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Rügen Tierpark: Jetzt haben Einwohner das Wort
Vorpommern Rügen Tierpark: Jetzt haben Einwohner das Wort
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00:01 27.04.2016
Waschbär Ouzo im Sassnitzer Tierpark hat einen Paten — das D+S-Callcenter Lietzow. Dessen Personalchef Christian Fischer will mit dem Paten näher Bekanntschaft schließen und lockt den Kleinbären mit einer leckeren Erdnuss in der Hand. Quelle: Udo Burwitz

Rückbau statt Ausbau? Wie geht es weiter mit Rügens einzigem Tierpark in Sassnitz? Der Streit um die Rettung und Zukunft der Anlage am Steinbachweg geht in die nächste Runde. Dabei sollen jetzt auch die Hafenstädter zu Wort kommen. „Wir wollen mit den Sassnitzern darüber diskutieren, wie der Tierpark gerettet und fit für die Zukunft gemacht werden kann“, kündigt Norbert Schult, Fraktionsvorsitzender der Linken in der Stadtvertretung, an und lädt ein: Die Fraktion veranstaltet am kommenden Dienstag eine Einwohnerversammlung im E-Werk.

Zu jenen, die sich für die Rettung des Tierparks stark machen, gehören auch die Mitarbeiter des D+S- Callcenters in Lietzow. Das Unternehmen, das zu den größten Arbeitgebern auf Rügen gehört, zeigt Flagge. „Wir haben bereits die Unterschriftenaktion der Wählerinitiative für Sassnitz für den Erhalt des Tierparks unterstützt“, sagt D+S- Personalleiter Christian Fischer. Im Lietzower Unternehmen wurden dafür auch Unterschriften gesammelt. Rund 250 seien zusammen gekommen.

Insgesamt 1981 konnten Vertreter der Wählerinitiative in der letzten Stadtvertretersitzung an Stadtpräsidenten Norbert Thomas (CDU) übergeben (die OZ berichtete). Zu Wochenbeginn nahm Christian Fischer Tuchfühlung mit Waschbären „Ouzo“ im Sassnitzer Tierpark auf. Das Callcenter übernimmt die Patenschaft für den putzigen Kleinbären und unterstützt den Tierpark damit auch finanziell. Die Paten zahlen 120 Euro im Jahr. „Ouzo“ ist kein waschechter Insulaner. Er kam 2011 aus einer Wildtierauffangstation in Potsdam als Welpe in den Sassnitzer Tierpark. „Wir sind beide keine Insulaner, wollen aber noch lange auf Rügen bleiben“, kommentierte Christian Fischer die Patenschaftsübernahme durch das D+S-Callcenter, das ebenfalls ein „zugezogenes“ Unternehmen sei.

Ob Fischers Wunsch in Erfüllung geht, scheint zur Zeit offen. Denn die Stadtvertreter haben in jüngster Sitzung mit Stimmenmehrheit ein Konzept zur kompletten Neugestaltung des Tierparks abgeschmettert. Statt der „grundhaften Erneuerung“, wie das mehr als 2,8 Millionen Euro teure Projekt titelt, soll der Tierpark „moderat“ zurückgebaut werden. Darauf hat sich die Mehrheit der Stadtvertreter geeinigt und der Verwaltung den Auftrag erteilt, ein Konzept für einen „verkleinerten Heimattiergarten mit ausschließlich heimischen und nicht pflege- und betreuungsintensiven Tierarten“ zu erarbeiten.

Die Mitglieder der Fraktion der Linken in der Stadtvertretung sind dagegen. „Rückbau zu einem Streichelgehege — gefordert und beschlossen von SPD, CDU und FDP, heißt Schließung des Tierparks und bedeutet damit auch den Abbau von Arbeitsplätzen und die Entlassung der Mitarbeiter“, heißt es in einer Pressemitteilung der Fraktion. Die präferiere die grundhafte Erneuerung, so Norbert Schult.

„Allerdings jene Zwei-Millionen-Euro-Version, die Leon Kreusche vom Amt für Wirtschaftsförderung in der letzten Sitzung der Volksvertretung als Vorschlag der Verwaltung zur Diskussion gestellt hat.“

Für die grundhafte Erneuerung gäbe es ein gesichertes Finanzierungskonzept, begründet Schult. „Die Fördermittel vom Land stehen dafür bereit, nicht zuletzt, weil das Land am Erhalt des Tierparks als Beitrag zur Umweltbildung, der Entwicklung von Sozialkompetenz und zur Tourismusförderung interessiert ist. Auch der Zoofachverband MV spricht sich für den erneuerten Tierpark aus. Bestandteil der Genehmigung des Konzeptes war selbstverständlich die Einhaltung der Zoorichtlinien zur artgerechten Tierhaltung“, heißt es dazu in der Pressemitteilung der Fraktion. „Dagegen ist die Finanzierung eines moderaten Rückbaus nicht gesichert“, fügt Schult hinzu.

„Ob ein Rückbau überhaupt förderfähig ist, halte ich für sehr fragwürdig“, sagt Bürgermeister Frank Kracht. Für die große Lösung hatte das Land eine großzügige finanzielle Unterstützung zugesagt. Die grundhafte Erneuerung des Tierparks wollte es zu 90 Prozent fördern. Kracht zweifelt, dass dies auch für die von der Mehrheit der Stadtvertreter gewollte „Schrumpfversion“ der Fall sein wird.

Wie soll sie dann bezahlt werden? Konkrete Finanzierungsvorschläge dafür habe es auch in einer inzwischen mit den Fraktionsvorsitzenden durchgeführten Gesprächsrunde nicht gegeben, sagt er. Die Linken hätten sich in dieser Beratung eindeutig erklärt. „Die Fraktion will zur nächsten Sitzung der Stadtvertretung einen Antrag zur grundhaften Erneuerung des Tierparks einbringen.“ Einen Antrag zum Tierpark von der CDU habe auch deren Vorsitzender, Norbert Thomas, angekündigt. Der sei bis gestern im Rathaus aber noch nicht eingetroffen.

Einwohnerversammlung: Dienstag, den 3. Mai, 17 Uhr im E-Werk Sassnitz

Paten für Wildschwein und Co.

33 Patenschaften für 78 Tiere im Sassnitzer Tierpark gibt es aktuell. Mit dieser Aktion, die bereits im Dezember 2005 aus der Taufe gehoben wurde, unterstützen die Paten die Anlage am Steinbachweg nicht nur ideell, sondern auch finanziell. Sie zahlen für ihren gefiederten oder vierbeinigen Paten je nach Tier zwischen 10 und 260 Euro. Ein Patenschaftsvertrag wird immer für ein Jahr geschlossen und kann verlängert werden.

9 Jahre besteht die längste Patenschaft. Und zwar für eine Gelbstirnamazone. 2007 übernahm eine Familie aus Stralsund die Patenschaft für den Papageienvogel. Der Vertrag wurde bis heute immer wieder verlängert. Solche Patenschaften werden oft zum Geburtstag, zu Weihnachten oder zur Hochzeit geschenkt. So sorgte zum Beispiel eine „Schwiegermutter-Präsent“ dafür, dass Wildschwein „Susi“ eine Patin gleichen Namens hat.

Von Udo Burwitz

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