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Rügen Wegen Abschiebung: Mutter taucht unter
Vorpommern Rügen Wegen Abschiebung: Mutter taucht unter
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18:01 24.01.2019
Die Polizei hatte die Mutter in der Wohnung nicht angetroffen. Quelle: Tilo Wallrodt
Binz

Eine vierköpfige Familie aus Binz befürchtet, dass sie bald auseinander gerissen wird. Konkret geht es um einen Mann, seine Frau und die beiden Kindern aus der Ukraine, die schon seit knapp drei Jahren auf der Insel leben. Am vergangenen Montag stand um 5 Uhr die Polizei vor der Tür und wollte die Frau abholen. Sie sollte in ihr Heimatland abgeschoben werden. So hat es ein Bekannter der Familie erlebt. Leute aus dem Ort kämpfen jetzt darum, dass die Frau im Ostseebad bleiben darf. Der Vater sei vor Abschiebung geschützt, da er derzeitig eine Ausbildung als Schwimmtrainer macht. Die Mutter ist in der Gastronomie tätig. Beide Kinder gehen hier zur Schule und sind auch sportlich aktiv.

„Meine Frau war beim Polizeibesuch abwesend und wir haben deshalb keine Möglichkeit gehabt, die Abschiebungs-Entscheidung sachlich durchzulesen“, sagt der Familienvater. Mehr wollte er allerdings zu diesem Fall nicht sagen, weil er befürchtet, dass jeder Satz, den er sagt, die Situation negativ beeinflussen kann. Nach OZ-Informationen versteckt sich die Mutter derzeitig vor der Polizei. Für die Familie ein katastrophaler Zustand: „Wir wollen nicht getrennt werden“, sagt der Vater.

Laut Statistik vom mecklenburgischen Landesamt für innere Verwaltung ist im Jahr 2018 die allgemeine Welle der neuen Asylbewerber im Land zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Anträge wesentlich gesenkt – von rund 4000 auf 2900. Dabei sind im ersten Halbjahr 2018, wie im Bericht der Landesregierung steht, zwei Drittel von den Abschiebungen in Mecklenburg-Vorpommern gescheitert – meistens weil die Betroffenen nicht gefunden wurden.

Nun geht es um die Härtefallkomission von MV. Laut Tätigkeitsbericht der Härtefallkommission wird geprüft, „ob es die besonderen humanitären oder persönlichen Gründe gibt, um die Anwesenheit vom Ausländer in Deutschland zu verlängern“. Im Jahr 2017 sind bei der Geschäftsstelle der Härtefallkommission 29 neue Anträge von den Ausländern eingegangen, in zwei Fällen war die Entscheidung der Kommission positiv.

Binzer bieten Hilfe an

Einige Binzer kennen den aktuellen Fall der ukrainischen Familie und haben ihre Hilfe zugesagt. Unter anderem gibt es eine Petition von Ulf Steiner, Geschäftsführer vom Selliner Schwimmbad. Er ist gleichzeitig Arbeitgeber vom Vater der Familie. Er erklärt, warum der Verbleib der Ukrainer in Binz enorm wichtig für die Region ist. „Das Kernproblem ist, dass das Schwimmbad in Sellin den Betrieb schwer ohne solch einen wichtigen Mitarbeiter weiterführen kann, wenn er gezwungen wird, zusammen mit seiner Frau und den Kindern in die Ukraine fahren zu müssen“, so der Geschäftsführer. „Er ist unersetzbar als der einzige Schwimmlehrer“, ergänzt er.

Diese Petition haben ebenfalls der Bürgermeister von Sellin Reinhard Liedtke, Geschäftsführerin der Rügener Tourismuszentrale Mana Peter und die Leiterin der Schule, wo die Tochter unterrichtet wird, unterzeichnet.

„Wir wollen keine Familien auseinanderbringen“

Ulf Dohrmann von der Binzer CDU schätzt die Perspektiven der ukrainischen Familie positiv ein. Er hatte bereits Kontakt mit dem Vater aufgenommen und seine Hilfe angeboten. „Ich kenne diese Familie persönlich und ich verstehe nicht, warum die fleißigen Leute, die sehr gut in der Gesellschaft integriert sind, das Land verlassen sollen. Beide gehen hier zur Arbeit und bringen sich in der Region ein. Ausgewiesen werden sollten diejenigen, die unsere demokratischen und christlichen Werte ablehnen und vom Sozialstaat leben wollen“, sagt er.

 „Wir wollen keine Familien auseinanderbringen“, sagt Kreis-Sprecher Olaf Manzke. Es sei aber so, dass eine Ausbildungsduldung eines Familienmitgliedes nicht alle Angehörigen vor eine Ausreise schützt. Er rät dem Vater, sich bei der Ausländerbehörde des Kreises zu melden. „Denn bei Familien mit Kindern es kann sein, dass sich das Verhältnis ändert, sie also einen anderen Status bekommen“, sagt er.

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