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Unfallfrei ans andere Ufer

OZ-Serie über Dörfer der Insel Rügen — heute: Fährhof Unfallfrei ans andere Ufer

Die „Wittow“ setzt achtmal pro Stunde über den Rossower Strom. Immer mit dabei ist Lutz Kubiak aus Fährhof.

Fährhof. Die Fahrpreise kennt Lutz Kubiak nicht nur in- und auswendig, er würzt das Kassieren stets mit einer Prise Charme. „Ein Auto und eine hübsche Frau — macht vier Euro fünfzig!“ sagt er, blinzelt einmal verschwörerisch und wendet sich dem nächsten Fahrzeug auf der Wittower Fähre zu. „Ach da seid ihr ja wieder“, begrüßt er Fahrer und Beifahrer eines Geldtransporters fröhlich und knipst einmal in die Zehnerkarte. Er kennt viele seiner Passagiere persönlich, der gebürtige Bergener, der den größten Teil seines Tages auf See verbringt. Aufgewachsen ist er im Ortsteil Wittower Fähre, sein zu Hause liegt aber mittlerweile dort, wo ein Fährmann passenderweise wohnt: in Fährhof.

Lutz Kubiaks schwimmender Arbeitsplatz, die Wittower Fähre, verbindet die Inselmitte mit Wittow. Nur 350 Meter lang ist die Strecke, die Überfahrt dauert wenige Minuten. „Wir fahren im Pendelverkehr“, sagt Kubiak. „Viermal hin und zurück schaffen wir schon in der Stunde.“ Er ist Fährgehilfe auf dem Schiff namens „Wittow“, was bis zu 150 Personen von Ufer zu Ufer transportieren kann. Beliebt ist diese schnelle Abkürzung bei Rüganern und Touristen gleichermaßen. „Die meisten Touristen fahren natürlich an den Strand“, sagt der 51-Jährige. „Morgens hin auf die Halbinsel, abends wieder zurück.“

Er selbst ist seit 23 Jahren auf der Strecke unterwegs und kennt nicht nur jede Welle, wie er sagt, sondern natürlich auch die Geschichte der Fähre. „Bis zum Jahr 1968 gab es hier sogar eine Eisenbahnfähre, die die Waggons der Kleinbahn übergesetzt hat.“ Die Loks selber seien nicht auf die Fähre gefahren, „die waren ja viel zu schwer“, erläutert er das Prinzip des Gütertransportes. „Nur die Waggons wurden auf die Fähre geschoben, die hatte damals natürlich auch noch Gleise.“

Am anderen Ufer habe dann eine zweite Lok zum Wiederankoppeln gewartet und die Waggons in Empfang genommen. Einmal sei eine Lok zu weit auf die Fähre vorgefahren — mit fatalem Ergebnis: „Die kleine Fähre wäre fast untergegangen, es ging aber auch wirklich nicht viel mehr an Bord als diese Waggons.“

Die Fähren mit den Schienen an Bord kennt Kubiak auch. „Bis 1994 sind wir noch mit der kleinen ,Wittow‘übergesetzt, da gingen gerade einmal sechs Autos drauf“, berichtet er. Diese Fähre sollte nach ihrer Stilllegung ursprünglich in Barth als Museumscafé genutzt werden. „Ist wohl nichts draus geworden“, sagt Kubiak enttäuscht. „Soweit ich weiß, rottet die dort vor sich hin.“

Seine Freizeit verbringt der Schiffer überwiegend in Fährhof, wo er sich 1991 ein Haus mit Grundstück gekauft hat. „Ich bin ledig, Haus und Hof muss ich alleine schmeißen“, sagt er und kratzt sich am sehr seemännisch gestutzten Bart. Und was macht ein Fährmann im Winter? „Na, fahren natürlich“, sagt er lachend. „Der Rassower Strom vereist kaum und wir halten die Strecke ja auch frei.“

Wasser sei zu jeder Jahreszeit schön, sagt er.

Das kann Helge Zierow, Inhaber der Pension „Zur Wittower Fähre“ bestätigen. Er hat den wohl schönsten Blick auf die Halbinsel Wittow. „Meine Gäste kommen zwar überwiegend im Winter, aber die Angler lieben jede Jahreszeit“, berichtet er über seine Gäste. Derzeit sei der Heringsfang natürlich Thema Nummer eins unter den Anglern. Und hier in den Gewässern an der Fähre beißt der Hering offensichtlich ganz hervorragend. „1000 Stück, dick und rund“, verkünden drei stolze Angler aus Thüringen. Jürgen Scheeler, Frank Bauersachs und Burkhard Blechschmidt sind extra zum Angeln nach Rügen gekommen, wie in jedem Jahr. Frank Bauersachs zeigt auf eine große rote Kiste, in der sich die ausgenommenen Fische stapeln. „Die Tiefkühltruhen sind schon ausgeräumt zuhause“, sagt er. „Auf den Hering freuen sich alle.“

Anne Ziebarth

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