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Zur Landtagswahl treten nicht nur Kandidaten der Parteien an – auf Rügen wollen auch Einzelbewerber punkten

Bergen Neben den Vertretern der politischen Parterien können sich auch Einzelbewerber in den Landtag wählen lassen. Auf Rügen sind dies Kathrin Stein und Uwe Ahlers. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit ihnen über Rügens Chancen und Probleme.

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Zur Landtagswahl treten nicht nur Kandidaten der Parteien an – auf Rügen wollen auch Einzelbewerber punkten

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Warum gehen Sie als Einzelkandidat ins Rennen – sind Sie sonst auch eher Einzelkämpfer?

Kathrin Stein: Nein, das sicher nicht. Durch den Sport (Anm. der Redaktion: Deutsche Meisterin im Speedsurfen 2008) habe ich bestimmt das nötige Durchsetzungsvermögen und einen gewissen Ehrgeiz. Aber in der Politik arbeitet man besser im Team. Ich hoffe auch darauf, dass sich im Landtag Interessengruppen finden, die sich gemeinsam für Themen stark machen.

Uwe Ahlers: Eine große Motivation ist, dass ich mich an keine Fraktions- und Parteizwänge halten muss und dass ich nach Herz und Verstand entscheiden kann. Gute Ideen zu präsentieren ist die eine Sache, gute Ideen umzusetzen ist mit notorischen Bedenkenträgern nicht möglich. Insoweit bin ich oft auf mich allein gestellt, jedoch lassen Ausdauer und Beharrlichkeit sehr oft das angestrebte Ziel erreichen.

Sie waren den Wählern bisher als Bürgermeister bzw. Bürgermeisterkandidatin bekannt. Wieso der Wechsel in die Landespolitik?

Stein: Die Idee kam uns, also meinem Team und mir, im Bürgermeisterwahlkampf. Es ist wichtig, Sassnitzer und Jasmunder Themen auf den Weg zu bringen, die Region stärker in den Fokus der Landespolitik zu stellen. Ich bin Bürgerin, keine Berufspolitikerin, und sehe meine Aufgabe darin, Themen zu setzen, nicht so sehr, die Dinge bis ins letzte Detail durchzuplanen.

Ahlers: Ich möchte mich für unsere Region stark machen, im Landtag gehen die Interessen Vorpommerns häufig unter. Wir haben unsere Standortvorteile noch nicht klar genug herausgestellt, Chancen werden noch zu oft vertan. Ich denke zum Beispiel an die Pläne zum Ausbau des Flughafens Güttin. Ein Flughafen auf Rügen würde Touristen und Unternehmen gleichermaßen nützen. Das Projekt ist damals nicht konsequent genug vorangetrieben worden. Man sollte das Vorhaben neu auf den Tisch bringen.

Wo liegen ihrer Meinung nach die Hauptprobleme Rügens?

Ahlers: Auf der Insel fehlen die Dauerarbeitsplätze. Im Sommer gibt es hier Arbeitsangebote wie Sand am Meer, im Winter sieht es schlecht aus. Damit verbunden ist auch noch eine regionale Ungleichverteilung: Das Hinterland liegt, was Arbeitsplätze angeht, brach. Um die Insel wirtschaftlich auf stabile Beine zu stellen, braucht es eine Stärkung anderer Branchen als nur den Tourismus.

Die Insel braucht Industrie und produzierendes Gewerbe.

Was kann man Ihrer Meinung nach tun um diese Entwicklungen zu fördern, Herr Ahlers?

Ahlers: Mit dem Sassnitzer Hafen haben wir eine gute Basis. Es gibt nur drei ausgewiesene Industriestandorte in Vorpommern, wir sind neben Lubmin und dem Pommerndreieck einer davon. Der Sassnitzer Hafen hat sich in den vergangenen Jahren durch den Umbau und die Bedeutung des Hafens für den Bau der Offshore-Windkraftanlagen gut entwickelt. Wir müssen aber auch nach Ende des Windparkbaus dranbleiben und die freiwerdenden Kapazitäten nutzen. Ich würde mich freuen, wenn die Sanktionen gegenüber Russland aufgehoben werden. Das Land hat zwar reformbedürftige innere Strukturen, war aber immer ein interessanter Handelspartner für MV, vor allem für Rohstoffe. Mit der weiteren Entwicklung der Hafenflächen in Sassnitz könnten sich dort exportorientierte Produktionsstätten mit ganzjährigen Arbeitsplätzen ansiedeln.

Was wäre für sie prioritär, Frau Stein?

