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Rügen Volkssolidarität ist feste Größe in der Soziallandschaft
Vorpommern Rügen Volkssolidarität ist feste Größe in der Soziallandschaft
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08:10 23.03.2019
Der Hort in der Kindertagesstätte „Lütt Matten“ in Sassnitz. In der Hafenstadt betreibt die Volkssolidarität auch noch die Kita „Kunterbunt“. Quelle: Maik Trettin
Bergen

Das hatte den Senioren richtig gut gefallen: die Fahrt mit dem „Rasenden Roland“ von Göhren nach Putbus und zurück im Buffetwagen bei Kaffee und Kuchen und mit Schifferklavier-Ständchen auf dem Bahnhof. Speisewagenbetreiber Tobias Keucher hatte die älteren Damen und Herren aus Göhren dazu eingeladen. Viele von ihnen waren schon seit vielen Jahre nicht mehr mit der Kleinbahn gefahren. Aber auch die Weihnachtsfeier zusammen mit der Gemeinde und dem schönen Programm des Selliner Volkschores oder das Minigolfen am Strand fallen Elisabeth Köhler sofort ein. Es sind drei von vielen Aktivitäten, die den Senioren im Ostseebad das ganze Jahr über geboten werden.

Die Ortsgruppe der Volkssolidarität mit knapp über 40 Mitgliedern organisiert Weihnachtsfeiern, Faschingspartys, Frauentagsrunden, Spiel- und Bastelnachmittage, Vorträge, Lese- und Kochnachmittage, Theaterbesuche, Ausflüge und vieles mehr. Seit 2005 ist Elisabeth Köhler die Vorsitzende. „Wir sind eine kleine, aber sehr aktive Ortsgruppe“, sagt die 70-Jährige, die jetzt den Staffelstab an Siegfried Zobel übergeben hat. Im Ort sei man gut vernetzt, arbeite mit der Gemeinde und der Feuerwehr zusammen sowie mit der Schule und der Kita. Letztere besucht ein Mitglied regelmäßig als Vorlese-Omi. „Unsere Veranstaltungen sind nicht nur für Mitglieder, sondern für alle offen“, betont Elisabeth Köhler.

„Die Ortsgruppe in Göhren gehört zu den aktivsten auf der Insel“, weiß Frieder Jelen. Der frühere Pfarrer und Umweltminister ist seit 2010 Vorsitzender des Volkssolidarität Rügen e. V. 44 Ortsgruppen gibt es insgesamt auf der Insel. Ihre ehrenamtliche Arbeit sei nicht nur der Pfeiler der Volkssolidarität, sondern wichtig für die Gesellschaft. 1500 Mitglieder hat die Volkssolidarität auf Rügen derzeit.

Die Volkssolidarität sei ein geschätzter und leistungsstarker Sozial- und Wohlfahrtsverband, der insbesondere im Osten Deutschlands zu einem bedeutsamen Faktor der Soziallandschaft geworden sei, so Jelen. Begonnen hatte einmal alles damit, nach dem Krieg Notleidenden und Flüchtlingen zu helfen. Auf Bestreben der sowjetischen Militäradministration und von den Kirchen und Gewerkschaften getragen, wurde die Volkssolidarität 1945 in Dresden gegründet. Um schlagkräftig agieren zu können, wurde dann die kommunale Politik mit eingebunden. „Es gibt für Rügen und Mönchgut Protokolle, wie für die Kinder Hilfe organisiert wurde. Die Gruppen der Volkssolidarität besorgten Schuhe und stellten auch Spielzeug her“, weiß Frieder Jelen. Aus der anfänglichen Nothilfeorganisation wurde später eine Massenorganisation der DDR, die sich um die Seniorenarbeit kümmerte. „Nach der Wende musste sich die Volkssolidarität neu erfinden, denn jetzt galt das Vereinsrecht“, so Jelen. Ein Pfund sei das große personelle Erbe gewesen.

Die Volkssolidarität der Insel suchte sich neue Betätigungsfelder und wurde zum sozialkulturellen Dienstleister mit Betreutem Wohnen in Binz und Sassnitz, einem eigenen Pflegedienst sowie einem Seniorenhotel und einer mobilen Küchenfee in Sassnitz. Letztere fährt am Tag rund 900 Essen aus – nicht nur für Senioren, sondern auch für Büros oder Arztpraxen. Die Volkssolidarität Rügen betreibt zwei Kitas in Sassnitz, eine in Gustow und Trent sowie eine weitere und einen Hort in Putbus. 129 Mitarbeiter beschäftigt der Verein. Er ist auch alleiniger Gesellschafter der Versorgungs- und Beherbergungs GmbH, die aus den Betriebsteilen „Küchenfee“ und „Hotel-Meeresgruß“ in Sassnitz sowie 20 Mitarbeitern besteht. Geschäftsführer beide Bereiche ist Diethard Pfeifer.

Aus DDR-Zeiten übernommen wurde die alljährliche sogenannte Listensammlung. Diese findet immer im August/September statt. Rund 20000 Euro kommen dabei zusammen. „Davon fließen 75 Prozent direkt in die Ortsgruppen“, erklärt Diethard Pfeifer. „Wir sind auf Rügen großzügig, in anderen Regionen oder Vereinen sind es meist nur 50 bis 60 Prozent.“ Der Mitgliedsbeitrag beträgt zwei Euro im Monat. Davon wird die Hälfte in die Ortsgruppenarbeit gesteckt.

Obwohl in den letzten Jahren auf Rügen viele neue Mitglieder gewonnen werden konnten, sind die Zahlen wie im gesamten Bundesverband rückläufig, bedauert Frieder Jelen. 2010 waren es noch 2673 Mitglieder in 48 Ortsgruppen. Hauptgrund sei die Altersstruktur und die Tatsache, dass es immer schwerer werde – wie bei vielen Vereinen und Organisationen – die nachfolgende Generation zu gewinnen. Die Volkssolidarität ist alles andere als ein „Altenklub“. Denn ihr Motto lautet „Miteinander – Füreinander“. Dementsprechend generationenübergreifend agiert sie. Dabei geht es nicht nur um soziale Probleme, sondern auch um Gemeinschaftbewusstsein, Toleranz und Lebenssinn.

Elisabeth Köhler erinnert sich noch gut an die Begegnung der Senioren mit Göhrener Schülern der 9. Klasse. „Das war sehr emotional, es flossen sogar Tränen“. Die Jugendlichen waren erschüttert, was die ältere Generation mit Krieg und Flucht erlebt habe. In den Gesprächen ging es auch um die Zukunftswünsche der jungen Leute. Nur ein Mädchen hatte etwas Materielles benannt. Sie wollte ein neues Handy. Für alle anderen waren ein guter Beruf, Gesundheit und vor allem eine intakte Familie am wichtigsten.

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