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Rügen Über die Gefühlswelt älterer Kinder auf Rügen
Vorpommern Rügen Über die Gefühlswelt älterer Kinder auf Rügen
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09:11 10.05.2018
Schülerinnen und Schüler der achten Klassen der Regionalen Schule Garz schrieben Texte zum Thema Schulalltag. Quelle: Uwe Driest
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Garz

„Also man fragt Acht-Klässler danach, was sie schon erlebt haben. Ja, alles klar. Ich frage mich, warum die uns fragen? Bei uns fangen die Ereignisse, woran wir uns erinnern werden, doch gerade erst an“, schrieb Dieter in seinem Beitrag für das Buchprojekt Garzer Schüler. Initiiert hatten die Arbeit an dem Gemeinschaftswerk Gertraud und Gerhard Strotkamp, deren zwei Enkelinnen die Schule besuchen. Gemeinsam mit Lehrerin Anke Bartz entwickelten sie die Idee weiter. „Wir wollten ein Projekt, bei dem die Erwachsenen in der zweiten Reihe stehen“, sagt die Pädagogin und es sollten einmal nicht Gymnasiasten, sondern „normale 14-jährige Jugendliche im Mittelpunkt stehen.

Die hätten zunächst verhalten reagiert, die Arbeit aber im Oktober vergangenen Jahres aufgenommen. Nun liegt das 162 Seiten starke Büchlein „Wir sinds, die Achtklässler's“ in einer Auflage von zunächst 300 Exemplaren vor. 38 Schülerinnen und Schüler der beiden achten Klassen erstellten unter Pseudonym in 78 Beiträgen ihre Short Stories, Texte, Gedichte, Skizzen, Zeichnungen und Minidrehbücher. Es sei ein „unterhaltsames und beinahe schon pädagogisch aufklärendes Taschenbuch“ entstanden, findet die Leipziger Schreibtherapeutin Kerstin Klare. Das enthält natürlich auch Wortschöpfungen der Jugendsprache. So heißt es im „Mittelfingermittwoch“: „Event bei fortnite verpasst. Lowlevel!“.

„Gegen schlechte Noten kann man nicht viel machen“

Laura Kiehne aus Groß Schoritz brachte sich mit gleich vier Geschichten ein. Gemeinsam mit Malte Rethmeier, Jonathan Lange und Frauke Bodach entwickelte sie die Idee zu einem Videoclip. Die Drehbücher für Kurzfilme „Tod einer Lehrerin“ und „Die Deutscharbeit“ versahen die Schüler mit Regieanweisungen für die Kamera. „Die vielen Korrekturen waren nervig“, fand Malte. Dabei sei ihm beinahe die Lust vergangen. Vielleicht ist das der Grund, aus dem immer noch Fehler übrig blieben, die „vom Leser gütig ignoriert werden“ sollten, wie es im Vorwort heißt. In den kurzen Geschichten rund um den Schulalltag spielen auch Facebook oder Handy immer wieder eine Rolle. Bei dessen Nutzung läuft schon mal ein Kind vor ein Auto oder eine Gruppe verläuft sich beim Wandertag. Während Laura sich Gedanken über ihre Zukunft macht, kommentiert „White Heart“ seine Fünf in Geographie mit den Worten „Na ja,viel kann man dagegen nicht machen.“

„Buttermilch 2.0“ rappt: „Ein Ort zum Lernen / und mit dem Tintenkiller alle entfernen / Dieser Ort ist zu hassen? / Und dem Lehrer den Ball ins Gesicht verpassen? / Ein Ort zum Pausieren / Und die Noten sind zum Explodieren!!! / Bruder, du musst studieren!!! / Um eins und eins zu addieren. / Ein Ort, man nennt ihn Pausenhof. / Die Aufsicht ist ziemlich doof! / Und da drüben bei der Hecke / Ist die Raucherecke.“

Buch eignet sich als Präsent zur Jugendweihe

„Wir können sie nur erahnen, die Gefühlswelt von älteren Kindern, die sich innerhalb kurzer Zeit zu Jugendlichen wandeln, die sich wenige Jahre später als Männer und Frauen in der Gesellschaft und in der Welt behaupten müssen“, sagt Schreibtherapeutin Klare. „Insgesamt gesehen zeigt dieses Taschenbuch, dass Schüler kreativ sind, eigene Gedanken, Ideen und Lebensvorstellungen haben, den Schulalltag auch genießen und ziemlich genau wissen, was wichtig ist und warum.“

„Das Buch könnte sich sich als kleines Präsent zur Jugendweihe eignen“, hofft Anke Bartz. Der Erlös kommt vollständig den Klassen 8a und 8b zugute. „Und auch, wenn es nicht viel Geld ist, habt Ihr immer noch das Buch“, betont Gerhard Strotkamp, der das Buch im eigenen Dr. Strotkamp Verlag herausgab.

Driest Uwe

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