Stein: Uns geht es um die positive Entwicklung der Region. Hier könnte Sassnitz eine große Rolle als Entwicklungsmotor des Tourismus auf Jasmund spielen. Wir möchten, dass das Kurortgesetz um den Titel „Kreideheilbad“ ergänzt wird. Für die Erfüllung der Voraussetzungen für eine staatliche Anerkennung sehen wir die Ressourcen in Sassnitz, es wäre das erste Kreideheilbad weltweit.Vom Status des Kreideheilbads erhoffe ich mir einen weiteren Aufschwung des Gesundheits- und Kurtourismus, der ganzjährige und qualifizierte Arbeitsplätze schafft. Auch die nachgelagerten Branchen wie Freizeiteinrichtungen und Restaurants würden davon profitieren. Viele Anbieter von Gesundheitsleistungen nutzen die natürliche Ressource Kreide, die ja in Klementelvitz abgebaut wird, bereits heute.

Es wäre schön, wenn das auch anerkannt würde.

Welches Thema haben sie noch auf die Agenda geschrieben, Frau Stein?

Stein:   Ich fordere einen „Zukunftsvertrag“ für gerechten Ausgleich der finanziellen Mittel zwischen Land und Kommunen. Wenn man sich auf der Insel umsieht, haben die meisten Kommunen Finanzprobleme. Und das, obwohl Schwerin im vergangenen Jahr einen Überschuss von 220 Millionen Euro erwirtschaftet hat. Da stimmt doch etwas nicht. Ein weiteres Thema, das ich gerade auf Rügen für sehr wichtig halte, ist der Breitbandausbau. Schnelles Internet sollte zur Grundversorgung gehören, wie etwa die Möglichkeit, Post zu verschicken. Das muss zukünftig im Telekommunikationsgesetz festgeschrieben werden, weil gerade im ländlichen Bereich die Internetverbindung besonders wichtig ist. Telemedizin wird zukünftig ein fester Bestandteil sein.

Sie werben beide um die Wähler mit den Schlagwörtern mehr Bildung und Sicherheit...

Ahlers: Der Aufschwung der Wirtschaft ist mit dem Thema Bildung untrennbar verknüpft. Viele Handwerksbetriebe haben immer noch Probleme, Auszubildende zu finden, die über die notwendigen Grundkenntnisse verfügen. Kleinere Klassen und eine bessere Ausstattung mit Lehrern sind unabdingbar. Es kann auch nicht angehen, dass Rügen nur ein Gymnasium hat, die Schließung des Schulstandortes in Sassnitz war eine Fehlentscheidung. Es geht schon gar nicht an, dass Schüler, die eine Schule ihrer Wahl besuchen wollen, für die Fahrtkosten aufkommen müssen. Die Aussage „Freie Schulwahl“ muss auch gelten können. Meine erste Aufgabe wird es sein, diesbezüglich die Ergänzung des Schulgesetzes in Gang zu bringen.

Wir brauchen bürgernahe Polizei, die das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung erfüllt. Man sollte die Polizeistrukturreform rückgängig machen. In diesem Punkt – die Personalstärke als auch die technische Ausrüstung betreffend – darf nicht weiter gespart werden. Es darf nicht sein, dass unsere Polizisten als Zielscheibe von gewaltbereiten Demonstranten den Kürzeren ziehen, weil nicht ausreichend Personal da ist. Der Einsatz der Bundeswehr kann nicht die Lösung sein.

Stein: Wenn ich mit den Menschen in der Region spreche, bekomme ich schon das Gefühl, dass das Sicherheitsgefühl der Bürger schlechter geworden ist. Es wurden über Jahre hinweg zu wenig neue Polizisten ausgebildet und dementsprechend zu wenig eingestellt. Hier ist viel versäumt worden und muss verändert werden.

Personalmangel ist auch ein Problem im Bereich der Bildung oder der Kinderbetreuung. Das Land muss zusätzliche Anreize schaffen, um junge, gut qualifizierte Fachkräfte ins Land zu holen. Ein Ansatz könnte zum Beispiel sein, die Bafög-Rückzahlungen von jungen Lehrern zu stunden.

Die Einzelbewerber: Kathrin Stein und Uwe Ahlers

Kathrin Stein ist 1969 in Bergen auf Rügen geboren.

Nach der Ausbildung zur Kinderkrankenschwester arbeitete sie in Berlin und an der Uniklinik Greifswald. Weitere Qualifikation: Leitende Fachkraft in der ambulanten und stationären Pflege

Seit 2001 wieder auf der Insel Rügen, 2003 folgte die Eröffnung der Wassersportschule Timpeltu. Von 2009 bis 2011 Mitglied im Kreistag Vorpommern-Rügen. 2015 Kandidatur für das Amt des Bürgermisters in Sassnitz Uwe Ahlers wurde 1953 in Oldenburg (Schleswig-Holstein) geboren.

Nach der Ausbildung zum Bankkaufmann und Studium der Betriebswirtschaftslehre arbeitete er bei der Bundespolizei.

Seit 1996 wohnt Uwe Ahlers in Dranske, ist seit 1999 ehrenamtlicher Bürgermeister in Dranske und arbeitet als selbstständiger Unternehmens- und Wirtschaftberater. Seit 2015 Einsatzstellenleiter des Kreisdiakonischen Werks Stralsund. Mitglied im Kreistag Vorpommern-Rügen seit 1999.

Anne Ziebarth

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