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Vom Kindergarten zurück zum Gutshaus

Boldevitz Vom Kindergarten zurück zum Gutshaus

Lüder Anton von Wersebe und seine Frau Alexandra restaurierten das Herrenhaus und wertvolle Hackerttapeten.

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Das Gutshaus in Boldevitz, aus südwestlicher Richtung betrachtet, spiegelt sich im sogenannten Schwanenteich.

Quelle: Fotos: Manuela Wilk

Boldevitz. „Ich war neugierig, was aus dem Herrenhaus werden würde“, sagt Brita Brogren. Ihrer Familie, den von der Lanckens, gehörte das Gut Boldevitz viele Jahre lang. „Mein Vater hat es damals geerbt und war sehr glücklich darüber“, erinnert sich die 86-Jährige. Als sie nach der Wende — Brita Brogren lebte einige Zeit in Schweden — wieder nach Boldevitz kam, wollte sie wissen, wie es mit ihrem Zuhause weitergehen sollte. Immerhin wurde das Gutshaus 1635 erbaut, erfuhr 1922 eine Restaurierung und Umgestaltung.

Brogren traf in Boldevitz auf das Ehepaar von Wersebe, das sich für das Gutshaus interessierte. „Wir wollten hierher, weil meine Frau im Nachbarort Pansevitz geboren ist“, erklärt Lüder Anton von Wersebe. Er selbst stammt aus einem Ort an der Weser, kam vor 25 Jahren zum erstem Mal auf die Insel. Mit der Zustimmung Brogrens restaurierten und renovierten von Wersebes das Gutshaus. „1990 sind wir hergekommen, 1993 haben wir dann das Haus gekauft“, erinnert sich von Wersebe.

13 Mieter und ein Kindergarten waren zu DDR-Zeiten im Gutshaus untergebracht gewesen. Die Wohnungen waren teils provisorisch umgebaut worden. „Im Esszimmer waren zu der Zeit zehn Toiletten für die Kindergartenkinder installiert.“ Das Gut selbst war zum VEG — Volkseigenen Gut — erklärt worden. „Es gab Land- und Fortwirtschaft und eine Apfelplantage“, weiß von Wersebe.

Die tragenden Mauern, der Dachstuhl sowie die Außenmauern konnten erhalten werden. Fenster und Türen dagegen wurden erneuert. Alles sollte nach einem Bild aus dem 18. Jahrhundert wiederhergestellt werden.„Leider konnten wir auch die reetgedeckten Fachwerkscheunen vor dem Haus nicht erhalten“, erklärt der Eigentümer. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude waren schon zu sehr verfallen.

Ungefähr sechs Jahre haben die Arbeiten gedauert. Brita Brogren ist zufrieden mit dem Ergebnis. Auch von Wersebes fühlen sich wohl. „Auch wenn es natürlich immer etwas zu tun gibt bei so einem großen Haus“, sagt der 79-Jährige.

Besonders stolz sei er auf die restaurierten Hackerttapeten. Die wertvollen Werke des Malers Jakob Philipp Hackert sind im Festsaal zu finden. Sie entstanden zwischen 1762 und 1764 und zeigen unter anderem Rügens Kreideküste. Mitte der 60er Jahre müssen sie ausgelagert worden sein. „Als wir sie gesehen haben, waren sie in einem schlechten Zustand und es war lange unklar, ob sie überhaupt restauriert werden können.“ 8000 Arbeitsstunden wurden investiert, die Gemälde 1995 feierlich eingeweiht und der Öffentlichkeit präsentiert. Unterstützung erhielten Wersebes von unterschiedlichen Stiftungen, die sich an der Finanzierung beteiligten. „Heute finden hin und wieder Lesungen und Konzerte im Saal statt“, erklärt der 79-Jährige. Es könne nicht jeder einfach hereinkommen und sich die Tapeten ansehen.

Die Kapelle unweit des Herrenhauses wurde 1839 gebaut. Es gab jedoch schon früher eine an dieser Stelle. Sie stammte aus den Jahren 1655 bis 1658. Vor 20 Jahren wurde die Gutskapelle erneut restauriert und schließlich 1997 eingeweiht.

Zu den Boldevitzern
136 Bewohner hat der kleiner Ort Boldevitz. Die Häuser im Ort entstanden in den 1950er Jahren. Früher gehörten Volkshagen und Neuendorf zum Gut Boldevitz dazu.
779 Einwohner hat die gesamte Gemeinde Parchtitz, zu der neben Boldevitz noch Gademow, Neuendorf, Muglitz, Platvitz, Reischvitz, Volkshagen und Willihof zählen.

 



Manuela Wilk

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Boldevitz
Die Hackerttapeten im Festsaal des Gutshauses Boldevitz entstanden zwischen 1762 und 1764.

Im Boldevitzer Herrenhaus befinden sich die restaurierten Gemälde des Künstlers Jakob Philipp Hackert. Der Gutsbesitzer von Wersebe ließ sie aufwendig herrichten.

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