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Rügen Verliebt in 350 Meter Strand
Vorpommern Rügen Verliebt in 350 Meter Strand
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00:01 31.08.2016
Statt in einem schicken weißen Holzturm, schiebt Dr. Jürgen Weigel (75) lieber in seinem ausrangierten Bauwagen Wache. Quelle: Steffi Besch

Jeden morgen Punkt 9 Uhr schließt Dr. Jürgen Weigel den kleinen ausrangierten Bauwagen auf, der am Strandaufgang A der Gemeinde Gager/Groß Zicker auf einem Fundament aus alten DDR-Straßenplatten mitten in den Dünen steht, und verwandelt ihn binnen weniger Minuten in den wohl merkwürdigsten Rettungsturm an der deutschen Ostseeküste. Gefrühstückt hat der 75-Jährige Köpenicker dann schon ausgiebig in seiner Unterkunft in der Kurverwaltung Gager. „Hier auf dem Turm gibt es nämlich weder Strom noch Wasser. Tagsüber komme ich mit einem Apfel und einer Banane aus oder kaufe mir manchmal eine Bockwurst, wenn die Strandversorgung der Familie Franz vorbeifährt“, erzählt der braungebrannte Junggeselle während er Rettungsbrett, Schwimmflossen und Verbandsmaterial griffbereit vor dem Wagen stapelt und Wasser- und Lufttemperatur an der Tür aktualisiert. Hin und wieder kauft er sich am Eiswagen auch mal einen Kaffee, denn die Schicht von 9 bis 18 Uhr zieht sich. „Wenn es wie in der vergangenen Woche so heiß und voll ist, dann wünsche ich mir schon einen zweiten Mann her. Denn Lesen oder Handyspielen gibt es bei mir nicht. Ich bin den ganzen Tag am gucken“, so der diplomierte Maschinenbauer, der mit 65 Jahren an der Universität in Bratislava in Sozialwissenschaften promovierte. Und dafür vorab bereits publizierte. „100 Jahre organisierte Wasserrettung in Berlin“, lautet der Titel seines Buches.

Ein Paradies für Maulfaule. Ich bin gern allein und muss mich tagelang nicht unterhalten.“Dr. Jürgen Weigel

Auf ein ganz persönliches Jubiläum kann der vierfache Papa dieses Jahr selbst beim Grillen mit den Kameraden anstoßen: Dr. Jürgen Weigel ist seit 60 Jahren Rettungsschwimmer, wofür er jetzt von der DLRG geehrt wurde. 60 Jahre, in denen er viel erlebt und gesehen hat, half und Leben rettete. Acht Mal sprang er ins Wasser, um Ertrinkende ans sichere Ufer zu holen. „Das ist natürlich ein schönes Gefühl und man ist zufrieden. Aber es gab auch viele Einsätze zum Abgewöhnen“, sagt Weigel, der seit er Rentner ist jeden Sommer fünf Monate als Rettungsschwimmer Türme von Berlin bis Bansin besetzt.

Je nachdem, wo er gebraucht wird. Der kleine Ein-Mann-Rettungswagen in Gager hat es ihm aber besonders angetan. „Die DLRG-Einsatzleiterin Mai Bartsch überredete mich nach Rügen zu kommen. Vor zehn Jahren wurde es einer Kollegin im muffigen Bungalow auf dem Campingplatz zu eng. Ich lüftete durch, holte mir frisches Bettzeug von der Kurdirektorin und zog ein“, erzählt er. Morgens bringe ihm Hartmut Schmidt, der die Strandkorberoberer abkassiert, die OSTSEE ZEITUNG vorbei und abends trinkt man auch mal ein Bier mit den Bekannten aus dem Dorf. Ein schönes Leben. Ohne viel Schnick-Schnack.

„Zu DDR-Zeiten habe ich als Bootsführer 5 Mark in der Stunde verdient. Heute sind es nur 15 Euro Aufwandsentschädigung am Tag. Da ist man schon etwas sparsamer unterwegs“, so der Mann im roten Pulli. Am Sonntag wird er seine Wache nun wieder verlassen und auf den schicken Turm am Selliner Südstrand wechseln, wo die Kaffeemaschine blubbert, saubere Toiletten das Dixie-Klo auf dem Strandparkplatz ersetzen und Kollegen brabbeln. Seine Ruhe hat Jürgen Weigel dann wieder im nächsten Sommer im weißen Plastikstuhl vor seinem Wagen. Bis dahin zieht er sich über Winter in der Köpenicker Werft zurück, wo er die Boote der DLRG für die nächste Saison fit macht und mit 400 Arbeitsstunden einsamer Spitzenreiter seiner Ortsgruppe ist.

Steffi Besch

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