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Vermissten nach schlafloser Nacht in Putbus gefunden

Putbus Vermissten nach schlafloser Nacht in Putbus gefunden

19 Mitglieder von Rettungshundestaffeln der Johanniter aus ganz Deutschland legen Prüfung mit ihren Vierbeinern auf Rügen ab

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Erfolgreiches Team: Jana Simon aus Baabe hat mit Border-Collie „Berry“ schon mehrere Vermisste gefunden.

Putbus. Ben wedelt aufgeregt mit dem Schwanz, als ihm sein Herrchen Rolf Crain die „Uniform“ anlegt. Der Golden Retriever bekommt eine Art Leibchen umgeschnallt mit dem Emblem der Johanniter. Kenndecke heißt diese „Uniform“ im Fachjargon, die den Vierbeiner als Suchhund kennzeichnet. Rolf Crain gibt das Kommando: „Such!“ Der Hund flitzt ins Unterholz. „Jetzt schlägt die Stunde der Wahrheit“, sagt Crain und folgt dem Vierbeiner. In einem Wald bei Putbus nehmen beide die Suche nach einem Vermissten auf.

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19 Mitglieder von Rettungshundestaffeln der Johanniter aus ganz Deutschland legen Prüfung mit ihren Vierbeinern auf Rügen ab

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„Die Szenerie ist nachgestellt“, weiß Anika Simon. „Den Vermissten mimt ein Feuerwehrmann aus Putbus. Diese Flächensuche ist einer von vier Prüfungsteilen, die Mensch und Hund meistern müssen, bevor sie bei einem Ernstfall eingesetzt werden können“, sagt die 25-jährige aus Baabe, die im Ehrenamt in der Johanniter-Rettungshundestaffel Rügen-Stralsund aktiv ist. Der gehört auch Rolf Crain aus Sassnitz an. Am Sonnabend trat er mit seinem Hund zur Prüfung an. Mitglieder von Johanniter-Rettungshundestaffeln aus ganz Deutschland trafen sich dafür in Putbus. Auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr stellten sich insgesamt 19 Rettungshundeführer mit ihren Vierbeinern der gestrengen Jury.

„Ich habe eine schlaflose Nacht hinter mir“, räumt Rolf Crain ein, als er mit Ben zur Vermisstensuche startet. Seit drei Jahren engagiert sich der Frührentner in der Rettungshundestaffel Rügen-Stralsund. „Auch als Ruheständler wollte ich was Gutes tun — für Menschen, aber auch für meinen Hund“, erinnert er. Ben sollte nicht nur an der Leine durch die Straßen laufen. Weil die Rasse der Golden Retriever für die Menschensuche prädestiniert sei, habe er im Internet nach solchen Möglichkeiten gesucht und sei auf die Rettungshundestaffel der Johanniter gestoßen. „Nach einem halben Jahr Probezeit wurden wir aufgenommen“, zeichnet der Hafenstädter sein ehrenamtliches Engagement bei den Rettern nach. Damals war Ben noch ein Welpe. Drei Jahre lang hat das Duo hart trainiert, bevor es sich am Wochenende der Jury stellte.

„Zwei bis drei Jahre dauert die Ausbildung in der Regel auch, bis Mensch und Hund ein so eingespieltes Team sind, um an Rettungseinsätzen bei Lawinenunglücken, Erdbeben, nach Gasexplosionen oder Küstenabbrüchen, wie sie auf Rügen immer wieder vorkommen, teilnehmen zu können“, schätzt Anika Simon ein, die in die Fußstapfen ihrer Mutter Jana getreten ist. Seit 2007 ist die 25 Jahre alte Insulanerin bei der Rettungshundestaffel Rügen-Stralsund dabei. Mutter Jana Simon (47) schon ein Jahrzehnt lang, in dem sie den Ernstfall nicht nur einmal erlebt hat. „Ich war 2011 am Kap mit im Einsatz“, erinnert sie an das tragische Unglück, als Ende des Jahres bei einem Küstenabrutsch am Kap Arkona ein zehnjähriges Mädchen verschüttet wurde und starb. Mit „Berry“, ein zehn Jahre alter Border-Collie, hat sie aber auch Einsätze erlebt, die große Glücksmomente auslösten. „Im vergangenen Jahr haben wir einen 81 Jahre alten Rüganer gefunden, der in Vilmnitz vermisst war“, erinnert sie.

Ebenso erfolgreich war für das Retter-Team die Suche nach einem Vermissten in Karlsburg ein Jahr zuvor. Am Sonnabend waren Jana Simon und Berry „Wiederholungstäter“. „Alle 18 Monate muss die Prüfung erneut abgelegt werden“, so die Baaberin.

Wie alle Prüflinge musste sie vier Teilprüfungen ablegen. 25 Fragen galt es im Theorietest zu beantworten, bevor es zum Verweistest ging. Bei dem muss der Hund anzeigen, wenn er jemanden im Wald gefunden hat. In den meisten Fällen durch Verbellen. „Sitz!“, „Platz!“, „bei Fuß!“ — diese Kommandos ertönten beim Gehorsamtest, bevor es zur Vermisstensuche in den Wald ging.

Das Hundegebell im Unterholz bleibt aus. Rolf Crain ist enttäuscht. „Ben hat den Vermissten zwar gefunden, aber nicht angeschlagen“, sagt der Sassnitzer. Er hat die Prüfung mit seinem Vierbeiner nicht bestanden. Auch wenn die Premiere missglückt sei — Aufgeben komme keineswegs in Frage, beteuert der Insulaner, nachdem ihm die Jurymitglieder das negative Prüfungsergebnisse mitgeteilt haben.

„Im September starte ich den nächsten Versuch und werde mich erneut der Prüfungskommission stellen“, kündigt er an. Auch Jana Simon aus Baabe hat es mit „Berry“ diesmal nicht geschafft. Von den 19 Teilnehmern haben nur neun die Prüfung gemeistert. „Zu der kann jeder aber drei Mal antreten“, sagt Anika Simon und ist zumindest mit dem reibungslosen Ablauf zufrieden. „Hat alles super geklappt.

Die Putbuser Feuerwehr hat uns großartig unterstützt“, lobt die Baaberin, die für die Organisation der Prüfung den Hut auf hatte.

Retter auf vier Pfoten

15 Hundeführer mit 17 Hunden sind als ehrenamtliche Retter in der Rettungshundestaffel Rügen-Stralsund der Johanniter aktiv. Die Staffel wurde 2003 ins Leben gerufen.Zu den Rettern auf vier Pfoten gehören fünf geprüfte Flächenhunde, die bei der Suche nach Vermissten zum Beispiel in Wäldern eingesetzt werden. Ein Vierbeiner hat eine Spezialausbildung zum Trümmerhund absolviert, zwei Hunde sind so genannte „Mantrailer“. Sie bekommen Geruchsproben vor die Nase und spüren an der langen Leine dann den Gesuchten auf.

19 Mitglieder von Rettungshundestaffeln aus ganz Deutschland nahmen mit ihren Vierbeinern an der Prüfung in Putbus teil. Neben Theorie-, Verweis- und Gehorsamtest mussten sie in einem 30000 Quadratmeter großen Waldabschnitt einen Vermissten suchen.

Von Udo Burwitz

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