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Rügen Wenn der Hunger kam, seilte er sich ab
Vorpommern Rügen Wenn der Hunger kam, seilte er sich ab
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00:00 08.12.2017
So lange es noch geht, hält Horst Steltner gemeinsam mit Sohn Andreas Haus und Hof in Ordnung. Quelle: Fotos: Uwe Driest
Trips

Nachdem sein Vater als „Kurland-Kämpfer“ in Lettland gefallen war, kam der damals fünfjährige Horst Steltner mit seiner Mutter aus Rügenwalde zunächst in das benachbarte Karow. Die Mutter erkrankte schwer und seine Schwester starb wenig später im Bergener Krankenhaus. So wuchs Horst Steltner im Waisenhaus von Bergen auf. „Wenn mich tagsüber der Hunger quälte, band ich Bettlaken zusammen und türmte aus dem Fenster, um meine Mutter zu besuchen und etwas zu essen zu organisieren.“

Er habe schon früh bei der Landarbeit helfen müssen, erzählt er. „Wenn die anderen spielen konnten, musste ich dreschen oder auf dem Feld arbeiten.“ Später begann er eine Lehre zum Autoschlosser in der MTS (Maschinen-Traktoren-Station). Weil es dafür aber nur 57 Mark im Monat gab, brach er die wieder ab und fuhr fortan mit dem Mähdrescher über die Felder.

1959 heiratete er seine ebenfalls aus Hinterpommern stammende Frau Brigitte. Und als sich die Gelegenheit ergab, die Wirtschaft eines alten Bauern zu übernehmen, griffen die Eheleute zu. Seine 17 Hektar Land verpachtete Horst Steltner nach der Wende an einen Großbauern aus dem Westen. Die hätten – wie auch die neuen Eigentümer der großen Agrargesellschaften – manchen ehemaligen LPG-Bauern übervorteilt. „Es gründete sich damals eine Interessengemeinschaft, die aber erfolglos blieb.“

Auch deswegen will er sein Land nicht verkaufen, sondern später einmal den Enkeln überlassen. Davon gibt es zehn und bereits sieben Urenkel. Was die Gesundheit der Familie anbelangt, blieb sie vom Pech verfolgt. Nach einem Hirnschlag muss Horst Steltner heute „manchmal etwas länger nachdenken“. Auch die beiden Söhne und drei Töchter blieben nicht verschont. Sohn Erich lebt in Willihof und arbeitet in Mukran. Kornelia, die das Nachbargrundstück übernahm, ist seit einem Arbeitsunfall Frührentnerin und Andreas lag nach einem schweren Verkehrsunfall bei Zirkow mehrere Monate im Koma in einer Hamburger Klinik. Arbeitsfähig wurde er anschließend nicht wieder. „Heute widme ich mich leidenschaftlich meinem Hobby und züchte Brieftauben in Bergen“, sagt Andreas Steltner.

Der Mann von Tochter Steffi, die bei der Bahn arbeitet, verstarb früh. Einzig Beate verließ die Insel mit ihrem Mann, der als Elektriker bei Airbus in Hamburg arbeitet. Das Paar wohnt in Himmelpforten, „wo ja bekanntlich der Weihnachtsmann herkommt“, glaubt Horst Steltner. Eine seiner Enkeltöchter lebt in Norwegen und dorthin ging auch die erste richtige Urlaubsreise der Steltners.

„Mein Vater wollte nie von der Insel hinunter“, sagt Sohn Andreas, der damals als einziger zurückblieb, um Haus und Hof zu hüten. „Immer wenn er über den Rügendamm zurück auf die Insel fuhr, fing er an zu pfeifen.“

Dorfgeschichten von Rügen

Die schönsten Geschichten aus den Dörfern der Insel sind vor kurzem in Buchform erschienen.

Der Band „Dorfgeschichten von Rügen“ist in einer Auflage von 4000 Stück vom Rostocker Hinstorff-Verlag herausgegeben worden, rund 170 Seiten stark und beinhaltet 33

Dorfgeschichten.

Die Autoren sind Susanna Gilbert und Uwe Driest.

Das Buch ist für 19,99 Euro im Service- Center der OSTSEE- ZEITUNG am Markt 25 in Bergen, in den meisten Rügener Buchhandlungen und weiteren Verkaufsstellen, Kurverwaltungen,Tourist-Informationen und dem Einzelhandel erhältlich.

Uwe Driest

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