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„Vieh kennt keinen Urlaub“

Lubkow „Vieh kennt keinen Urlaub“

Renate und Max Ott bauten den Landwirtschaftsbetrieb der Familie neu auf

Lubkow. Das war schon eine rätselhafte Begegnung, damals vor genau 33 Jahren: „Mein Name hat drei Buchstaben und fängt mit M an“, hatte Max Ott der jungen Frau beim Tanz im Binzer Kurhaus erklärt und damit Renates Neugier geweckt. Jedenfalls wurden sich die Binzerin und der in Prora stationierte und aus Lubkow stammende Soldat bald einig. „Da war alles schnell geregelt“, erinnert sich das Paar, denn ein halbes Jahr nach dem ersten Treffen läuteten die Hochzeitsglocken.

Die Otts lebten zwar in Binz, und hier zogen sie auch ihre drei Kinder Kurt-Malte, Chris-Ole und Edda-Maria auf. Dennoch blieb da immer eine starke Bindung an Lubkow, denn dort bewirtschafteten Max’

Eltern ihren Hof, den schon die Großeltern Max und Emma vom Fürsten zu Putbus 1932 gepachtet und später gekauft hatten. Die junge Familie kam so oft es ging aus Binz und half bei der Versorgung der Tiere. „Hauptamtlich“ war Max bis 1990 bei der Pflanzenproduktion in Neklade tätig, in den letzten Jahren vor der Wende im Vorstand.

Die Eltern halfen, wo sie konnten, und auch die Kinder arbeiteten von klein auf mit: „Malte hat mit sechs Jahren gemolken, und Chris fuhr mit 13 Jahren den Mähdrescher“, berichtet Max Ott stolz.

Renate war zwar als Lehrerin ausgebildet, hatte aber mit Mann, Kindern und dem lieben Vieh in Binz und Lukow genug zu tun.

Alles änderte sich mit der Wende. Damals „ist eine komplette Generation weggelaufen“, betont Max Ott. Seine Familie zog ganz nach Lubkow und baute im Hof der Ahnen den landwirtschaftlichen Betrieb neu auf. „Arbeit habe ich erst hier kennen gelernt, früher habe ich mir die Fingernägel lackiert“, sagt Renate scherzhaft. Mit berechtigtem Stolz schauen die Beiden auf das Geleistete zurück: Sie hielten Milchkühe und bauten Raps, Weizen und Gerste an, denn „alles andere will der Markt nicht haben“, merkt Max kritisch an. Um vier Uhr morgens waren sie aus den Betten gesprungen. Bis meistens zehn Uhr am Abend wurde geschuftet - und dies jeden Tag. „Vieh kennt keinen Urlaub und kein Weihnachten.“ Der Landwirt wirkte auch entscheidend am Zusammenschluss der ursprünglich drei Bauernverbände zum Bauernverband Rügen mit, dessen stellvertretender Vorsitzender er bis heute ist.

Dank der Wiedervereinigung konnte Renate Ott ihr Organisationstalent auch in anderer Hinsicht unter Beweis stellen: Nachdem zur Jahreswende 1989/90 eine riesige Autoschlange mit Besuchern aus dem Westen durch Binz gekrochen war, stellte sie kurzerhand ein Schild „Zimmer frei“ in den Vorgarten. „Das hatte ich bei einem Ausflug in den Westen gesehen“, erinnert sie sich. Flugs sammelte sie Adressen von Nachbarn, die ebenfalls Urlauber unterbringen konnten. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen hatte Renates Mutter als Hebamme ein Telefon. Die „215“ diente auch noch länger als Rufnummer des im Herbst 1990 von Renate ins Leben gerufenen Tourismusvereins Binz. Zehn Jahre baute Renate mit anderen den Fremdenverkehr im Ostseebad auf. Dann zog sie sich zurück.

In Lubkow leben heute vier Generationen der Familie Ott unter einem Dach. Dass die Familie immer Hand in Hand gearbeitet hat – von den Großeltern bis zu den Kindern, war das Erfolgsrezept.

Bis heute denkt Max mit Dankbarkeit an die Unterstützung durch seine Eltern zurück. Glücklich sind die Otts auch darüber, dass Sohn Malte in den Betrieb eingestiegen ist, denn, so sagt Max, „die Landwirtschaft steht und fällt mit den Kindern“.

Seit einem Jahr gehen es die fleißigen Otts etwas ruhiger an: „Mit der Umstellung auf Mutterkühe haben wir am Tag vier Stunden weniger zu tun.“ Da bleibt mehr Zeit für anderes, denn Renate ist nicht nur im Binzer Kirchengemeinderat aktiv, sondern sie singt uch im Chor. Eigentlich könnten sie es sich jetzt erlauben, auch mal in den Urlaub zu fahren. Dafür genießen sie die Ruhe, die Beständigkeit und das harmonische Miteinander in Lubkow allerdings zu sehr. „Das Dorf hat seinen eigenen Rhythmus.“

Susanna Gilbert

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