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Ummanz: Kirchengemeinde will selbstständig bleiben

Waase Ummanz: Kirchengemeinde will selbstständig bleiben

Mit nur 28 Mitgliedern zählt sie zu den kleinsten der Nordkirche

Waase. . In Mecklenburg-Vorpommern läuft noch bis zum 1. Advent die Kirchenwahl für die neuen Kirchengemeinderäte. Mit dabei ist Waase, eine der kleinsten Gemeinden der Nordkirche auf Ummanz: Sie hat nur 28 Mitglieder, will aber eigenständig bleiben. Sechs Mitglieder hat der Kirchengemeinderat – und sechs Kandidaten wurden gefunden. Da sollte die Wahl nicht schiefgehen. Das ist sie auch nicht. Alle Kandidaten sind inzwischen gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei fast 50 Prozent.

Waase ist so klein, dass es kein klassisches Gemeindeleben gibt. Nicht einmal ein Gemeinderaum steht zur Verfügung – aber es gibt eine Kirche. Alle 14 Tage findet dort ein Gottesdienst statt. Dafür kommt Pastor Joachim Gerber aus Gingst nach Ummanz. Er findet es richtig, dass die Gemeinde eigenständig bleiben will: „Mir konnte noch niemand überzeugend erklären, warum Mitglieder aus der Gemeinde Gingst über Immobilien und Grundstücke im Waaser Bereich mitentscheiden sollten.“

Die Waaser Kirche beherbergt mit dem Antwerpener Schnitzaltar ein besonders kostbares Stück. Ursprünglich wurde der Flügelaltar nur zu besonders festlichen Gelegenheiten geöffnet. Heute sind die geschnitzten und plastisch wirkenden Szenen des Schreines immer zu bewundern.

Den Altar hatten die Stralsunder der Kirche in Waase 1708 überlassen und nur 50 Taler verlangt. Offenbar traf das 1520 in einer Antwerpener Werkstatt gefertigte Kunstwerk der Spätgotik nicht mehr den Zeitgeschmack der Hanseaten. Als die ihren Fehler einsahen, schalteten sie ein Gericht ein, um den Altar zurückzuholen. Vergebens. Der Altar blieb in Waase und ist bis heute der ganze Stolz der Ummanzer. Ursprünglich war der vier Meter breite Kastenflügelaltar für eine englische Kirche bestimmt. Denn neben den Passionsszenen werden Momente aus dem Leben des Märtyrers Thomas Becket (1118 – 1170) dargestellt. Doch vermutlich durfte er dort nicht aufgestellt werden, denn der englische König Heinrich VIII. hatte 1534 mit der katholischen Kirche gebrochen.

Dieses Kunstwerk wollen jährlich rund 6000 Besucher bestaunen und kommen deshalb auf die rund 20 Quadratkilometer große Insel Ummanz, die seit 1901 durch eine 250 Meter lange Brücke an Rügen angebunden ist. Und diesen Schatz will die Gemeinde mit keiner anderen teilen. Mit viel Engagement werden das ganze Jahr hindurch tägliche Öffnungszeiten für die Kirche organisiert und Führungen angeboten. Im Sommer gibt es auch Konzerte.

Auch die Stralsunder Pröpstin Helga Ruch findet es „sehr beachtlich“, dass genügend Kandidaten für die Wahl zusammengekommen sind. Früher sei sie sehr dafür gewesen, dass Gemeinden fusionieren. „Aber es war ein Irrtum zu glauben, dass mehr Effizienz in der Gemeindeverwaltung dabei herauskommt“, gibt sie zu. Gemeinden eigenständig zu lassen, bedeute, dass die einzelnen Mitglieder mehr Eigenverantwortung übernehmen.

Nicole Kiesewetter und Susanna Gilbert

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