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Weiße Kreuze in den Morgenstunden

Strüssendorf Weiße Kreuze in den Morgenstunden

Umweltverbände starten Bürgeraktion „Erhaltet die Strüssendorfer Allee“ / 100 Alleebäume sollen bis 2017 weg

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Um 5.30 Uhr am Sonntagmorgen trafen sich 15 Naturschützer zur Bürgeraktion „Erhaltet die Strüssendorfer Allee“ an der B 96.

Strüssendorf. „Als ich klein war, ging ich mit einem Malbuch zu meinem Opa und fragte ihn: ,Welche Farben hat die Welt?’", erzählt Bodo. Jetzt ist er so 60 Jahre alt und fragt erneut: „Hat die Welt heute noch Farben?“ Mit der kleinen Geschichte begründet der Bergener seine Teilnahme an der Mal-Aktion der Umweltverbände am frühen Sonntagmorgen an der B 96. Die dabei verwendete Farbe ist weiß und biologisch abbaubar. 15 Aktivisten von Nabu und BUND sind es, die sich mit Eimer und Pinsel bewehrt auf den Weg machen, etwa hundert todgeweihte Bäume mit weißen Kreuzen zu kennzeichnen. Die stehen dort seit den 20er Jahren und jetzt dem Ausbau der Bundesstraße im Weg.

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Umweltverbände starten Bürgeraktion „Erhaltet die Strüssendorfer Allee“ / 100 Alleebäume sollen bis 2017 weg

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„Der Abschnitt zwischen Strüssendorf und Ralswiek ist das letzte Stück Allee am Rügener Teil der Bundesstraße“, betont Silke Stephan vom BUND, die mit ihrem Mann Jörg an der Aktion teilnimmt und Marlies Preller vom Nabu schwärmt vom leuchtend hellen Grün im Frühjahr und den Schattierungen der Rottöne im Herbst, das ihr besonders an dem großen Baum an der Bushaltestelle aufgefallen sei.

Die Geschäftsführerin des Nabu Rügen meldete die Aktion beim Ordnungsamt an und nahm die als Auflage erteilte Einweisung der Teilnehmer vor. „Alle müssen sich vernünftig und ausschließlich im Bankett bewegen. Auf keinen Fall darf jemand die Fahrbahn betreten“, informiert Preller pflichtgemäß. Außerdem wäre auf „Kampfradler“ zu achten. Alle Nabu-Mitglieder sind über den Verband haftpflichtversichert und bekommen eine Warnweste. Außerdem musste mit Naturführerin Ines Wilke eine Ordnerin gestellt werden.

Damit zogen die Umweltschützer eine Lehre aus dem Fall der gut 70 ebenfalls mit Kreuzen versehenen Bäume, die in Samtens gefällt wurden. Seinerzeit hatte Georg Jeske, der auch diesmal wieder dabei ist, eine Anzeige wegen Sachbeschädigung erhalten. Vertreten hat den Rambiner dann Tryntje Larkens. „Als wir vor Gericht deutlich machten, dass ein Baum beschädigt worden sein soll, der kurz darauf gefällt wurde, stellte der Richter das Verfahren ein“, erinnert sie sich. Die Bergener Rechtsanwältin setzte sich schon 1994 für den Erhalt der Allee ein und ist auch am Sonntag mit von der Partie.

Larkens hatte sich den Planfeststellungsbeschluss am Vortag noch einmal angesehen. „Die Rechtfertigung für die Fällung der Bäume würde den Ansprüchen einer Klagebegründung nicht genügen“, so das Urteil der Juristin. „Auf dürftigen 20 Zeilen findet sich weder ein Beleg für die behaupteten Verkehrsprognosen noch Zahlen zu der behaupteten Häufung von Unfällen.“ Alternativen seien nicht geprüft worden.

Ohnehin wären in den vergangenen Jahren nach und nach bereits etwa 50 Bäume aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt worden, sagt Jens Lippmann, Vorsitzender des Rügener Nabu und zeigt auf einen Baum, an dem die Folgen eines früheren Eingriffs zu sehen sind. Als bei der Ausbaggerung des Straßengrabens das Wurzelwerk geschädigt wurde, habe der Nabu Anzeige erstattet. „Wir wollen dem schleichendem Sterben der Alleen weder zusehen noch zulassen, dass sich die Bevölkerung daran gewöhnt“, so Lippmann. „Das ist wie mit dem Frosch im langsam erwärmten Wasser, der nicht wahrnimmt, dass er gekocht wird.“ Die beiden Kieler Rechtsanwältinnen Susanne Fuchs und Charlotte Spieler flohen vor dem Massentourismus der Kieler Woche auf die Insel und waren überrascht zu hören, „dass auf Rügen die Zeichen der Zeit offenbar nicht erkannt wurden“.

Marlies Preller hatte noch tags zuvor Umweltminister Till Backhaus (SPD) beim Unesco-Welterbetag „Alte Buchwälder“ im Nationalpark auf seine auf der jüngsten Umweltministerkonferenz getätigte Aussage angesprochen, den Alleenschutz zu stärken und Rügen zur Modellregion machen zu wollen. „Die Insulaner sollten den Minister an seinen Taten messen“, sagt sie, „hier in Strüssendorf könnte er mit dem Alleenschutz beginnen.“

Uwe Driest

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