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Umgerüstet: Mit dem eigenen Fahrschulauto zur Prüfung

Schmantevitz/Glowe Umgerüstet: Mit dem eigenen Fahrschulauto zur Prüfung

Der DRK-Hilfsfonds unterstützt mit Spenden aus der OZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ einen behinderten Rüganer beim Erwerb seines Führerscheins.

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Eingespieltes Team: Nico Jahr und Fahrlehrer Karl-Heinz Stimm im umgebauten Fahrschulwagen.

Quelle: Holger Vonberg

Schmantevitz. Nico Jahr ist auf Rügen wohl der einzige Fahrschüler, der ein eigenes Fahrschulauto besitzt. Wegen einer angeborenen Behinderung — ihm fehlt ein Teil des rechten Armes — musste er seinen blauen Automatik-Golf umrüsten lassen. Und alles aus eigener Tasche. Um dem 18-Jährigen die Ausbildung am Lenkrad zu erleichtern, bekam er für den Erwerb seiner Fahrerlaubnis jetzt finanzielle Unterstützung vom DRK-Hilfsfonds — gefüllt mit Spenden aus der alljährlichen OZ-Aktion „Helfen bringt Freude“, bei der die Insulaner für verschiedene Projekte der Insel spenden. „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt der angehende Sport- und Fitnesskaufmann, der auf einem abgelegenen Gehöft auf Wittow wohnt und dessen Auto so alt ist wie sein Fahrer.

Bevor er das Unternehmen Führerschein angehen konnte, brauchte er ein Gutachten, dass er überhaupt fahrtauglich ist. Dann der Umbau des Autos: Der Blinkerhebel wurde verlängert und nach rechts verlegt, damit er ihn mit seinem rechten Armstumpf bedienen kann. Am Lenkrad ist ein Knauf für die Einhandbedienung. Und auf der Beifahrerseite hat jetzt auch der Fahrlehrer ein Gas-, Kupplungs- und Bremspedal, um jederzeit eingreifen zu können. Nach dem Umbau musste Nico die Abnahme durch die Dekra bezahlen. Alles aus eigener Tasche, denn die Krankenkasse hat die Kostenübernahme abgelehnt.

Begründung: Er könne ja auch mit dem Bus seinen Ausbildungsbetrieb in Glowe erreichen. „Aber der fährt eher selten“, sagt Nico und freut sich, dass sein Fahrlehrer Karl-Heinz Stimm aus Dranske sich um Hilfe gekümmert hat.

Nico hat die Fachhochschulreife und in der Mutter-Kind-Klinik Glowe eine Lehrstelle bekommen. Dass er für seine berufliche Laufbahn auf ein Auto angewiesen ist, war ihm schon immer klar. Jetzt ist er ein Stück weiter. Nur noch wenige Fahrstunden, dann sitzt der Prüfer hinter ihm. Vorher muss nur noch die Frontscheibe wegen eines Steinschlags gewechselt werden. „Aber auch das wird irgendwie zu schaffen sein“, sagt Nico während er vor der Kurklinik auf den Fahrlehrer wartet. Der blaue Automatik-Golf hält. Karl-Heinz Stimm reicht ihm den Schlüssel und nimmt auf der Beifahrerseite Platz. Nico steigt in sein eigenes Fahrschulauto, lässt den Motor an und fährt strahlend vom Hof.

DRK-Hilfsfonds hat bisher 183 000 Euro gesammelt
2007 hat der DRK- Kreisverband Rügen einen Hilfsfonds ins Leben gerufen und mit eigenen Spendengeldern, Spenden aus OZ-Weihnachtsaktionen, mehreren Spenden der Sparkasse sowie Firmen- und Privatspenden aufgefüllt. Rund 183 000 Euro wurden inzwischen gesammelt. Ausgegeben wird das Geld mit Unterstützung des Jugendamtes und freier Träger der Jugendhilfe an sozial benachteiligte, aber auch hochbegabte Kinder und Jugendliche. Hinzugekommen ist 2008 die Hilfe für akute Krisensituationen in Familien. Mehr als 1600 Kinder und Jugendliche wurden bisher in diesen Krisensituationen, aber auch bei der Einschulung, beim Ausgleich von Benachteiligungen oder zum Schul- und Berufsschulstart gefördert.
OZ LESERBRIEFE
Nicht Schönreden, sondern hochwertige Angebote Zum Beitrag „Rote Laterne — Touristiker suchen Auswege“ (OZ vom 11. April):

Es geht um den Erhalt der für unsere Region wesentlichen Wirtschaftsgrundlagen. Ein Ziel, das für uns alle in der Region sehr wichtig ist. Aber bringt uns die Vorgehensweise der besorgten Menschen und Verantwortlichen dem Ziel wirklich näher?

Die Verantwortlichen der Tourismusbranchen versprechen sich offenbar vor allem von mehr Gemeinsamkeit der Gemeinden auf Rügen einen Anstieg der Touristenbuchungen.

Auf welche Erfahrungen stützen die zitierten Verantwortlichen ihre Annahme? Gibt es relevante Marktforschungsdaten? Sind die Touristen in einem statistisch relevanten Querschnitt selber befragt worden, was ihnen auf Rügen gefällt und was nicht?

Meine, ebenfalls ungestützte, Annahme ist mangelnde Qualität.

Wer wird gerne (wiederholt) in eine Urlaubsregion fahren, die sich vor allem auf dem außergewöhnlichen Reiz seiner Natur ausruht? Auch Rügen steht im Wettbewerb mit anderen reizvollen Urlaubsgebieten in Deutschland und darüber hinaus.

Dann entscheidet der Urlauber auch danach, wo er sich wohl fühlt, weil auf seine Bedürfnisse eingegangen wird in Hotels, im Fewo-Service, in der Gastronomie und in den Geschäften. Hier gibt es auf Rügen hervorragende Beispiele aber auch viel Mittelmaß und sogar „Kundenabschreckung“. Man sollte also unsere Service-Qualität selbstkritisch unter die Lupe nehmen und durch systematische Schulungen verbessern.

Wann begreifen Verantwortliche ebenso wie Mitarbeiter, dass nicht Schönreden sondern ein hochwertiges, kundenorientiertes Angebot über wirtschaftlichen Erfolg entscheidet?

Gerd Löffler, Sassnitz

Holger Vonberg

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