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Von Würzfleisch bis Schwedeneisbecher

Sellin Von Würzfleisch bis Schwedeneisbecher

Eine kulinarische Ostalgie-Reise lockte am vergangenen Sonnabend viele Gäste in das Restaurant auf der Selliner Seebrücke.

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Velga Vilaka serviert eine Portion Ragout fin im Restaurant auf der Seebrücke in Sellin. FOTOS (5): CHRISTIAN RÖDEL

Sellin. Im zweigeteilten Deutschland grenzten sich nicht nur die Weltanschauungen von einander ab, sondern auch die kulinarischen Vorlieben unterschieden sich stark.

OZ-Bild

Eine kulinarische Ostalgie-Reise lockte am vergangenen Sonnabend viele Gäste in das Restaurant auf der Selliner Seebrücke.

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Bei ihrer sogenannten Ostalgiewoche schauten die Köche des Restaurants auf der Selliner Seebrücke mal in die alten Rezeptbücher aus der DDR und kredenzten den Gästen beliebte Gerichte aus dem Arbeiter- und Bauernstaat. „Ich bin jetzt schon seit neun Jahren hier als Koch auf der Seebrücke tätig. Diese kulinarische Zeitreise hat bei uns eine langjährige Tradition, die von den Gästen sehr gerne angenommen wird“, erzählt Sous-Chef Mario Killies.

Der 38-jährige gebürtige Rüganer kann sich noch sehr gut an die Speisen aus der DDR-Zeit erinnern, die ihm seine Eltern damals zubereitet haben. Und der Koch, der erst eine Ausbildung zum Glaser gemacht hatte und wenig später beruflich umsattelte, um seiner eigentlichen Berufung zu folgen, hat ein absolutes DDR-Lieblingsgericht: Ragout fin mit Worcester-Sauce. Für nicht Eingeweihte zur Erklärung: Vorgegartes Würzfleisch vom Geflügel oder besser noch vom Kalb bilden die Grundlage des Ragout fins. In ein hitzebeständiges Cordoflam-Schälchen wurde dieses Würzfleisch gegeben, mit einer Käsescheibenschicht belegt, und dann ging es ab in den vorgeheizten Backofen. Sobald der Käse schön verlaufen war und eine leicht bräunliche, etwas knusprige Oberfläche aufwies, wurde er der Hitze entzogen und frisch serviert. Dazu gab es die legendäre Dresdener Worcester-Sauce und ein paar Tropfen von einer frisch gepressten Zitrone obendrauf. Fertig! Zwei frisch geröstete Toastscheiben dazu vollendeten den Genuss.

Bei den Gästen der kulinarischen Zeitreise stand aber ein anderer Klassiker an der Spitze auf der Beliebtheitsliste: das Steak au four. Das Rezept ist denkbar einfach. Steaks von beiden Seiten klopfen, danach mit Salz und Pfeffer würzen, goldbraun anbraten und danach mit Würzfleisch versehen. Auf die Würzfleischschicht kommt geriebener Käse. Diese Dreischichten-Kombination wird bei 180

Grad im Backofen goldbraun gebacken. Das fertige Steak au four wird mit Pommes, frischen Tomaten, Worcestersauce und ein paar Spritzern frischen Zitronensaftes serviert.

Zu einer weiteren Spezialität aus der ostdeutschen Küche zählt der Stramme Max, hinter dem sich frisch gehacktes Schweinefleisch (wahlweise auch vom Rind) verbirgt. Auf diesem kleinen Mett-Hügel befindet sich eine Mulde, wo ein frisches Eigelb seine letzte Ruhestätte findet. Ein paar Zwiebelringe und Mischbrotscheibe dazu, und schon ist das sättigende Mahl angerichtet.

Im Internet gibt es viele Seiten von Hobby-Köchen, die ihre alten Rezepte kostenfrei veröffentlichen. Die nichtkommerzielle Homepage von „Erichs kulinarisches Erbe“ bietet einen vorzüglichen Einblick in die Esskultur der DDR und führt unter anderem Rezepte für die Karlsbader Schnitte, Thüringer Klöße, Bauernfrühstück, Bunte Katze, Jägerschnitzel, Szegediner Gulasch und Soljanka auf.

Angesichts der vorherrschenden Mangelwirtschaft war die DDR-Küche zwangsläufig sehr einfallsreich und somit auch ziemlich vielfältig. Beim Dessert von Speiseeis gab und gibt es einen absoluten Sieger, den Schwedeneisbecher. Diese Kombination aus Vanille-Eis, Sahne, Eierlikör und Apfelmus kommt inzwischen auch bei den Westdeutschen gut an.

Das Selliner Küchenteam des Seebrückenrestaurants ist übrigens von internationaler Herkunft, und die Köche bringen aus ihrer Heimat Ungarn, Polen und Lettland ganz individuelle Berufserfahrungen mit, die in die Rezepte mit einfließen.

Christian Rödel

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