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Rügen „Von Fürst Pückler lernen, heißt sägen lernen“
Vorpommern Rügen „Von Fürst Pückler lernen, heißt sägen lernen“
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00:05 29.03.2017
An der ältesten Eiche im Schlosspark zeigt Gernot Hübner, wie Baumpflege früher ging. FOTOS (2): UWE DRIEST

„Die Akzeptanz von Gehölzpflegemaßnahmen in der Öffentlichkeit muss täglich neu erkämpft werden“, sagt Angela Pfennig. Um die Pflegearbeiten, die derzeit im Schlosspark zu Putbus durchgeführt werden, transparent zu machen, hatte die Inhaberin der Stralsunder „Akademie für Garten- und Landschaftskultur“ daher am vergangenen Sonnabend zum Rundgang unter Führung des mit Pflegearbeiten beauftragten Greifswalder Landschaftsarchitekten Gernot Hübner geladen. „Es gibt ganz wenig Parks mit so altem und vielfältigem Baumbestand“, so Hübner. 700 der insgesamt schätzungsweise 2000 alten Bäumen habe er allein an den Hauptwegen des Parks kartiert. „Die sind das Alleinstellungsmerkmal des Schlossparks.“Hübner veranschaulichte das Thema des Tages schon in der Einladung mittels eines Zitates von Fürst Pückler: „Das Hauptwerkzeug, dessen wir uns nun zum Schaffen bedienen, unser Pinsel und Meißel, ist der Spaten; das Hauptwerkzeug des Erhaltens und Fortarbeitens aber ist die Axt. Sie darf keinen Winter ruhen oder es geht uns wie dem Zauberlehrling mit den Wasserträgern – sie wachsen uns über den Kopf“, beschrieb der Landschaftsarchitekt einst, warum auch in Putbus die Sichtachsen zu Bodden oder Wildgehege stets freigehalten werden sollten. „Von Fürst Pückler lernen, heißt sägen lernen“, lautet daher ein geflügeltes Wort in der Branche.

Akademie für Garten- und Landschaftskultur lud zur dendrologischen Parkführung im Schlosspark Putbus

So stutzten Hübner und seine Leute unlängst die hinter der Orangerie stehenden bis zu 130 Jahre alten Buchsbäume um drei Meter. Da will er später noch mal ran, weil „die dicken Klopse“ noch immer den Blick auf die Orangerie verstellen. Die ein Stück weiter stehende Linde und die benachbarte Esskastanie sind indes zwar hohl, aber erhaltenswert. „Die bilden einen schönen Kamin für Fledermäuse, Insekten und Vögel“, sagt Hübner. Aus diesem Grund lassen Hübner und seine Leute den Stamm auch dann stehen, wenn ein Baum nicht mehr zu retten ist und kappen ihn nur unterhalb der Krone. „Eine gewöhnungsbedürftige aber ökologisch sinnvolle Maßnahme“, wie er einräumt. Die beiden mächtigen Eichen, welche die Steinbank auf dem Weg zum Theater flankieren, „sind mit Sicherheit die ältesten Bäume im Park und ein stehender Zoo“, sagt Hübner. Etwa 20 000 Euro hat allein das Wirrwarr an Kronenverankerungen gekostet, mit dem die Äste der riesigen Trauer- Rotbuche in Form gehalten werden, die unterhalb des Marstalls an der Verengung des Sees steht. Mehr als 50 Standorte umfasst inzwischen das Kataster junger Bäume, die gesetzt werden, sobald sich ein Sponsor für deren Kauf und Pflege findet.

Das „Pflege-Regime“ ist die große Herausforderung für die Stadt Putbus, „deren Aufwand und Notwendigkeit bis heute unterschätzt werden“, sagt Angela Pfennig.

Wenn sich das ändert, könnte vielleicht später einmal das ehemalige Inselchen in der Wusternitz, dem kleinen Fließgewässer, das vom Markt durch den Teich zum Wreecher See verläuft, wieder hergestellt werden.

Infos zu weiteren Spaziergängen der Stralsunder Akademie für Garten- und Landschaftskultur finden sich unter www.stralsunder-akademie.de.

OZ

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