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Von Geistern und Hexen auf Rügen

Sassnitz Von Geistern und Hexen auf Rügen

Vor „Dahlmanns Bazar“ an der Sassnitzer Uferstraße rücken Henrietta und Margarete einem Kürbis zu Leibe. Sie schnitzen ein Gesicht in den ausgehöhlten Fruchtkörper.

Sassnitz. Vor „Dahlmanns Bazar“ an der Sassnitzer Uferstraße rücken Henrietta und Margarete einem Kürbis zu Leibe. Sie schnitzen ein Gesicht in den ausgehöhlten Fruchtkörper. „Zu Halloween“, sagen die beiden Neunjährigen. Drinnen erklärt derweil die Etnographin Ingrid Schmidt den Erwachsenen, warum gerade der Kürbis zu diesem Gruselfest gehören soll: „Darin soll die Seele eines englischen Trunkenbolds eingeschlossen sein“, sagt die frühere Leiterin des Bergener Stadtmuseums. Sie ist Autorin mehrerer Bücher, unter anderem über Hexen und Aberglauben auf Rügen, und erzählte am Vorabend von Halloween Geschichten über Geister, Bräuche und Zauberei einst und jetzt.

 

OZ-Bild

Margarete (li.) und Henrietta geben dem Kürbis ein Gesicht.

Quelle: mt

„Die Gunst guter Geister versuchte man zu allen Zeiten mit Opfern, angenehmen Düften, Musik, Tanz oder Blumenschmuck zu gewinnen“, so Schmidt. Kommen bei dem Ritual Lärm, Qualm, Gestank, Flüche und Verwünschungen zur Anwendung, dient es fast immer dazu, böse Geister fernzuhalten. Der Glaube daran ist auch auf Rügen bis in die Gegenwart erhalten geblieben. Ingrid Schmidt erinnert sich an das so genannte Hexenhaus in Buschvitz, deren Bewohnerin die Einheimischen noch in den 50er Jahren übermenschliche Kräfte zuschrieben. Ein verloren geglaubtes Ritual hatte sie vor einigen Jahren in der Nähe von Putbus gesehen: Dort wird die Nachgeburt der Fohlen nicht vergraben oder verbrannt, sondern möglichst hoch auf eine Esche geworfen, was der Kraft des jungen Pferdes dienen soll. Seltsamerweise, so Schmidt, vergingen sich keine Krähen oder andere Aasfresser an dem rituellen „Baumschmuck“.

Viele andere Geister-Rituale haben nicht mehr die Bedeutung wie früher. Ingrid Schmidt nennt als Beispiel die Walpurgisnacht. Stattdessen sei Halloween angesagt, ein irischer Brauch mit vermutlich keltisch-heidnischem Hintergrund. „Und natürlich mit einem kommerziellen“, wie sie augenzwinkernd ergänzt.

Maik Trettin

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