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Rügen Treppe beliebt – Sicherheit geht vor
Vorpommern Rügen Treppe beliebt – Sicherheit geht vor
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00:01 13.10.2017
Bei einem Hangrutsch im Mai 2016 war ein Teil der Treppe am Königsstuhl zerstört worden. Quelle: Fotos: Dana Frohbös (4), Rico Markmann

Der geplante Rückbau der Königsstuhltreppe sorgt bei den Urlaubern für Kontroversen. Einige sind sehr enttäuscht, andere halten den Schritt für richtig. Wegen einer Beschädigung nach einem Hangrutsch war der Abstieg seit Mai 2016 nicht mehr begehbar (die OZ berichtete), die Hoffnung auf eine Reparatur oder einen Neubau blieb bei vielen allerdings bestehen.

Rügen-Urlauber bedauern den geplanten Abbau der Treppe am Königsstuhl. Die Gefahren werden aber gesehen.

„Wir sind sehr traurig darüber, dass die Treppe weg soll“, sagt Ramona Hübschmann (48) aus Schwarzenberg (Erzgebirge). „Es ist schon ein Erlebnis, dort hinabzusteigen und sich den Königsstuhl von unten anzuschauen. Wenn man jetzt auf die Kreidefelsen blicken will, ist man gezwungen, für die Aussichtsplattform Geld zu bezahlen.“ Zusammen mit Uwe Semmler (54) aus Seelingstädt (Thüringen) war Hübschmann für einen Kurzurlaub auf Rügen.

Diana Ervenich (39) ist aus Hannover zu Gast auf der Insel. Gemeinsam mit ihrem Mann Stefan (45) und den drei Kindern fühlt sie sich an der frischen Luft am wohlsten. Mit dem Fahrrad hat sich die fünfköpfige Familie in gelben Warnwesten auf die Reise zum Königsstuhl gemacht. Genau wie ihre Kinder ist auch sie traurig, dass die Treppe nun Geschichte ist. Dennoch: Für die Mutter steht vor allem der Sicherheitsaspekt im Vordergrund. „Ich finde schon, dass die Treppe wieder aufgebaut werden sollte, aber es muss halt sicher sein, und wenn das nicht garantiert werden kann, dann geht es eben nicht. Das ist ganz wichtig, gerade, wenn man mit Kindern hier ist.“

Margit Winterkorn (68) aus Heilbronn kam nach ihrer Kur in Potsdam spontan nach Rügen. Sie wusste noch gar nicht, dass ein Rückbau der Treppe am Königsstuhl geplant ist. „Ich hab nur gelesen, dass sie zurzeit gesperrt ist. Wegen des Sturmes, dachte ich mir. Dass es schon so lange dauert, wusste ich nicht. Aber auch ohne die Treppe gibt es hier genug zu sehen. Es muss ja nicht jeder bis in den letzten Winkel.“

Auch Sarah Brehme (20) aus Gera verbringt ihren Urlaub derzeit auf der Ostseeinsel – gemeinsam mit ihrer Mutter Babett (54). Ihre Meinung zum Rückbau der Treppe ist klar: „Ich finde es völlig in Ordnung, dass nun so entschieden wurde. Wir standen eben auch vor so einem Weg, der noch offen war. Von dort hätte man noch runtergehen können, aber wir haben uns dafür entschieden, es nicht zu wagen. Man hat schon eher ein mulmiges Gefühl. Ich finde, man kann den Strandspaziergang unten auch schon gar nicht mehr richtig genießen, wenn man jetzt weiß, da könnte dir jeden Moment ein Felsen auf den Kopf fallen.“

Mutter Babett sieht das ganz ähnlich. „Wir sind schon seit längerer Zeit Ostsee-Urlauber und haben uns eben erst über das Thema unterhalten. Wir finden den Schritt richtig, denn wir haben erlebt, wie vom Kap Arkona bis hierher zum Nationalpark Jasmund aus verschiedenen Gründen die enormen Naturgewalten wirken.“

Welche Kraft diese entwickeln und wie plötzlich sie auftreten können, wird direkt deutlich. Auf dem Rückweg vom Aussichtspunkt zum Viktoriafelsen wundern sich die beiden Frauen: Am Niedergang der gesperrten Treppe liegt ein Baum. Der Wanderweg zurück zum Busparkplatz ist versperrt. Auf dem Hinweg konnten sie hier noch problemlos entlang schlendern. Die beiden Touristinnen steigen über den Baum hinweg und melden das Ereignis einer Rangerin im Nationalpark.

Die Sage

Wer König von Rügen werden wollte, der musste ein ganz besonders tapferer Held sein. Um seinen Mut zu beweisen, stand dem Anwärter auf den Thron eine anstrengende und gefährliche Mutprobe bevor. Von ihm wurde verlangt, den 118 Meter hohen Kreidefelsen zu besteigen – von der Seeseite aus. Hatte er dies geschafft, durfte er auf dem von der Natur erbauten Stuhl Platz nehmen und die Huldigund durch sein Volk genießen. Diese Sage aus dem Mittelalter gab dem Fels seinen Namen.

Jens-Uwe Berndt und Dana Frohbös

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