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Rügen „Verweigerung ist wie Schwarzfahren“
Vorpommern Rügen „Verweigerung ist wie Schwarzfahren“
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00:01 29.11.2017
Etwa hundert Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Gesellschaft fanden sich zum IHK-Regionalforum im Parkhotel Rügen ein. Quelle: Foto: Driest
Bergen

Für den Abbau bürokratischer Regeln und weniger regulierte Baumaßnahmen („Das Schloss Dwasieden wurde innerhalb von drei Jahren errichtet“) sowie quantitatives Wachstum sprach sich IHK-Vize Matthias Ogilvie auf der Regionalkonferenz im Parkhotel aus: „Es werden im Moment sehr viele Häuser und Feriensiedlungen auf Rügen gebaut. Viele finden das schlecht, ich finde das gut.“ Mehr als hundert Teilnehmer waren der Einladung der Industrie- und Handelskammer zur Regionalkonferenz für Vorpommern-Rügen gefolgt. Thema: „Wie kann die Insel Rügen eine unternehmerfreundliche Region werden?“ Den Titel fand Bergens Bürgermeisterin Anja Ratzke „aus meiner Sicht recht provokant; würde das doch im Umkehrschluss bedeuten, dass wir das heute nicht sind“.

„„Tourismus ist für mich nur eine Brücken-Branche. Es werden im Moment sehr viele Häuser und Feriensiedlungen auf Rügen gebaut. Viele finden das schlecht, ich finde das gut.“ Matthias Ogilvie, IHK-Vizepräsident
„„Die Politik des Landes vernachlässigt die Branche. Dass es den Bau eines neuen Abstiegs am Königsstuhl verweigert, ist eine bodenlose Frechheit!“ Knut Schäfer, Vorsitzender Tourismusverband Rügen

Mit dem Bürokratieabbau sei das nicht so einfach, fand auch Christine Braun, seit August Fachdienstleiterin Wirtschaftsförderung beim Landkreis. „Anders als Ende des 19. Jahrhunderts sind heute auch politische Gremien in die Planung einzubeziehen. Recht und Gesetz sind zu berücksichtigen und deswegen brauchen die Dinge ihre Zeit.“ Braun sieht gute Chancen im Ausbau von Breitband und ländlichem Wegebau, den Förderprogrammen Leader und Land-Auf-Schwung, dem Einsatz von Job-Lotsen zur Integration von Flüchtlingen oder in den Bereichen Kultur, Klimaschutz und Tourismus.

„Tourismus ist für mich nur eine Brücken-Wirtschaft, denn er hat keine hohe Wertschöpfung“, findet Ogilvie. So wie sich die Region in den 1930er Jahren erfolgreich in der Luft- und Raumfahrtindustrie aufgestellt habe, gebe es heute Potenzial im Bereich der Robotik. Daher brauche es Erfindungsreichtum und gute Schulen. „Wir haben eine wunderschöne Landschaft. Die müssen wir für uns Menschen nutzen. Die schönsten Stellen sollten wir für qualifizierte Fachkräfte und Ingenieure vorhalten.“

Knut Schäfer, Vorsitzender des Tourismusverbandes Rügen, dem landesweit größten Branchenverband, würde statt auf Quantität lieber auf Qualität setzen. Vor allem aber sei der Bereich dramatisch unterfinanziert. Nicht nur einzelne Orte, sondern die Insel insgesamt müsse als Tourismusregion anerkannt werden. Früher einmal habe ein Ort Kurabgabe erheben dürfen, wenn die Gästezahl jene der Einwohner um das Siebenfache überstiegen habe. „Heute haben wir gleich mehrere Orte, in denen der Faktor bei hundert liegt“, so Schäfer. Während es in anderen Ländern die Kategorie „Sonstige Fremdenverkehrsorte“ gäbe, dürften auf Rügen lediglich 18 der derzeit noch 41 Gemeinden diese Finanzierungsquelle nutzen. Dabei seien alle Gemeinden betroffen und dürften Wege für Freunde von Fahrrad und E-Bike nicht an einer Gemeindegrenze enden.

Schäfer verwies aber auch auf hausgemachte Probleme. Lediglich sechs der 18 prädikatisierten Gemeinden seien Mitglied der Tourismuszentrale. „Das ist wie Schwarzfahren!“ Der Slogan „Wir sind Insel“

dürfe sich nicht auf nur sechs Orte beziehen. „Die zwölf müssen rein und dann müssen wir auf Landesebene Druck machen!“ Beispielsweise in der Frage des Baus einer neuen Treppe am Königsstuhl. Diesen zu verweigern, ist für Schäfer „eine bodenlose Frechheit“.

Die Zahl der Übernachtungen auf der Insel habe sich seit 1994 verfünffacht und auch die Zahl der Übernachtungen pro Einwohner läge bereits über jener von Mallorca. Demgegenüber habe die Zufriedenheit der Gäste in den vergangenen fünf Jahren abgenommen, bilanzierte Schäfer weiter.

Einen „Leitfaden zur Mittelstandsfreundlichkeit in MV“ stellte Anja Schneider vor. Positive Botschaft der IHK-Referentin: Einer Umfrage des Portals „Steuertipps“ zufolge würden die kundenfreundlichsten Finanzämter in Mecklenburg-Vorpommern liegen.

IHK in Vorpommern-Rügen

Die IHK-Geschäftsstelle Stralsund betreut 13 000 Unternehmen des Landkreises und hat ihren Sitz in der Mönchstraße 8a.

24 Mitglieder hat der zu Jahresbeginn gegründete Regionalausschuss für Vorpommern-Rügen.

Die IHK unterstützt Unternehmer in Fragen der Existenzgründung, Standortsuche, Bauleitplanung oder Schulungen.

Der Leitfaden der IHK zur Mittelstandsfreundlichkeit in MV richtet sich vor allem an Verwaltungen und enthält Erläuterungen zum Mittelstandsförderungsgesetz des Landes.

Uwe Driest

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