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Rügen Vier neue Erzieher: Spielhaus-Mannschaft so stark wie nie
Vorpommern Rügen Vier neue Erzieher: Spielhaus-Mannschaft so stark wie nie
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09:12 11.10.2018
Christine Peplow, Ivonne Milz, Jagoda Dworczak, Kristine Burwitz und Christian Müller kümmern sich um die Mädchen und Jungen im Lohmer Spielhaus. Quelle: Maik Trettin
Lohme

Jan Möllers erster Tag im Kindergarten liegt schon Jahrzehnte zurück. Aber noch immer besucht der 36-Jährige mehrmals pro Woche in der Lohmer Einrichtung an der Arkonastraße. Sein Sohn und seine Tochter werden im „Spielhaus“ betreut – zuletzt auch von ihrem Vater selbst. Wie fast alle anderen Kindertagesstätten im Land hatte auch die Lohmer Personalprobleme. Eine Erzieherin, eine Aushilfe und eine Auszubildende kümmerten sich um die Mädchen und Jungen. „Mit Unterstützung der Eltern“, ergänzt André Schröder. Er ist Vorsitzender des Elternvereins, der das „Spielhaus“ betreibt. Wie Jan Möller und er hatten auch andere Väter und Mütter in den vergangenen Monaten mal „Dienst“ geschoben, zum Beispiel auf dem Sportplatz, der an die Kita grenzt und von den Steppkes mit genutzt wird. „Aufgrund der Personalsituation mussten wir sogar die Öffnungszeiten reduzieren“, macht der Vereinsvorsitzende die Misere deutlich.Die ist nun überwunden: Vier neue Kollegen unterstützen die langjährige Leiterin Christine Peplow. Wo sie die angesichts des Erziehermangels so schnell hergezaubert haben – Jan Möller zuckt die Schultern und lacht. „Wir haben einfach Leute gesucht, die Lust auf diese Kita haben.“ Das Glück hatten die Lohmer dabei offenbar auch auf ihrer Seite. Christian Müller zum Beispiel lebt noch gar nicht so lange auf der Insel. Der Erzieher war nach einem Aufbaustudium der Kindheitspädagogik als Fachberater in Ostfriesland tätig. Nach dem Umzug der Familie suchte er eine neue Aufgabe auf der Insel – und kam nach Lohme. Gemeinsam mit Kindern handwerklich zu arbeiten, macht ihm besonders Spaß. Und den Kleinen offenbar auch. Die würden gern noch mehr und öfter werkeln, wenn sie denn genügend Holz und Werkzeuge hätten. Wer etwas von seinen Vorräten oder aus dem Schuppen entbehren kann – die Spielhauskinder freuen sich auch über solche Geschenke sehr.

Ein Ganztagsplatz in der Krippe kostet derzeit 112,85 Euro, im Kindergarten 82,37 Euro.

Viel Bewegung an der frischen Luft, gesunde Ernährung, aktives Erleben der Natur – das Spielhaus versteht sich als ein Naturkindergarten und bietet aktuell Platz für rund 30 Krippen- und Kindergartenkinder.

Deren Geschichte ist allerdings weitaus älter. Der Kindergarten war zuvor in kommunaler Hand und befand sich unter anderem in Hagen, bevor er in die Baracke umzog, in der bis dahin Schulkinder unterrichtet wurden.

Den 20. Geburtstag hat das Lohmer Spielhaus am 1. Juli dieses Jahres gefeiert. 1998 übernahm ein eigens dafür von Eltern gegründeter Verein die Trägerschaft der Kindereinrichtung.

