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Rügen Wo Männer Exoten sind
Vorpommern Rügen Wo Männer Exoten sind
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10:58 29.12.2018
Carmen Köwel (l.) vom Kreisverband der Volkssolidarität Rügen übergibt die Auszeichnung an Ilse Lokenvitz. Die ist seit 50 Jahren Mitglied der Volkssolidarität. Quelle: Maik Trettin
Sassnitz

Es ist Bescherung bei der Ortsgruppe I der Volkssolidarität in Sassnitz. Die Begegnungsstätte in der Ringstraße ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Weihnachtsmann ist in diesem Fall in doppelter Hinsicht ein Exot: Bis auf einen Herren sind hier fast ausnahmslos Frauen im reiferen Alter zusammengekommen. Sie kennen sich alle: manche von Kind an, andere waren oder sind Nachbarn, haben zusammen gearbeitet oder sind sich einfach hin und wieder auf der Straße begegnet. Und nicht wenige treffen sich regelmäßig bei der Volkssolidarität – manche schon seit Jahrzehnten.

Ilse Lokenvitz war 34, als sie ihren Mitgliedsausweis der Volkssolidarität bekam. Niemand hatte sie agitiert, doch in die Hilfsorganisation einzutreten. „Ich hatte einfach das Bedürfnis, da mitzumachen, mich zu engagieren.“ Wie viele andere Mitglieder ging auch Ilse Lokenvitz anfangs vor allem Klinken putzen. „Wir haben vorwiegend die Beiträge kassiert“, sagt sie. Ein so abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm wie heutzutage hätte es in den Ortsgruppen damals nicht gegeben. Jetzt ist die ehemalige Lehrerin 84 Jahre alt und immer noch aktiv dabei. Ein halbes Jahrhundert blieb sie der Volkssolidarität treu. Wegen der Tradition, der Gewohnheit? Die Sassnitzerin schüttelt den Kopf und lacht. „Diese Treffen machen einfach Spaß.“ Es sei eine schöne Gelegenheit, mit anderen Menschen zusammenzukommen. Zum Jubiläum gab es bei der Weihnachtsfeier der Ortsgruppe I in der vergangenen Woche eine Urkunde und eine Ehrennadel, die Carmen Köwel vom Kreisverband überreichte.

Mehrere Generationen kommen zusammen

Die ist darin geübt. Vor Jahrzehnten traten junge Menschen in die Organisation ein, um vorwiegend Älteren zu helfen. Heute sind die Jungen von damals selbst Senioren – und viele von ihnen immer noch dabei. „Wir haben ganz viele Mitglieder, die seit 40 oder 50 Jahren bei uns organisiert sind“, sagt Köwel. Für die 40-jährige Mitgliedschaft wurden in Sassnitz in der vergangenen Woche Brigitte Priester und Hannelore Gärtig ausgezeichnet. Andere seien schon so lange in der Volkssolidarität, dass sich schon gar keine offiziellen Unterlagen mehr über die Aufnahme finden ließen, erzählt die Kreisverbandsmitarbeiterin. Manchmal treffen sich auch Familienmitglieder mehrerer Generationen in den Ortsgruppen, wie am Mittwoch in der Sassnitzer Begegnungsstätte an der Ringstraße: Neben Erika Milz, der mit 93 Jahren ältesten Besucherin der Weihnachtsfeier, saßen ihre Tochter und ihre Enkelin.

41 Ortsgruppen gehören zum Rügener Kreisverband der Volkssolidarität. Elf Seniorengruppen gibt es allein in Sassnitz. Die hiesige Ortsgruppe I zählt laut Carmen Köwel zu den aktivsten auf der Insel. Das liegt nicht zuletzt am Engagement des Vorstands unter der Vorsitzenden Dorothea Holtz. Sie wurde in diesem Jahr für ihre Arbeit mit der Ehrennadel der VS in Bronze ausgezeichnet. „Wenn ich etwas mache, will ich es auch ordentlich machen“ - das hatte die heute 67-Jährige zu ihren Mitstreitern schon gesagt, als die sie vor knapp 15 Jahren an die Spitze ihrer Ortsgruppe wählten. Geplant hatte die damals 53-Jährige das überhaupt nicht. Sie habe eigentlich nur mal gucken wollen, erinnert sie sich lachend. Zum Lachen war ihr zu der Zeit gar nicht so oft zumute gewesen. Dorothea Holtz war arbeitslos geworden und saß zu Hause – eine Qual für die quirlige und unternehmungslustige Frau. „Sieh zu, dass du unter Leute kommst!“, hatte ihr Mann Dieter ihr geraten. Ihre Bekannte und Nachbarin Liesel Riefstahl wollte dafür sorgen. Die war zu der Zeit Vorsitzende der Ortsgruppe in der Sassnitzer Altstadt und lud sie zu einem Treffen ein. „Komm du mal mit!“, überredete sie die „Neue“. Die landete mitten in einer Wahlveranstaltung. Liesel Riefstahl suchte einen Nachfolger. Keiner hatte Dorothea Holtz vorher gesagt, dass Vorstandwahlen anstanden. Jemand brachte ihren Namen ins Spiel und alles schien abgemacht zu sein. „Keine Sorge, wir unterstützen dich“, sicherten ihr die Vorstandsmitglieder zu, von denen sie damals gar nicht alle kannte.

Platz in der Begegnungsstätte ist begrenzt

Das ist heute anders. Dorothea Holtz weiß, dass sie auf ihre Mitstreiterinnen zählen kann. Rund 50 Mitglieder hat die Ortsgruppe I und immer wieder melden sich neue Interessenten. „Aber wir können die Gruppe nicht beliebig erweitern. Der Platz in unserer Begegnungsstätte ist schließlich begrenzt“, sagt sie. Auch außerhalb dieses Treffs sind die Mitglieder aktiv. Zum Verbandsleben gehört eben mehr als Kaffee und Kuchen. Einige Mitglieder haben sich gerade ehrenamtlich für das Sassnitzer Nikolausbüro engagiert, andere unternehmen auch privat etwas, verreisen zum Beispiel gemeinsam. „Wir wollen aktiv sein“, sagt Dorothea Holtz, „und wir wollen uns in das gesellschaftliche Leben der Stadt einbringen – jetzt und in Zukunft.“

Maik Trettin

Die 32-Jährige arbeitet in einer Sassnitzer Tagespflege

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