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Töpferin findet im urigen Dorf Zeit

Nistelitz Töpferin findet im urigen Dorf Zeit

Barbara Sammler kommt sei 1977 regelmäßig in ihr Niedersachsenhaus. Hier kann sie Künstlerin sein.

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1977 suchte Barbara Sammler auf Rügen eine Töpferwerkstatt. Seitdem arbeitet sie jeden Sommer zwei Monate in Nistelitz.

Quelle: Fotos: Kay Steinke

Nistelitz. 1977 kam Barbara Sammler auf die Idee, ihre Keramik auch auf Rügen zu präsentieren. „Anzukommen war gar nicht so leicht“, sagt die gebürtige Chemnitzerin heute. „Wir mussten mehrere Kunststücke meistern. Ich brauchte hier einen Brennofen, eine Töpferscheibe und wir mussten noch einen Stromanschluss organisieren“, erinnert sich die 72-Jährige. An dem damals verlassenen sogenannten Niedersachsenhaus, gab es eine Menge Arbeit. „Zum Glück ist mein Mann Architekt. Wir haben versucht die Bausubstanz zu erhalten“, erzählt sie. „Schwierig war es, hier einen Ofen zu bekommen und diesen zu installieren. Ich brenne meine Objekte mit 1100 Grad. Steinzeug muss sogar bei 1400 Grad bearbeitet werden. Erst dann wird es richtig fest.“

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Sammler poträtiert Nistelitz.

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Nachdem sie an der Burg Giebichenstein in Halle industrielle Formgestaltung studiert hatte, stellte sie in etlichen Galerien von Leipzig, Berlin, Dresden und auch auf Rügen aus. Heute befindet sich ihre Galerie hauptsächlich im Niedersachsenhaus.

„Ursprünglich wollte ich herziehen“, sagt die Künstlerin. „Das ergab sich aber nicht, es war zu schwierig. Und nach der Wende ging es nicht mehr, weil sich bereits zu viele Keramiker auf Rügen angesiedelt hatten.“ Rügen sei damals zu einer Keramiker-Region geworden. Barbara Sammler befürchtete Absatzprobleme.

„Bis heute versuchen wir alle modernen Sachen hier zu vermeiden. Damit unser Haus so urig bleibt, wie das ganze Dorf“, kommt Sammler auf ihre Umgebung zu sprechen. Im Sommer würden sie ihr Niedersachsenhaus bekochen und beleben, wie die Rentnerin sich ausdrückt.

Damit sie beim Töpfern genau ihre 1100 Grad erreicht, vermischt sie seit Jahren roten und weißen Ton. „Gedreht ist ein einfacher Körper rasch“, meint sie. „Fünf Minuten brauche ich ungefähr. Damit ich aber so eine schöne, realistische Gans hinbekomme, brauche ich für den Knetprozess schon eine Stunde. Das Kneten ist dann richtige Töpferarbeit. Dadurch wird es dann ein Kunstwerk.“

Ihre Rügen-Aufenthalte sind für Barbara Sammler wichtig — weil sie hier Zeit hat, sagt sie. „Ich ziele mit meinen Werken auf Unikate. Egal ob beim Malen und beim Töpfern, der Vorgang ist immer einmalig. Durch diese Arbeitsweise versuche ich, auch etwas von der Ursprünglichkeit dieses Dorfes einzufangen. Viele sehen vielleicht nur den mechanischen Ablauf. Aber in etlichen meiner Werke habe ich die Geschichte von Nistelitz in Bildern eingefangen. Sie sind eine kleine Chronik.“ Dabei erstellt sie die von Touristen beliebte „Nistelitzer-Tasse“ eher nicht mehr. „Die kamen gut an. Waren aber zu kitschig. Ich möchte wieder mehr Kunstwerke machen.“

Seit Jahren hätten die Kunsthandwerker ein großes Problem, findet Barbara Sammler. „Was wir machen wird als Kunst kaum noch anerkannt, auch wenn ein Handwerker seine Sache gut macht.“ Es gebe auf dem Markt einfach zu viele Scheinunikate. Viele Touristen, die nach Nistelitz kämen, seien zu sehr auf Schnäppchen aus. „Ein Blick zu bekommen für Kunstwerke, für die Einmaligkeit einer Sache, ist nicht leicht“, sagt die Seniorin. „Trotzdem finden die Leute dann meistens eines meiner Lieblingsstücke und kaufen es dann auch. Zum Beispiel die Tasse, sie hat ein Thema, ist aber leicht variiert. Die gepunktete Tasse ist was für 16-jährige Mädchen.“

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