Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Theater im Schlosspark: Mit Goethe in die Nacht
Vorpommern Rügen Theater im Schlosspark: Mit Goethe in die Nacht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 12.07.2018
Regisseur Boris Hruschka (Mitte) übernimmt in beiden Stücken zeitweilig die Rolle des Faust in der Inszenierung der Hinterlandbühne. Quelle: Foto: Uwe Driest
Pansevitz

„Mit dem zwölften Glockenschlag“ soll Johann Wolfgang von Goethe an einem 28. August geboren sein. Und hier beginnt auch die Inszenierung, welche die Rügener Hinterlandbühne Deutschlands berühmtestem Dichter in diesem Jahr widmet. Mit viel Gespür für den Geist eines Ortes gelang es Regisseur Boris Hruschka, die historische Glocke ausfindig zu machen, die einst im Torhaus des Schlosses von Pansevitz Knechte und Mägde zu den Mahlzeiten rief.

Wie in den Vorjahren ist der zugleich als Friedwald genutzte Schlosspark um die Ruine des Anwesens Ort für das Freiluft-Theater. So nimmt auch der Spielort Bezug auf Goethe. Der soll nämlich, um die ihm innewohnenden Ängste zu bekämpfen, auf Kirchtürme geklettert und nachts auf Friedhöfe gegangen sein.

Gleich zwei Stücke stehen heuer auf dem Programm. Neben dem Faust II. aus dem Vorjahr wird auch ein biographisches „Best of“ unter dem Titel „LebensflutenTatensturm“ gegeben. Darin können Besucher anschaulich nachvollziehen, in welcher Wechselwirkung Lebensstationen und Schaffen Goethes zueinander stehen.

Szenen aus „Dichtung und Wahrheit“, dem „Prometheus“ oder die Walpurgisnacht aus dem Faust wechseln sich mit biographischen Texten aus der Italienreise ab, wo der Dichter am Rande des Vesuvs stand.

Thematisiert wird auch dessen Verhältnis zu den Frauen und seine späte sexuelle Entfaltung im Alter von fast 40 Jahren, als er die 16 Jahre jüngere Christiane Vulpius kennenlernt. In dieser Phase entstanden die „Römischen Elegien“, für Hruschka „einer der schönsten Gedichtzyklen von Goethe“. Aus der Verbindung gingen fünf Kinder hervor, von denen vier sehr früh starben. Die Verarbeitung des Kindstods findet sich in einer Passage des „Erlkönig“ an der Blutbuche des Pansevitzer Parks wieder. Nach dem Tod seiner Frau umwirbt Goethe – inzwischen 74-jährig – seine letzte Liebe, die erst 18-jährige Ulrike von Levetzow. Die junge Frau aber erhört ihn nicht, vertraute ihrem Tagebuch an, dass sie „gar keine Lust verspürte, zu heiraten“ und sollte das bis an ihr Lebensende so halten.

Goethe verarbeitete den Korb in seinen „Marienbader Elegien“.

So begleitet das Publikum das aus Profis und Laien bestehende Ensemble der Hinterlandbühne Rügen und zwei Musiker freitags durch ein Panorama aus Goethes Leben mit bekannten und unbekannteren Werken auf einem etwa zweieinhalbstündigen Spaziergang, von Station zu Station, von der Dämmerung in die Nacht.

An einem zweiten Abend folgen Besucher auf die Reise durch Goethes „Faust, zweiter Teil“. In diesem Werk, das nur selten gegeben wird, ergründet Goethe die Zusammenhänge von Macht und Geld, lässt den künstlichen Menschen erschaffen, beobachtet Faust bei seiner irrwitzigen Suche nach Helena, dem Musterbild der Frauen, die ihn bis in die Unterwelt der Antike führt, jagt ihn durch Kriege und die Gründung eines räuberischen Weltkonzerns bis zur endgültigen Erkenntnis dessen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“: Der Weisheit letzter Schluss.

Nach der Premiere vom vergangenen Wochenende folgen jeweils drei weitere Aufführungen. Beide Stücke sind durch eine Pause „mit kleinen Überraschungen“ unterbrochen. Festes Schuhwerk wird empfohlen.

Bei nachttauglicher weißer Kleidung gibt es als Bonus ein Glas Sekt zum Empfang.

LebensflutenTatensturm“ ist zugleich der Titel einer großen Goethe-Ausstellung der Klassik-Stiftung Weimar. Deren Credo „Goethe ist und bleibt aktuell“ verbindet Stiftung und Theatermacher. Das Rügener Ensemble führt daher derzeit Gespräche mit der Stiftung über einen Auftritt im kommenden Jahr zum 270. Geburtstag des Dichters, der in Weimar begraben ist.

Zweimal Goethe in Pansevitz

LebensflutenTatensturm“, freitags um 21 Uhr, Dauer zwei Stunden mit Pause (13., 20. und 27. Juli).

„Faust – der Tragödie zweyter Theil“, samstags um 20.30 Uhr, Dauer drei Stunden mit Pause (14., 21., und 28. Juli).

Reservierungen unter info@rotekugel.com oder ☎ 0 152 / 52 059 138. Vorbestellung 18 €, Abendkasse: 21 €. Freier Eintritt für Kinder bis 10 Jahre, Gruppenrabatte.

Treffpunkt ist der Innenhof der Ruine im Schlosspark Pansevitz.

Festes Schuhwerk wird empfohlen.

Bei nachttauglicher weißer Kleidung gibt es als Bonus ein Glas Sekt.

Uwe Driest

Für die Sicherheit der Gäste verbringen hunderte Ehrenamtler ihre freien Tage an der Küste.

12.07.2018

Plakatkampagne gestartet / Bewerbungsphase noch bis zum 31. August

12.07.2018
Rügen Lauterbach/Stralsund - Männer aus Seenot gerettet

Lauterbacher Hafenmeister unterstützte Rettungskräfte

12.07.2018