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Rügen Trubel am Süllitzer See: Kotattacken und Revierkämpfe
Vorpommern Rügen Trubel am Süllitzer See: Kotattacken und Revierkämpfe
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00:00 27.04.2016
Maurice Scharmer (l.) und seine Freundin Melanie Wittemberg (r.) stehen vor dem Spektiv der Ranger. Quelle: Fotos:anne Ziebarth

Gabriele Schobel steht in der kleinen Beobachtungshütte am Ufer des Süllitzer Sees und schaut durch ihr Fernglas auf eine rührende Szene. Ein Wasservogel mit kupferroter Brust sitzt auf seinem schwimmenden Nest im Flachwasser, das passende Männchen bringt emsig weiteres Nistmaterial im Schnabel herbei. „Ein Rothalstaucherpaar“, freut sich Gabriele Schobel. Die 60-jährige Pensionärin ist einer Einladung des Biosphärenreservats Südost-Rügen zum ersten Vogelbeobachtungstermin in diesem Jahr gefolgt. Die aus dem Baden-Württembergischen Reutlingen stammende Gabriele Schobel interessiert sich sehr für Vögel. „Ich habe sogar mein eigenes Fernglas mitgebracht“, erzählt sie. Die beiden Ranger Thomas Papke und Heinz Steinfeldt, die den Vogelfans mit Fachwissen und Beobachtungstipps zur Seite stehen, haben außerdem noch Hochleistungs-Fernrohre, die sogenannten Spektive, mitgebracht. „Wir haben hier rund 30 bis 40 Vogelarten, die man am und um den Flachwassersee beobachten kann“, erklärt Thomas Papke. „Insbesondere kleinere Taucherarten wie der Zwergtaucher oder der Rothalstaucher lieben die geringe Tiefe des Sees und finden hier reichlich Nahrung.“ Er muss es wissen, gehört die Kartierung der Vogelarten neben der Besucherbetreuung auch zu seinem Arbeitsalltag. „See und Umgebung liegen in einem besonderen Vogelschutzgebiet der EU. Wir beobachten die Tiere und sammeln Informationen über Bestand und Zugverhalten.“ Dabei kann der Arbeitstag der Ranger schon mal früh beginnen. „Halb fünf ist im Sommer keine Seltenheit“, berichtet Papke und zwinkert. „Aber das ist es wert.“

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Ranger des Biosphärenreservats Südost-Rügen geben Einblicke in die Rügener Vogelwelt/ Auch seltene Arten lassen sich rund um den Flachwassersee bei Serams entdecken

Das Gewässer fast unmittelbar an der B196 hat eine bewegte Geschichte. „Vor der Wende war hier eine Mülldeponie“, erzählt Steinfeldt. „Dann wurde die Deponie abgedichtet und das Gebiet renaturiert und wiedervernässt.“ Heute wird der Wasserpegel mit einem Ablauf geregelt, die Größe des Sees von neun Hektar bleibt konstant. „Wasservögel schätzen das Gebiet als Brutplatz. Die Lachmöwen haben eine eigene kleine Kolonie hier“, sagt Steinfeldt. „Wenn sich ein Feind, zum Beispiel ein Greifvogel oder ein Fuchs, nähert, schlägt die ganze Gruppe der Vögel Alarm und geht mit Kotattacken gemeinsam gegen den Feind vor.“ Doch nicht immer ist man sich so einig am Süllitzer See. „Wenn die Bläßrallen ihre Territorialkämpfe ausfechten, tost die Wasseroberfläche“, sagt Steinfeldt. „Auch die Taucher machen einander sehr deutlich klar, wenn sie der Meinung sind, es würde eine Reviergrenze überschritten.“

Natürlich wissen die Ranger auch ganz genau, wann die ersten Schwalben angekommen sind. „Die Mehlschwalben sind seit zwei Wochen da — die Rauchschwalben bereits seit vier Wochen “, erklärt Papke .

„Man kann hier schön beobachten, wie sie dicht über der Wasseroberfläche Insekten fangen oder im Flug Wasser trinken.“

Aber auch verschiedene Möwenarten und natürlich viele Enten bevölkern die Oberfläche des Gewässers. „Schnatterenten und Reiherenten habe ich schon gesehen“, erzählt Melanie Wittemberg aus Oldenburg (Niedersachsen). Sie besuchte die Ranger-Veranstaltung zusammen mit ihrem Freund Maurice Scharmer (34). Die 28-jährige Landschaftsökologin hat bei Waldspaziergängen immer ihr Fernglas und einen Kescher dabei. „Damit kann ich Libellen fangen und genauer betrachten. Das sind nämlich meine Lieblingstiere“, sagt die junge Frau. Das Paar verbringt derzeit den ersten Urlaub auf Rügen und ist fasziniert von der Natur der Insel. „Die Landschaften sind total anders als auf den Ostfriesischen Inseln, auf denen wir schon mal im Urlaub waren. Aber gefallen tut es uns hier sehr“, erzählt Melanie Wittemberg. „Vor allem der Nationalpark am Königstuhl hat uns sehr gefallen.“

Der nächste Vogelbeobachtungstermin im Biosphärenreservat findet übrigens erst im Herbst, am 20. Oktober, statt. „Um diese Jahreszeit kann man sowohl Zugvögel als auch Ganzjahresgäste hier beobachten“, sagt Stefan Woidig vom Biosphärenreservat. „Das macht den Zeitpunkt für Vogelliebhaber so interessant.“ Vögel kann man aber das ganze Jahr am Süllitzer See sehen. „Dafür ist der Standort der Schutzhütte perfekt“, so Woidig. „Näher sollte man ohnehin nicht rangehen, die Vögel sind sehr störungsempfindlich.“

Der Süllitzer See

9 Hektar groß ist der Süllitzer Flachwassersee bei Serams. Bis zur Wende diente dieses Gebiet als Deponie für Braunkohleasche. In den 90er Jahren wurde die Landschaft renaturiert und es folgte eine Wiedervernässung. Seitdem hat sich dort ein artenreiches Biotop entwickelt, in dem man 30-40 verschiedene Vogelarten beobachten kann. Darunter auch seltene Tiere, wie zum Beispiel den Rothalstaucher und den Zwergtaucher.

Von Anne Ziebarth und Moritz Herzberg

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