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Ticha im Herrenhaus Libnow

Ticha im Herrenhaus Libnow

Nach Libnow, nördlich der Hansestadt Anklam gelegen, fährt man von Rügen aus keine hundert Kilometer.

Nach Libnow, nördlich der Hansestadt Anklam gelegen, fährt man von Rügen aus keine hundert Kilometer. Vorausgesetzt es ist wenig Verkehr auf der Straße, dürfte man in weniger als zwei Stunden sein Ziel erreicht haben: ein schon äußerlich prachtvoll anzuschauendes Backsteingebäude im Tudorstil, das in seinen repräsentativen Ausstellungsräumen immer wieder mit herausragenden Kunstausstellungen, mit Lesungen und Konzerten aufwartet. Die diesjährige Saisonausstellung (Juni bis September 2016) entstand in Kooperation mit der Berliner Galerie Läkemäker, die sich nach einer vielbeachteten Ticha-Retrospektive in der Kunstsammlung Jena nun im Landkreis Vorpommern-Greifswald mit einer umfassenden Verkaufsausstellung aus fünf Jahrzehnten brillant in Szene setzt. Ausgestellt sind Bilder, Zeichnungen, Grafiken und Objektplastiken des Künstlers von 1967 bis heute, so gesehen beispielgebende Belege aller für Ticha wichtigen Schaffensphasen. Wer den 1940 in Tetschen-Bodenbach (heute Decín, Tschechische Republik) geborenen Hans Ticha nur „en miniature“, als originären Buchillustrator aus seiner Ostberliner Zeit kannte und schätzte, wird in Libnow aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Zwar zeichneten sich die von ihm illustrierten Bücher (allein 73 Bücher der Jahre 1959 bis 1990 tragen laut Werkverzeichnis seine Handschrift!) durch eine für DDR-Verhältnisse höchst ungewöhnliche, abstrahierende Bildsprache aus, entfernt mochte man an große Leitbilder wie Kasimir Malewitsch, Fernand Léger oder Richard Lindner denken, wer aber ahnte, wusste um die großen Formate, die inhaltlich gewagten, so radikal entlarvenden Zeit-Bilder, die sich am hohlen Pathos, das ihn umgab, entzündeten? Mit diesen Arbeiten hat Hans Ticha seine Malfinger in die Wunden der DDR-Diktatur (einer jeden Diktatur!) gelegt. Die Jubel-, Klatscher- und Parade-Bilder sind nicht nur Zeugnisse einer visuell einprägsamen Malkultur, sie sind auch Beispiel einer Haltung, die Kunst nach Inhalten abfragt, die Antworten in der Gegenwart und Zukunft geben könnte, sie als Spiegel unserer Welt betrachten. Die großartigen „Parabelbilder“ Tichas in Libnow bieten solch ein Forum! ARTus

OZ

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