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Was nehmt ihr mit auf die Reise?

Garz/Bergen Was nehmt ihr mit auf die Reise?

Zur besseren Integration ausländischer Schüler startet die Regionale Schule in Garz eine Projektwoche

Garz/Bergen. Die Stimmung im Gemeindehaus Garz ist ausgelassen und fröhlich. Zwölf Kinder der 5. und 6. Klassen der Regionalen Schule Garz sitzen gemeinsam beim Basteln. Auf großen Plakaten entstehen Collagen zum Thema Heimat. Natürlich finden sich viele Ostsee-Motive, aber auch buntere und exotischere Bilder finden ihren Weg in die Arbeiten – schließlich ist die Schülergruppe international, es sind auch Schüler aus Syrien oder Albanien dabei.

Die Szene ist Teil eines Workshops innerhalb einer viertägigen Projektwoche zum Thema Integration der Schule Garz, an dem 38 Schüler der Klassen 5 bis 11 beteiligt sind. Im April war die Schule in die Schlagzeilen geraten, weil sich hier syrische und deutsche Jugendliche eine handfeste Schlägerei geliefert hatten. „Einen ausländerfeindlichen Hintergrund konnten wir nicht ausmachen“, erzählt Schulleiterin Elke Laue. „Aber es stimmt, dass die Integration zu schleppend verläuft. “ In den vergangenen Jahren habe man kaum ausländische Schüler in Garz gehabt, 2016 waren es plötzlich 25. „Die Schüler haben sich nicht durchmischt. Wir wissen einfach viel zu wenig voneinander“, meint sie. „Uns war klar, dass etwas passieren muss.“

Doch Hilfe bekam die Schule zunächst nicht. „Einen Partner zu finden, der uns hilft, war schwer. Wir haben viele Anfragen gestellt“, sagt Laue, ohne Namen zu nennen. Dann kam die Idee auf, den Arbeitsbereich TEO (Tage ethischer Orientierung) der Nordkirche anzufragen. „Alles hat sofort geklappt“, freut sich Laue. „Und hier wurde auch unser Wunsch berücksichtigt, Veranstaltungen außerhalb der Schule mit unseren Schülern zu machen. Das war uns wichtig.“

„Die Anfrage aus Garz war schon eine Art Hilferuf“, erzählt Projektwochenleiter Dr. Eberhard Buck, der für die Nordkirche Kooperationsprozesse zwischen Bildungsträgern initialisiert. „So ist dann die Idee einer Projektwoche zum Thema Integration zustande gekommen. An jedem Tag erleben die Schüler eine neue Station, drei davon gibt es.“ Die Schüler wurden in drei Gruppen eingeteilt, auf dem Programm steht Drachenbootpaddeln beim CJD Garz, Werkeln und Basteln bei Juris Werkstatt sowie Rollenspiele und Workshops im Gemeindehaus Garz. „Mit viel Unterstützung haben uns auch das Gut Rosengarten, das Gasthaus Schulz und das Kreisdiakonische Werk mit dem Flüchtlingsbeauftragten Uwe Ahlers geholfen“, betont Laue.

Die Kinder im Garzer Gemeindehaus bearbeiten eine Aufgabe zum Thema Flucht, die ihnen Schulleiterin Elke Laue für diesen Tag mit auf den Weg gegeben hat. „Wir sollten uns vorstellen, wir müssten wegen eines Unglücks oder Krieges ganz eilig die Insel Rügen verlassen und dürften nur einen Beutel voll Sachen mitnehmen“, erzählt die 11-jährige Emily.

„Und? Dann lasst mal sehen. Was habt ihr eingepackt?“, fragt Eberhard Buck. Die ersten Hände recken sich schnipsend in die Höhe. „Etwas zu trinken“, ruft Fiona und zeigt auf eine Flasche Apfelsaftschorle. „Ein Pausenbrot. Und mein Handy natürlich.“ Ein Handy haben so gut wie alle Schüler der fünften und sechsten Klassen mit in ihre Beutel gepackt. „Ich habe sogar mein Ladekabel dabei“, meint Lara. Dabei hat jedes Kind auch ganz individuelle Vorlieben. Während Lennart auch seine Torschützen-Medaille von einem Fußballspiel mit auf die Reise nehmen möchte, ist Jonas sein Parfum so wichtig, dass es unbedingt mit muss. „Das ist mein kleiner Bruder“, erzählt die 11-jährige Sidra aus Syrien stolz und nimmt ein Foto in die Hand. „Der ist ja süß“, kommentiert Vanessa. „Ich habe auch ein Foto meiner kleinen Schwester mit.“

Ziel des spielerischen Workshops sei es, Verständnis für andere Kulturen zu entwickeln, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken. Im Vorfeld habe man sich auch den Paragraphen 1 des Grundgesetzes angesehen. „Ein Satz, mit dem auch schon Kinder etwas anfangen können“, meint Buck. „Alle haben die gleiche Würde, egal wie viel Unterschiede es gibt.“ Das Zusammenspiel zwischen deutschen, syrischen und armenischen Kindern läuft während der Projekte reibungslos. Eberhard Buck wundert das nicht. „In dem Moment, in dem die Jugendlichen etwas miteinander machen, eine gemeinsame Aufgabe haben, entwickelt sich sofort eine völlig neue Dynamik“, erklärt er. „Alles theoretisch belehren bringt nichts, wenn das Erleben fehlt.“

Anne Ziebarth

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