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Vincent zieht’s zur Binzer Feuerwehr

Lauterbach Vincent zieht’s zur Binzer Feuerwehr

Welle der Hilfsbereitschaft der Rüganer rührt die Familie des an einem Hirn-Tumor operierten Jungen

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Klaus und Gritt Stübinger mit ihren Kindern Laura (13), Vincent (10) und Leni (6, li.).

Quelle: Uwe Driest

Lauterbach. Der kleine Vincent ist mit seiner Familie auf Rügen angekommen. Am Sonntag war die Familie des Jungen um drei Uhr in der Nacht mit ihrem Auto im bayrischen Schliersee gestartet, um die 964 Kilometer bis zum Mittag zurückzulegen. Die Fahrt zur Kreideküste und zurück nach Binz, die sofort nach der Ankunft auf dem Programm stand, fiel allerdings ins Wasser, weil das Schiff nur noch den Heimathafen in Sassnitz anlief. „Wir unternahmen stattdessen einen Spaziergang am Strand, der Vincent allerdings noch sehr anstrengte“, erzählt Mutter Gritt Stübinger.

Ihrem zehnjährigen Sohn war erst im September ein Gehirntumor entfernt worden und weil die Reha abgelehnt wurde, hatte sie sich an die OSTSEE-ZEITUNG gewandt. Nach den Zeitungs- und Online-Artikeln der OZ kamen bereits über 2000 Euro an Geldspenden und viele tolle Angebote zusammen. „Ich bin völlig überwältigt von so viel Hilfsbereitschaft“, sagt die 34-jährige Gritt Stübinger. „So etwas kenne ich gar nicht und hätte es auch nie für möglich gehalten. Wir sind überglücklich.“

Die Unterstützung von Unternehmen und Privatpersonen reichen von der Übernachtung über ein Abendessen im Bergener Parkhotel, den Besuch im Schwimmbad des IFA-Hotels in Binz bis hin zu Eintrittskarten für das Ozeaneum. Auch ein Besuch des Erlebnisbauernhofs Kliewe oder eine Fahrt mit der Arkona-Bahn zu den Leuchttürmen am Kap Arkona waren darunter. Auf das Training der Rettungs-Hundestaffel in Ralswiek und den Besuch des Bühnengeländes der Störtebeker-Festspiele freuen sich besonders Vincents Schwestern Laura und Leni.

Am gestrigen Montag begab sich Familie Stübinger erst einmal auf Entdeckungstour mit dem Rasenden Roland. Die Rügensche Bäderbahn hatte eine Familien-Tageskarte gesponsert. „Der Rasende Roland sieht aus wie meine Holz-Lokomotive“, befand Vincents kleine Schwester Leni. Bei kühlen Temperaturen lotste Zugführer Rainer Seelhoff die Familie zunächst einmal in den Speisewagen, in dem er vorsorglich den kleinen Holzofen angeheizt hatte. Und „in dem es keine Speisen gibt“, wie Leni sofort bemerkte. Dass man dabei die Freifläche zwischen den Waggons betreten darf, beeindruckte Vincent.

Die Entdeckungsreise mit der Kleinbahn führte die Familie durch das Tor zum Mönchgut und Sellin. Den Ort mit der schönen Seebrücke, zu der die 99 Stufen der Himmelsleiter hinabführen, möchte sich Mutter Gritt später noch genauer ansehen. Dann ächzte die Lok die Anhöhe zum Jagdschloss Granitz hinauf und Vater Klaus, ein gelernter Kfz-Mechaniker, erklärte den staunenden Kindern, wie die Lok es anstellt, dass sie auf der Rückfahrt wieder vorne ist. Von Zugführer, Schaffner und Heizer Seelhoff stammte die Anregung, das „Haus auf dem Kopf“ in Putbus zu besuchen. Als alle wieder herauskommen, ist ihnen zwar leicht schwindelig, aber vor allem Vincent bekommt sein Lächeln auch auf der Weiterfahrt nach Lauterbach nicht wieder aus dem Gesicht. In dem kleinen Hafen gibt es schwimmende Häuser und Fischerboote zu sehen und Fischbrötchen zu essen, was besonders Leni zufriedenstellt. „Alle Hilfeangebote können wir leider gar nicht wahrnehmen in der kurzen Zeit“, bedauert Gritt Stübinger. So muss Vincent die Entscheidungen treffen und der freut sich am meisten auf den Besuch der Feuerwehr in Binz, das Ozeaneum und den Tag auf einem Bauernhof.

Erschreckende Diagnose

Im Juli diagnostizierten Ärzte in einer Münchner Klinik einen Hirntumor bei dem zehn Jahre alten Vincent. Um sein Leben zu retten, half nur eine Notoperation, die er glücklich überstand. Vincent wollte danach gern ans Meer, von dem ihm seine Mutter oft erzählt und das er erst einmal gesehen hatte. Weil die Krankenkasse keine Reha-Maßnahme finanzieren wollte, wandte sich die Familie, die sich einen solchen Urlaub aus eigener Tasche nicht leisten könnte, an die Rüganer.

Uwe Driest

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