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Rügen Wählergruppen bieten Parteien Paroli
Vorpommern Rügen Wählergruppen bieten Parteien Paroli
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00:17 20.05.2014

Das Treffen hat etwas Konspiratives: Neun Leute, ein Hinterstübchen im Stall, meterhohe Strohballen und Rapsfelder weit und breit. Kurz hinter Trent wurde in dem winzigen Raum seit Anfang Februar an einem Konzept gestrickt, das jetzt zu den Kommunalwahlen frischen Wind in die 750-Einwohner-Gemeinde mit 14 Ortsteilen bringen soll. „Bürger für Trent“ heißt die neue Wählergemeinschaft, die sich wie viele ähnlich gegründete Organisationen auf der Insel an Themen und nicht an Parteibüchern orientieren will. „Wir möchten die Dinge selbst in die Hand nehmen und nicht auf große Wunder warten“, sagt Sybille Berger aus Venz. Auf der Wahlwerbung, die die neue politische Kraft im Inselnorden in alle Briefkästen gesteckt hat, proklamiert die Kunsthistorikerin:

„Mein Anliegen ist es, die Möglichkeiten der Gemeinde vor Ort zu entwickeln, das Vorhandene zu bewahren und den Ausverkauf zu stoppen.“ Als Bürgermeisterkandidaten haben die „Bürger für Trent“ den Bauingenieur Jan Müller aufgestellt. „Gemeinsam sollten wir daran gehen, die überall zu spürende Resignation zu überwinden“, sagt er.

Das „Gemeinsame“ und „Transparenz“ haben alle Neu-Politiker vor Augen. Sie sind eine Art „Wutbürger“ und wünschen sich schon lange mehr Beteiligung an politischen Entscheidungen in ihrem Heimatort, egal ob es um die Mitsprache bei der Gestaltung eines neuen Feuerwehrhauses, eine bessere Wasserversorgung, Antworten auf die zunehmende touristische Ausbeutung der Landschaften oder alternative Energien geht.

„Sachthemen stehen im Vordergrund, das ist ein neuer Trend, nicht nur auf Rügen, und das ist das Gegenteil der oft zitierten Politikverdrossenheit“, beschreibt der Rostocker Politikwissenschaftler Christopher Scheele das Phänomen. Allerdings: „Die Präsenz der Wählerinitiativen verläuft in Wellen, je mehr Unzufriedenheit in puncto aktueller Themen, desto stärker das Bürgerengagement.“ Sei das Problem „abgearbeitet“, verschwinde oft auch die Wählergemeinschaft. „Wenn der hart erkämpfte Wasseranschluss dann endlich da ist, ist das Hauptthema weg und bei den Mitgliedern der politischen Initiativen treten die ideologischen Unterschiede zu Tage, das ist dann oft das Ende solcher Wählergemeinschaften“. Ausnahmen bestätigten die Regel: Auf der Insel beispielsweise habe das seit der Wende existierende „Bündnis für Rügen“ in vielen Ortschaften bis heute überlebt.

Auch die neue „Wählergruppe Region Ummanz“ tritt erstmals zu den Kommunalwahlen an. Entstanden aus einem seit fast zwei Jahren tagenden Bürgerstammtisch, will die Gruppe um ihren Vorsitzenden Dani Neubeck das politische Heft jetzt wirklich in die Hand nehmen und den Einheimischen zeigen, dass sie mitbestimmen können. Eine große Rolle spielen, wie auch in Trent, die einzigen nach der Wende noch existenten Strukturen — die der Vereine. „Die Feuerwehr, die Landfrauen, die Volkssolidarität, der Reit- und Fahrverein, die Kirchengemeinde — das Miteinander von diesen jungen und alten Menschen wollen wir wieder stärken“, heißt es im Programm der Trenter und der Ummanzer.

Für Wissenschaftler Scheele von der Universität Rostock gibt es neben der Brisanz aktueller Themen noch einen zweiten Grund für die Entstehung von Wählergemeinschaften: Die schwache Struktur herkömmlicher Parteien im ländlichen Raum. „Die SPD hat derzeit in ganz Mecklenburg-Vorpommern höchstens um die 2800 Mitglieder, die CDU etwa 3000 mehr, die Linke um die 5000 — das reicht nicht aus, um in kleinen Gemeinden neue Leute anzuwerben.“ Deshalb griffen die Einwohner zur Selbstinitiative, nach dem Motto: „Wenn ich es nicht mache, macht es keiner.“

Ganz deutlich wird diese Beobachtung im Rügener Amt Mönchgut-Granitz: Je kleiner die Ortschaften, desto größer der Anteil von Wählerinitiativen bis hin zur völligen Abstinenz herkömmlicher Parteien.

In Thiessow beispielsweise tritt nur die Gruppe „Freiwillige Wehren“ an, außerdem vier Einzelbewerber, in Gager/Groß Zicker gar nur eine Wählergemeinschaft, in Zirkow sind es zwei. Nur in den größeren Orten Sellin, Göhren und Baabe stehen auch CDU, Die Linke, FDP oder SPD auf der Liste. Ihren Kandidaten trauen viele Bürger nicht mehr zu, allgemeinen Frust abzubauen. Ein exemplarische Zusammenfassung, worum es geht, steht in der neuen Trenter Dorfzeitung: „Vieles ist nicht mehr da: Der Konsum, die Schule, die Bäckerei, die Quelle-Agentur und viele Arbeitsplätze.“



Lena Roosen

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