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Rügen Treppen-TÜV: Industriekletterer haben Stufen im Jagdschloss Granitz geprüft
Vorpommern Rügen Treppen-TÜV: Industriekletterer haben Stufen im Jagdschloss Granitz geprüft
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18:37 30.11.2018
Das Jagdschloss steht auf dem Tempelberg inmitten der Granitz, nur wenige Kilometer von den Ostseebädern Binz und Sellin entfernt. Quelle: Stefan Sauer
Binz

Der Aufwand ist groß, aber notwendig: Seit Montag letzter Woche finden an der gusseisernen Wendeltreppe im Mittelturm des Jagdschlosses Granitz Restaurierungsarbeiten statt. Diese dienen dem Erhalt der historischen Konstruktion. Denn bis zu 130000 Gäste pro Jahr besuchen das Rügener Wahrzeichen – und die meisten Besucher erklimmen auch den berühmten Turm mit Aussichtsplattform, um von dort oben den imposanten Inselrundblick zu genießen. Doch dem Besucherandrang halten die fein gearbeiteten Treppenstufen nicht ewig stand. Deshalb müssen Jahr für Jahr immer einige von ihnen instandgesetzt werden. Dies geschieht im Auftrag des landeseigenen Betriebes für Bau und Liegenschaften (BBL M-V), der für den Bauunterhalt verantwortlich ist.

„In diesem Jahr wurden vier Stufen aus der Treppe ausgebaut, die aufgrund ihres aktuellen Schadbildes restauriert werden“, informiert Sprecher Christian Hoffmann. Einfach und schnell ginge das nicht, weil die Treppe nach einem Baukastenprinzip zusammengesetzt ist. „Ohne Weiteres können die Stufen aus einem Treppenlauf nicht entfernt werden, weil dies seine gesamte Konstruktion destabilisieren würde“, so Hoffmann. Daher wurde die Treppe zunächst mit einem eigens für diese Arbeiten gefertigten Gerüst gesichert. Die komplizierte Demontage der Stufen beanspruchte dann Stunden. Zuerst wurden die mehr als 170 Jahre alten Schrauben gelockert. Dazu seilten sich Industriekletterer im Turm ab und lösten die Schrauben auf der Unterseite der Stufen. Im weiteren Verlauf der Arbeiten seien drei bereits restaurierte Stufen in die Treppe eingesetzt worden.

Besucher des Jagdschlosses Granitz bei Binz auf der Insel Rügen müssen mit Sperrungen im Mittelturm rechnen. Grund dafür ist der jährliche Treppen-TÜV im November, dem die 154 gusseisernen Stufen unterzogen werden.

„Während bis zur Montage im kommenden Jahr die Schäden an den ausgebauten Stufen beseitigt und diese aufbereitet werden, garantieren Platzhalter aus Aluminium, dass die Treppe in dieser Zeit bestiegen werden kann“, erklärt Hoffmann. In der Zeit der Bauarbeiten mussten Treppe und Aussichtsplattform aus Sicherheitsgründen für den Besucherverkehr geschlossen bleiben. Der Aufstieg zum Turm war nur am Wochenende möglich. „Die meisten Gäste reagierten mit Verständnis auf die Einschränkungen, auch wenn sie natürlich enttäuscht waren, wenn der Turm nicht zugänglich war“, weiß Agnes Heine, Kunsthistorikerin und Museumspädagogin und seit dem Jahre 2011 im Schloss tätig. Schließlich komme ein sehr großer Teil gerade wegen der guten Aussicht vom Turm. „Und in den letzten Tagen hatten wir teilweise wirklich fantastisches Panoramawetter“, so Heine.

Am Freitag sollen die Arbeiten an der Eisentreppe enden. Diese schmückt seit 1845 den von Karl Friedrich Schinkel entworfenen Mittelturm des zwischen 1837 und 1846 gebauten Jagdschlosses. Die Treppe stammt aus der Berliner Maschinenbauanstalt Franz Anton Egells und gilt als wichtiges Zeugnis der preußischen Eisengussindustrie.

Das Jagdschloss Granitz ist eines von neun Schlossensembles, das von der Oberen Landesbehörde Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen MV betrieben wird. In diesem Jahr werden für die Arbeiten an der Wendeltreppe und die Restaurierung defekter Stufen rund 50000 Euro aus dem Landeshaushalt zur Verfügung gestellt, informiert Christian Hoffmann.

Gerit Herold