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Übergewicht bei Schülern nimmt zu

Garz/Rügen Übergewicht bei Schülern nimmt zu

Eltern sollen sich über Angebote informieren / Kooperation zwischen Vereinen und Kitas notwendig

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Die Patienten der CJD Fachklinik in Garz steigen während ihres Aufenthaltes regelmäßig aufs Fahrrad. FOTOS (2): CHRISTIAN NIEMANN

Garz/Rügen. Bewegung scheint nicht mehr zeitgemäß zu sein. Immer mehr Ärzte diagnostizieren bei Kindern Adipositas. Auch bei den Einschulungsuntersuchungen fallen seit Jahren den Verantwortlichen vermehrt Störungen im emotional-sozialen Verhalten auf. „Wir Schulärzte stellen bei den Untersuchungen der Kinder durch den steigenden Bewegungsmangel fest, dass es neben den Auffälligkeiten im emotional-sozialen Bereich auch zunehmend Übergewicht bei den Schülern gibt“, berichtet Dr. med. Susann Heusler, Ärztin im Kinder- und Jugendärztlichen Dienst des Landkreises Vorpommern-Rügen.

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Eltern sollen sich über Angebote informieren / Kooperation zwischen Vereinen und Kitas notwendig

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Diese Probleme sieht Sporttherapeut Michael Koenen von der CJD Fachklinik für Kinder und Jugendliche in Garz auch. Neben den Patienten, die sich in einer Rehabilitationsmaßnahme befinden, kümmert er sich um die Sportgruppe mit Übergewichtigen. „Diese trifft sich immer freitags“, sagt Koenen. Sechs bis acht Kinder, die aus allen Ecken der Insel kommen, trainiert er. „Die 9- bis 15-Jährigen sind unter anderem in Prora, Bergen oder Samtens zu Hause“, sagt Koenen, der sich im regelmäßigen Austausch mit den Eltern seiner Schützlinge befindet. „Das ist so wichtig, dass man im Kontakt bleibt.

Sport lebt nunmal davon, dass die Kinder Spaß daran haben“, sagt der engagierte Sporttherapeut.

„Viele Leute machen gute Dinge“, ist sich Michael Koenen von der CJD-Fachklinik in Garz sicher. Im Jahr 2003, mit der Gründung des Gesundheitssportvereins im Ort wurde ein Projekt initiiert, das den Aufbau einer Kooperationsbeziehung zwischen einem Sportverein und einer Kindertageseinrichtung fördert. „Der Kindergarten des Ortes ist einmal in der Woche zu uns gekommen. Nach der dreijährigen Projektlaufzeit haben wir feststellen können, dass die Übergewichtsraten so niedrig wie nie zuvor waren“, erzählt Koenen. Auch andere Projekte in anderen Bundesländern zeigen, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen mit Sportvereinen ist. „Es gibt viele gute Leute, die viele Dinge zusammen machen. Nur die Vereine müssen mehr daran mitarbeiten“, sagt er.

„Das Fundament für unsere Zukunft legen wir in der Kindheit. Es ist heute unumstritten, dass Bewegung und Sport die Gesundheit positiv beeinflussen“, betont der Therapeut. Er wird Ende April zur Landeskonferenz des Sportbundes MV reisen. „Wie im vergangenen Jahr geht es diesmal wieder um Bildung, Bewegung und Gesundheit“, sagt Koenen. Er richtet in seiner Arbeit den Blickwinkel auf die positiven Fähigkeiten seiner Probanten.

Während seiner Tätigkeit in der Fachklinik stellt er bei Übergewichtigen fest, dass oft nur geringe motorische Fähigkeiten vorhanden sind. „Was dann noch erschwerend hinzu kommt, ist die oftmals geringe Motivation. Womöglich ndere Probleme im Elternhaus tun ihr Übriges dazu“, sagt Koenen. Eine Motivation zum Sporttreiben baut er mit seinem Team Schritt für Schritt auf. Hier gelingt ihm das.

Im Kindergartenalter müsse man diesen Problemen präventiv entgegenwirken. „Das beste Sportfest nützt nichts, wenn sich die Vereine nicht mit Eltern austauschen“, sagt Koenen. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten ergeben, dass das Fettgewebe der Kinder in der Hauptentwicklung kein Speichergewebe sei, sondern Hormone und Enzyme produziere. Es sei wichtig, dass den Eltern dieser Umstand bewusst gemacht werde.

Die Erfahrungen würden belegen, dass eine frühzeitige Integration der Konzepte in Kindergärten sinnvoll sei. Qualifizierte Erzieher, die in der Thematik Bewegung, Ernährung und Entspannung geschult wurden, müssten aus- und weitergebildet werden. Auch hier setze man für eine langfristige Wirkung auf die Mitarbeit der Väter und Mütter.

Es müssten kontinuierliche Bewegungsprogramme durchgeführt werden. „Elternabende oder ein gemeinsames Frühstück muss in den Wochenplan eingebunden werden. Wichtig ist, dass die drei Säulen Kinder, Kindergartenteam und Familie gleichwertig berücksichtigt werden“, sagt Michael Koenen. Daran will man nun im Landkreis arbeiten.

Christian Niemann

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