Erwachsene müssen beim Umgang mit Sprache Vorbild für Kinder sein

Nicht nur das, was die Kinder mit den Händen, sondern auch, die Laute, die sie mit dem Mund „formen“, hat der 39-Jährige besonders im Blick. Christian Müller ist auf die sprachliche Bildung und die Spracherziehung der Kinder spezialisiert. Er achtet auf mögliche Auffälligkeiten und versucht, beizeiten gegenzusteuern. Nicht durch ständiges Korrigieren, wie er versichert. „Man kann so etwas auch erreichen beim Betrachten eines Bilderbuchs oder durch Sprachspiele.“ Und es sind nicht allein die Kinder, die den Umgang mit Sprache erlernen müssen. „Auch die Erzieher oder die Eltern sollten dafür sensibilisiert werden.“ Die Kinder orientieren sich schließlich daran, wie die Erwachsenen reden.Und wie sie singen – oder? Jagoda Dworczak lacht und winkt ab. Die Musik sei eigentlich nicht so ihre Stärke, meint sie. Trotzdem wollen die Lütten im Spielhaus immer wieder Lieder von ihr hören und stimmen gern mit ein. „Den Kindern ist es ziemlich egal, ob man schön singt oder nicht. Sie haben Spaß am Gesang“, weiß die 27-Jährige. Sie stammt aus Polen und ist eigentlich Lehrerin. „Aber ich habe mich schon immer auch um die kleineren Kinder gekümmert“, erzählt die junge Frau, die für die Spielhaus-Kinder täglich den weiten Weg von Ummanz nach Lohme auf sich nimmt. Basteln, malen, tanzen und ,ja, auch singen, zählt sie schmunzelnd auf, daran hat sie ebenso wie die Jasmunder Steppkes Freude. Unterfordert fühlt sich Jagoda Dworczak auf keinen Fall: „Ich finde die Arbeit mit den kleinen Kindern schön.“

Beim Moddern die Sinne schulen

Das gab auch für Kristine Burwitz den Ausschlag, sich beruflich völlig zu verändern. Die Lohmerin war ursprünglich im Tourismus „zu Hause“, ist gelernte Hotelfachfrau – und inzwischen zweifache Mutter. Und mütterliche Geborgenheit will die 38-Jährige auch den Spielhauskindern geben. Kristine Burwitz hat in der Einrichtung eine Ausbildung zur Erzieherin begonnen. Mit den Kindern etwas aus Naturmaterialien zu basteln oder mit ihnen zu kochen oder zu backen – für Kristine Burwitz gibt es kaum etwas Schöneres. Zumal das Backen noch ihre heimliche Leidenschaft ist, der sie gemeinsam mit den Kindern frönen kann. Gerade haben sie Teig für Brot zubereitet und den Laib aus dem Ofen geholt. Keine Frage, dass die Kinder die Weihnachtsplätzen unter ihrer Anleitung selbst herstellen werden.Kreativ sein, die Sinne kitzeln und gleichzeitig die Bewegungsfreude wecken – das wünscht sich Ivonne Milz für ihre Arbeit mit den Kindern. Die 34-Jährige hatte bislang als Heilerzieherin in einer Einrichtung des Deutschen Roten Kreuzes gearbeitet und eine neue Aufgabe gesucht. Das Konzept des „Spielhauses“ passt genau zu ihrer Auffassung, wie Kinder aufwachsen sollten. Erlebnispädagogik nennt sie das. Dazu brauche man nicht hunderte von Geräten und Spielzeugen. „Wir sind hier so viel im Wald und am Strand unterwegs – etwas Besseres kann den Kindern gar nicht passieren.“ Die Mädchen und Jungen können moddern und die Füße in den Matsch stecken, malen und mit Ton arbeiten und dabei nicht nur ihre körperlichen Fähigkeiten trainieren, sondern auch ihre Sinne schulen.30 Kinder im Kindergarten- und Krippenalter können Christine Peplow und ihre Kollegen betreuen. Sie kümmern sich auch um Gästekinder oder die Sprösslinge der Saisonkräfte, die auf Rügen tätig sind. Eine Einrichtung mit überschaubarer Kinderzahl soll auch das neue „Spielhaus“ sein, wenngleich der Neubau mehr Platz bieten wird. „Ersatzbau“, korrigiert André Schröder. Unter diesem Titel läuft ein Förderantrag, der termingerecht Ende August abgegeben wurde. „Wenn alles glatt geht und wir das Geld bekommen, könnten wir im nächsten Jahr anfangen zu bauen“, hofft der Vereinsvorsitzende.

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