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Wenn aus Spiegelkratzern Kunst wird

Sassnitz Wenn aus Spiegelkratzern Kunst wird

Marco Rietz und Sarina Mittelstädt schaffen Bilder durch bearbeitete Spiegelrückseiten und geben in Workshops ihr Können weiter.

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Marco Rietz hat nicht nur das Spiegelbild hinter der Wasserfläche geschaffen. Auch die Konstruktion stammt aus seiner Hand.

Quelle: Fotos: Wenke Büssow–krämer

Sassnitz. Mit der Behandlung glänzender Oberflächen kannte sich Marco Rietz als Fahrzeuglackierer bestens aus. Der Weg vom Handwerker zum Künstler schien damals trotzdem weit. „Irgendwann habe ich tatsächlich an der Werkbank die Rückseite eines Spiegels mit Schleifpapier bearbeitet und gesehen was passiert. So entstand bei mir die Idee“, erinnert sich der 39-Jährige. Entfernt man so die Beschichtung, die die Glasfläche zum Spiegel macht und bringt dann noch Farbe ins Spiel, lassen abwechselnde Spiegel- und Bildflächen außergewöhnliche Betrachtungen zu.

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Marco Rietz und Sarina Mittelstädt schaffen Bilder durch bearbeitete Spiegelrückseiten und geben in Workshops ihr Können weiter.

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Die unterschiedlichsten Werke – ob Landschaft oder Frauenporträt – hat er seitdem in gewöhnliches Spiegelglas gezaubert und so seine neue Berufung gefunden, die ihn 2016 aus Halle in Sachsen-Anhalt nach Rügen führte. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin hatte er die Tourismussaison genutzt, diese Kunst in Workshops für Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene in den Hotels der Insel anzubieten.

Der Umzug war danach schnell beschlossen. Seit Juni des letzten Jahres macht Marco Rietz nun fernab vom Stress der Großstadt in der Sassnitzer Rügen-Galerie seine Leidenschaft in der Glaskunstmanufaktur für jedermann zugänglich. „Dabei sehe ich das mehr als Firmenstandort, denn ich bin weiterhin mehr mobil unterwegs“, erklärt Rietz. In den Kurkliniken, Hotels, Kindergärten oder Schulen in Binz, Glowe, Wieck, Sellin oder Baabe veranstaltet er Workshops oder plant Projekttage. Wer künstlerisch auch nicht ganz so begabt oder mit Zeichentalent ausgestattet ist, kann dann gerne auch auf vorbereitete Schablonen zurückgreifen. Auf der Spiegelrückseite aufgeklebt sichern sie, dass auch tatsächlich nur das gewählte Motiv abgeschliffen und angemalt wird. Seit November hat er mit Sarina Mittelstädt dafür Unterstützung gefunden. Schon in Halle fanden die beiden für gemeinsame Projekte zusammen. „Ich habe da in meinem Atelier Spiegel von vorn bearbeitet und war immer fasziniert davon, bis mir Marco von seiner Bearbeitung berichtete“, erklärt die 35-Jährige. Nach erfolgreicher Zusammenarbeit brach die Verbindung nie ab und führte beide Künstler nun wieder endgültig zusammen.

So können mobile Workshops bis Wolgast oder zum Darss und die Glaskunstmanufaktur gleichzeitig besetzt werden.

Die Ideen gehen den beiden dafür nicht aus. „Wir wollen die Leute begeistern“, sagt Rietz, der seine Spiegelkunstwerke mittlerweile auch flutet, wenn er als eine Art Zimmerspringbrunnen das Wasser über das Bild laufen lässt. „Solche Wasserwandsysteme sind ja durchaus schon üblich, aber nicht in Verbindung mit den Spiegelbildern“, so Rietz. Auch die Bauten dafür stammen aus seiner Hand.

Lediglich für Großaufträge würde er auf die Mithilfe anderer Gewerke setzen. „Ich will Landschaften erstellen, in denen sich die Leute durch die Spiegelungen wiederfinden. Das können raumbezogene oder auch rügentypische Motive sein“, meint Marco Rietz. Dies würde das Duo gerne in einer großen Ausstellung „Spiegelwelten“ sehen. „Ähnlich wie die Sandskulpturenausstellung könnte die mit stets wechselnden Themen geschaffen werden“, so Rietz. Dabei ist natürlich auch die Glaskunstmanufaktur weiter für Neugierige geöffnet, die dort Workshops besuchen oder nur Kunst betrachten können. „Wir haben Visionen, die wir uns erfüllen wollen. Das ist aber noch viel Arbeit“, sagt Sarina Mittelstädt.

Wenke Büssow-Krämer

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