena Class ihrer Vorgängerin zum Verwechseln ähnlich sieht, ist aus dramaturgischen Gründen bewusst gelenkt worden. So habe sie eines Tages die Information ihrer Agentur erhalten, dass man sie nach Ralswiek einladen wolle. „Die erste Begegnung mit der Intendanten-Familie Hick hat mich sofort begeistert. Ich habe mich wirklich sehr wohl gefühlt“, sagt Class.

Das Feedback der Fans richte sich durchaus an sie als Schauspielerin. Mit Claudia Gaebler verwechsele sie niemand. „Allerdings wurde ich schon gefragt, ob meine Haare echt sind. — Das sind sie“, versichert Class, die noch drei Wochen als Elisabeth zu sehen ist. Die letzte Vorstellung findet am 6. September statt.

Störtebeker-Serie

Hinter den
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Serie

Gerichtsbericht
Anna Lena Class
Die Schauspielerin ist 32 Jahre alt und in München geboren. Ihre Filmographie beginnt 2003 mit der ZDF-Serie „Die schnelle Gerdi“. Es folgten unter anderem „Eine Liebe am Gardasee“, „SOKO 5113“, „Lotta in Love“, „Rote Rosen“, „Geld.Macht.Liebe“, „Marienhof“, „Sturm der Liebe“ und „Rosenheim Cops“.



Anna Lena Class spricht Englisch, Französisch und Italienisch, beherrscht die bayerische und Wiener Mundart und spielt Klavier. Laut ihrem eigenen Homepage-Profil bevorzugt sie neben dem Reiten Wintersportarten: Ski fahren und Snowboarden.



Die Rolle der Elisabeth spielt sie die meiste Zeit stumm.



Jens-Uwe Berndt

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