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Theater Vorpommern „Eckige“ machen Orpheus zum Rockstar
Vorpommern Rügen Theater Vorpommern „Eckige“ machen Orpheus zum Rockstar
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03:45 28.08.2013
Die letzten Proben der „Eckigen“ zu „Orpheus“. Die Premiere ist für den 4. September geplant. Quelle: Bernd Hinkeldey
Stralsund

Mit „Schau mir in die Augen, Kleines“, mimte Humphrey Bogart im Filmklassiker „Casablanca“ den starken Typen, der selbstlos seine große Liebe (Ingrid Bergmann) freigibt.

Nur einen kurzen Augenblick lang wollte sich auch Orpheus seiner Geliebten Eurydike versichern und verlor diese für immer. Blicke und ihre oft überraschende Wirkung sind ein zentrales Moment in „Orpheus“, dem neuen Stück des Behinderten-Theaters „Die Eckigen“ unter der Regie von Franz Triebenecker. Auge in Auge sitzen darum die Zuschauer bisweilen den Schauspielern gegenüber, müssen stechende, fragende Blicke ertragen. Ein Moment der inneren Begegnung mit dem Theater an sich und mit den eigenwilligen Bühnenakteuren. „Orpheus“ ist die 20. Bühnenproduktion des Behinderten-Theaters mit Akteuren aus Stralsund und Greifswald. Die Legende des begnadeten und bewunderten Sängers aus der griechischen Mythologie ist nicht nur ein Stück, das mit Blicken arbeitet, sondern auch die Blicke auf sich ziehen wird. Die Kooperation mit dem Theater Vorpommern und die Inszenierung auf der großen Bühne garantiert wieder eine ausdrucksstarke Inszenierung mit großartigen Bildern. Ganz in der Tradition legendärer Produktionen wie „Alice im Wunderland“ oder „Jakobus“.

„Orpheus ist in der Stralsunder Bearbeitung ein Rockidol der Antike“, sagt Triebenecker. „Bevor er in Erscheinung tritt, wird der Mythos im Alltag verarbeitet“, beschreibt Franz Triebenecker den Einstieg, ohne zuviel verraten zu wollen. Hin- und Anschauen ist das große Leitthema.

Dann muss auch der Orpheus der „Eckigen“ in die Unterwelt. Und diese Geschichte ist hinlänglich bekannt: Um seine Geliebte aus dem Hades zu befreien, geht er freiwillig ins Reich der Toten. Auch hier wirkt sein betörender Gesang. Er darf Eurydike mit ins Leben nehmen, sofern er sie nicht anschaut. Als er sich aber vergewissern will, dass sie ihm folgt, stirbt sie erneut. Auch Orpheus findet den Tod und erst als Schatten kommen die Liebenden wieder zusammen. Ein schwacher Trost, der beide nicht zufrieden stellen kann.

Eine bewegende Story, die durch das „Eckigen-Theater“ aber wie immer eine eigene Färbung und Darstellung erfährt. Große Worte stehen neben elegischen, schweigsamen Szenen. Die Schatten der Toten geistern über die Bühne, Sisyphus stemmt seine schweren Steine und Ixion dreht sich am Feuerrad. Das alles gelingt mit bewegenden Bildern, multimedial eindrucksvoll unterlegt.

Dazu kommt Musik des Berliner Komponisten Luca Carbonaro, ein bewährter Partner des Behinderten-Theaters. Für die Live-Klänge sorgt ein Ensemble des Symphonieorchesters der Uni Greifswald unter Leitung von UMD Harald Braun. Die Inszenierung verspricht wieder großes, beeindruckendes Theater. Eine Kooperation der KDW-Ensembles Stralsund und Greifswald unter dem Namen „Theater NichtsNutz“

(TNN) mit dem Theater Vorpommern, unterstützt von der Damp-Stiftung und der Aktion Mensch.

Zur Premiere hebt sich der Vorhang im Theater am Olof-Palme-Platz am 4. September um 19.30 Uhr.

Orpheus ist in der Stralsunder Bearbeitung

ein Rockidol der Antike.“Franz Triebenecker, Regisseur

Bernd Hinkeldey

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