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Rügen Von Sellin in die weite Welt
Vorpommern Rügen Von Sellin in die weite Welt
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00:00 30.01.2018
Sellin

Der neueste Ort des Interesses im Ostseebad ist seit einiger Zeit eindeutig die Wilhelmstraße 9. Denn vor Dr. Stefan Pottgießers „Haus Sellin“ bleiben die Passanten jetzt nicht nur stehen, um die wunderschön restaurierte Bädervilla zu fotografieren. Vielmehr wird die Tafel mit den Sprechstunden seiner Arztpraxis fokussiert. „Ich bin dann mal in Rente “, verlautet ein Zettel, der die Uhrzeiten nun verhüllt. Sein Stethoskop hängte Stefan Pottgießer bereits im September vergangenen Jahres an den Nagel, schloss seine Praxis. Fast 25 Jahre hielt es den unruhigen Geist in seiner Praxis und im Ostseebad. Noch nie zuvor hat er so viele Jahre am Stück an einem Ort verbracht. Es gab Jahre, in denen er sogar mehrfach den Wohnort wechselte. Er reiste stets viel, war ständig in Bewegung.

Mit Treppenbäcker Ehrkes Schokocremetorte und einem Gläschen Sekt sagte „Potti“ auf Wiedersehen. Fast 25 Jahre lang war er in Sellin als Arzt tätig und in der Gemeinde aktiv. Quelle: Foto: Steffi Besch

Die alte Unruhe nimmt ihn nun wieder ein. „Uns Dokting, uns Badearzt“ ist schon auf dem Sprung. Das Haus hat er verkauft, die Koffer gepackt. Seinen neuen Hauptwohnsitz wählten er und „Frau Doktor“, Marie-Noëlle Pottgießer, in Bad Münstereifel (Nordrhein-Westfalen). Das neue Basislager sozusagen. Denn sesshaft wollen „die Pottis“ nicht werden. Im Gegenteil: Ganze Kontinente warten darauf, bereist zu werden. Uneinigkeit besteht lediglich darin, ob Asien oder Afrika zuerst. „Wahrscheinlich doch erst einmal Island“, erzählt er. „Bis der 3,5-Tonnen-Nissan Pickup mit Wohnkabine aber auf Vordermann gebracht wurde, wird es entschieden sein. Da gibt es noch etwas zu tüfteln“, meinte der 66-Jährige auf der Seebrücke bei einem Treffen des Tourismusausschusses.

Dies nutzten die Mitglieder und Mitarbeiter der Kurverwaltung, um sich beim großen Medizinmann, einer rheinischen Frohnatur mit unüberhörbarem Dialekt, für die langjährige Mitarbeit in der Gemeinde zu bedanken. „Vielen Menschen in Sellin und Umgebung hat er als Arzt geholfen. Dafür ist ein Dankeschön fällig“, meinte Bürgermeister Reinhard Liedtke.

Tourismusausschuss-Vorsitzender Hans-Joachim Kreß lobte sein Engagement für Sellin. Gerade Anfang der 90er Jahre spielte der Allgemeinmediziner mit den ambulanten Badekuren eine wirkungsvolle Rolle bei der Erringung des Ostseebad-Titels. Und ebenso als ideenreicher Kopf im Tourismusausschuss, in dem er drei Jahre als Mitglied saß.

Dr. Stefan Pottgießer war zudem Vorsitzender des Selliner Tourismus- und Gewerbevereins seit der Gründung im Jahre 2006 bis zu dessen Auflösung vor einem Jahr. Der Verein war seinerzeit aus dem Gewerbeverein und Fremdenverkehrsverein entstanden und spielte eine gewichtige Rolle als Vermittler zwischen Wirtschaft, Tourismus und Kommune im Ort. Stefan Pottgießer, der vorher den Gewerbeverein leitete, und seine Mitstreiter forderten unter anderem, den enormen Wachstum der Ferienwohnungen zu stoppen. Zudem trieben sie das Tourismus- sowie Verkehrskonzept mit Beruhigung der Wilhelmstraße voran, organisierten den Saisonabschlussball und maßgeblich auch das Martinsfest.

Er bleibe Sellin immer verbunden, sagte Stefan Pottgießer zum Abschied aus seiner Wahlheimat, in die er mit seiner Frau Anfang der 1990er-Jahre von Köln, umgezogen war – in das Haus seiner Großeltern. Die Eltern seiner Mutter, die in Berlin lebten, hatten die 1902 errichtete Selliner Bäderstil-Villa in den 1920er-Jahren erworben und als Sommerresidenz und Pension genutzt. Im Zuge der „Aktion Rose“ 1953 enteignet, erhielt die Familie ihr Eigentum nach der politischen Wende zurück. Das Ehepaar richtete ein Hotel ein, das Marie-Noëlle Pottgießer leitete, Stefan Pottgießer eröffnete im Anbau seine Arztpraxis.

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