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Rügen Wer kauft den letzten Prora-Block?
Vorpommern Rügen Wer kauft den letzten Prora-Block?
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00:00 13.07.2018
Prora

Im Bieterverfahren um den Verkauf von Block 5 der NS-Hinterlassenschaft Prora auf der Insel Rügen haben zwei Interessenten ein Gebot abgegeben. Wie ein Sprecher des Kreises Vorpommern-Rügen nach Ablauf der Bieterfrist am Donnerstag sagte, werden die Gebote zunächst verglichen und bewertet. Dazu soll sich am 18. Juli eine Arbeitsgruppe des Kreises treffen. Zu den Bietern und zur Höhe der Gebote machte der Kreis keine Angaben. Der Kreistag soll möglichst Anfang Oktober über Käufer und Kaufvertrag abstimmen. Mit der Anzahl der eingegangenen Gebote sei er zufrieden, zumal die Anforderungen in der Ausschreibung recht hoch gewesen seien, sagte Landrat Ralf Drescher (CDU). „Jetzt muss geprüft werden.“

Zwei Interessenten haben Gebote abgegeben / Prora-Entwickler Ulrich Busch ist nicht dabei

Der Kreistag hatte im März den Weg für den Verkauf und damit die Sanierung des etwa 300 Meter langen Abschnitts freigemacht. Der insgesamt 450 Meter lange Block 5 ist der letzte der einst von den Nazis als „Seebad der 20 000“ geplanten Anlage, der noch in öffentlicher Hand ist. In dem zum Verkauf angebotenen Areal sollen Wohnungen entstehen. Auch ein Dokumentations- und Bildungszentrum zur Geschichte von Prora ist geplant. Im sanierten Teil des Blockes ist seit 2011 eine Jugendherberge beheimatet.

Prora-Entwickler Ulrich Busch hat sich entgegen früherer Ankündigungen nicht am Bieterverfahren beteiligt. Wie sein Sprecher sagte, sei Busch mit einem anderen Neubauprojekt in Prora befasst. Busch, Sohn des Arbeitersängers Ernst Busch (1900-1980), hatte im Jahr 2006 die ersten beiden Blöcke von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erworben und zur Baureife geführt.

Die Anlage war 1936 von den Nationalsozialisten als 4,5 Kilometer lange Ferienanlage konzipiert und im Rohbau errichtet worden. Mit Kriegsausbruch wurden die Arbeiten eingestellt. Die DDR baute Prora zu einem riesigen Militärkomplex aus. Inzwischen sind die Blöcke 1 bis 4 an Investoren verkauft worden. Dort sind bereits Hunderte Ferien- und Eigentumswohnungen entstanden.

Auch in dem 300 Meter langen, zum Verkauf stehenden Abschnitt sollen Wohnungen entstehen. Diesen Bereich will der Kreis zum Höchstpreis veräußern. Zugleich sollen die Museen in Prora, die sich mit der NS- und DDR-Militär-Geschichte der Immobilie befassen, eine dauerhafte Bleibe in dem Block erhalten. Der Bund will ein solches Bildungs- und Dokumentationszentrum Prora mit bis zu 3,4 Millionen Euro fördern.

Der Verkauf an einen Investor ist an Auflagen gekoppelt. So muss der Käufer die Verlegung des DJH-Campingplatzes finanzieren, die allein mit 1,5 Millionen Euro beziffert wird. Zudem muss der Käufer ein Kleinspielfeld und Sanitärgebäude für das Jugendherbergswerk errichten. Für einen kleinen Abschnitt an der sogenannten Liegehalle – den Bereich, in dem das Dokumentationszentrum entstehen soll – sucht der Kreis nach einem Eigentümer oder Erbbaurechtsträger für 40 Jahre.

Der Träger muss fördermittelfähig sein und soll den historischen Vereinen diesen Bereich kaltmietfrei zur Verfügung stellen. Dazu liefen auch Gespräche mit dem Land. Das Dokumentationszentrum soll auf einer Fläche von 2700 Quadratmetern in einem Teil des Gebäudes, das an die Jugendherberge grenzt, einen Platz finden.

Eine Machbarkeitsstudie bescheinigt einem solchen Ausstellungs- und Bildungszentrum einen wirtschaftlichen Betrieb. Vorausgesetzt werden dafür unter anderem ein hoher Fördersatz bei der Sanierung des Gebäudeteils sowie jährlich 55000 bis 140 000 Besucher.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Sonja Steffen geht davon aus, dass sich Bund und Land an der Sanierung beteiligen. Der Baustart sollte möglichst bis 2021 erfolgen. Frühere Schätzungen gingen von Baukosten in einer Höhe von fünf Millionen Euro aus.

Die Machbarkeitsstudie hatte der Verein „Bildungs- und Dokumentationszentrum Prora“ in Auftrag gegeben. Den hatten das Dokumentationszentrum, das den Fokus auf die Sozialgeschichte des Regimes im Nationalsozialismus legt, und das Prora-Zentrum mit dem Schwerpunkt DDR-Geschichte, 2017 gegründet.

Der Klotz

In Prora wollten die Nationalsozialisten ein Seebad mit 20 000 Betten errichten, um die Bevölkerung im Erleben eines preiswerten Urlaubs an der Ostsee auf Systemtreue zu trimmen. Der 1936 begonnene Bau der 4,5 Kilometer langen Anlage wurde 1939 mit Kriegsausbruch eingestellt. Nach Kriegsende wurde das Gelände militärisch genutzt. Unter anderem waren dort mehr als 3000 Bausoldaten stationiert.

Das Dokumentationszentrum soll über alle sechs Stockwerke entstehen. Geplant sei zudem eine Dachterrasse, von der die Besucher die gigantischen Ausmaße der Anlage erfassen können.

Martina Rathke

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