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Wenn das Baby zu Hause zur Welt kommt

Bergen/Patzig Wenn das Baby zu Hause zur Welt kommt

Auf Rügen entscheiden sich pro Jahr etwa acht Schwangere gegen eine Entbindung im Krankenhaus

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Melanie Stolt aus Patzig hat ihren Sohn Carl in der Hebammenpraxis entbunden. Das dritte Kind soll zu Hause auf die Welt kommen.

Quelle: Gaia Born

Bergen/Patzig. Ein breites Bett beherrscht den Raum. Daneben steht ein großzügiger Wickeltisch, in der anderen Ecke ein Schreibtisch mit Fachliteratur. Erst auf den zweiten Blick fällt das kleine Waschbecken auf — und die Nische mit der Geburtsbadewanne. Das hier ist kein normales Schlafzimmer. Hier werden Babys geboren.

INSEL INTIM

Stefanie Büssing

berichtet aus

Rügens Szene.

☎ 03838/2014835

Elke Harder und Katja Bräunlich sind in der Hebammenpraxis Rügen in Bergen für die außerklinischen Geburten verantwortlich. Einen Trend zurück zur Hausgeburt stellen die Hebammen zwar nicht fest, aber sie sind sicher: „ Die Frauen, die gern zuhause oder in der Praxis entbinden wollen, finden uns auch. “ Und mit ihrer Geburtenzahl liegt die Rügener Hebammenpraxis im Bundesdurchschnitt: „Rund zwei Prozent aller Frauen entbinden in Deutschland nicht im Krankenhaus. Auf Rügen haben wir pro Jahr etwa 400 Geburten — und es kommen tatsächlich rund acht Frauen im Jahr zu uns “ , bestätigt Katja Bräunlich.

Eine von ihnen ist Melanie Stolt aus Patzig. Die 35-Jährige ist mit ihrem dritten Kind schwanger. „Meine erste Tochter ist im Krankenhaus geboren worden. Ich habe die Geburt als nicht besonders schön erlebt. Als ich dann wegen einer schweren Krankheit immer wieder ins Krankenhaus musste, war mir klar, dass mein zweites Kind nicht hier geboren werden soll.“ Also entscheidet sich Melanie Stolt für eine außerklinische Entbindung. Natürlich geht die verantwortungsvolle Mama kein Risiko ein. „Wenn sich Komplikationen angedeutet hätten, wäre ich natürlich auch wieder ins Krankenhaus gegangen.“

Doch die Schwangerschaft verläuft gut, der kleine Carl kommt ohne Probleme außerklinisch auf die Welt.

„Das war ein riesengroßer Unterschied“ , erinnert sich Melanie Stolt. „Es war fast wie zu Hause, denn ich kannte die Räume meiner Hebamme ja gut, ich war vorher immer wieder zu Terminen dort und habe mich wohlgefühlt.“ Ihr drittes Baby soll nun zuhause das Licht der Welt erblicken. „Ich finde toll, dass ich nach der Geburt einfach zuhause bleiben kann. Das Baby ist dann ja schon da, wo es hingehört.“

Hebamme Elke Harder nickt. „Das ist ein entscheidender Aspekt.“ Großartige Vorbereitungen müssen nicht getroffen werden, die Hebammen bringen mit, was an Material zur Geburt gebraucht wird. „ Weiße Teppiche hat eh keine der Frauen, die wir betreuen“, lachen die beiden. „Und eine Geburt ist auch bei weitem nicht so blutig, wie viele sich das vorstellen.“ Dafür wird nach der Geburt ordentlich gefeiert. „In der Klinik läuft die Routine an, sobald das Baby da ist. Zuhause bleibt mehr Platz für die Freude.“

Eine Notfallverlegung kommt sehr selten vor. „Dann müssen wir den Rettungswagen anfordern, wir können hier vor Ort nur Erste Hilfe und keine intensivmedizinische Betreuung leisten.“ Neben der Unsicherheit ist das der größte Einwand von Schwangeren gegen außerklinische Geburten. das merkt auch Melanie Stolt immer wieder. „Fast alle sagen mir, ich wäre verrückt. Meine Freunde auf Rügen raten mir zwar nicht ab, aber sie können sich das für sich selbst gar nicht vorstellen.“ Das Gefühl von Sicherheit sei im Krankenhaus einfach größer. Doch die Mutter hat dem einiges entgegenzusetzen:

„Frauen haben schon seit Jahrtausenden ihre Babys selbst geboren. Ich habe Vertrauen in meinen Körper.“ Zuversichtlich streichelt sie den dicken Bauch. Sie freut sich, dass sie auch auf Rügen außerklinisch entbinden kann und dabei in guten Händen ist.

Ausschlussfaktoren

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen fast alle Babys zuhause auf die Welt. Erst mit dem Aufkommen von Krankenversicherungen und dem Ausbau des Krankenhaus-Systems änderte sich dies. Heute kann jede Schwangere nach eigener Einschätzung entscheiden, wo sie gebären möchte. Ob eine Geburt in der Hebammenpraxis oder Zuhause möglich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Zwillingsgeburten und Beckenendlagen zum Beispiel sind Ausschluss kriterien.

Von Gaia Born

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