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Werbetour für Rückkehr der Braugerste auf Rügens Äcker

Gustow Werbetour für Rückkehr der Braugerste auf Rügens Äcker

Braugerstenverein lud zur Rundfahrt auf die Insel / Der Anbau des für die Bierherstellung wichtigen Rohstoffes ist in Mecklenburg-Vorpommern rückläufig

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Mitglieder des Vereins zur Förderung des Braugerstenanbaus in Mecklenburg-Vorpommern verschafften sich einen Eindruck von biologischem Anbau in Altefähr und konventionellem wie hier in Saalkow.

Quelle: Fotos: Uwe Driest, Chris-Marco Herold

Gustow. Stolz ist der Deutsche auf seine Fußballmannschaft und das hierzulande überwiegend noch immer nach den Regeln des Reinheitsgebots gebraute Bier. Der dafür verwendete Rohstoff stammt allerdings heute überwiegend aus dem Ausland. Nur noch wenige heimische Landwirte verstehen sich nämlich auf den Anbau von Braugerste. Dieses Defizit zu beheben ist Ansinnen des „Vereins zur Förderung des Braugerstenanbaus in Mecklenburg-Vorpommern“, der zur Rundfahrt auf die Insel Rügen eingeladen hatte. Ein Dutzend Landwirte, Saatguthändler, Mälzer und Vertreter von Fachbehörden trafen sich zur Besichtigung von Praxisschlägen im Raum Gustow und des Anbauversuchs nach dem „Berliner Programm“ bei der Nordsaat in Granskevitz.

 

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Öko-Landbau geht nicht nach Schema F.“Peter Geißler, Chef der Agrargesellschaft Gustow

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Wir möchten das Wissen um Braugerste reproduzieren.“Joachim Vietinghoff, Chef Braugerstenverein

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Öko-Landbau geht nicht nach Schema F.“Peter Geißler, Chef der Agrargesellschaft Gustow

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Wunderstoff für stattliche Schaumkrone

11,5 Prozent sollte der Eiweißanteil der Braugerste soll nicht übersteigen. Wenn er zu niedrig ist, gibt es keine stattliche Schaumkrone auf dem Pils. Braugerste wird zu Malz verarbeitet und als geschrotetes Braumalz in Brauereien, als gemahlenes Backmalz in der Backwarenindustrie und als Whisky- und Brennmalz in der Spirituosenindustrie verwendet.

Je ein Feld mit biologisch und konventionell erzeugter Braugerste stellte Peter Geißler, Chef der Agrargesellschaft Gustow, den Experten vor. Das ökologisch bewirtschaftete Feld an der Eisenbahnbrücke in Altefähr wurde Anfang April ausgesät. „Die Öko-Gerste bauen wir seit 2007 für den im Besitz von Haus Nordmann befindlichen Grahlhof an“, sagt Geißler. Die Brüder Nordmann hätten ursprünglich den Bau einer kleinen Mälzerei geplant, von der Idee jedoch wegen der Marktsituation wieder Abstand genommen. Die Bio-Gerste verkaufen die Gustower an Biopark, einen Verein für ökologischen Landbau. Bis zu 30 Euro für den Doppelzentner erzielt Geißler dort.

„Wie kriegst Du den Huflattich weg?“, fragt einer aus der Runde. „Wir haben drei Jahre gebraucht, um damit fertig zu werden“, erklärt Geißler. Erst als er für 40000 Euro eine neun Meter breite Hacke kaufte, die mit Foto-Zelle ausgerüstet die Zwischenräume zwischen den Fruchtpflanzen erkennt, wurde er die Beikräuter los. „Öko-Landbau geht nicht nach Schema F, wir müssen uns weiterbilden und Dinge ausprobieren“, macht Geißler deutlich. „Ich glaube, dass der chemische Landbau langfristig auf dem Rückzug ist“, sagt er. „Nicht nur, weil es weite Teile der Bevölkerung so wollen, sondern auch wegen zunehmender Resistenzen.“ Allerdings würde er sich wünschen, dass die Politik darüber nachdenken möge, die Grenzen von bio und konventionell aufzuweichen. „Denn so wenig Chemie im konventionellen Landbau Zukunft hat, so sehr brauchen wir den Einsatz von Stickstoff auch in der Bio-Landwirtschaft“, unterstreicht Geißler. „Wenn künftig weniger Dünger zum Einsatz kommt, dann kommt auch die Braugerste wieder zum Zug“, meint auch Joachim Vietinghoff. Der ist Vorsitzender des Braugerstenvereins und zugleich Leiter der Abteilung Lebensmittelsicherheit im Landwirtschaftsministerium. „Wir müssen nur die Landwirte von den Vorteilen überzeugen, die die Braugerste für die Fruchtfolge bedeuten kann und für vernünftige Rahmenbedingungen der Vermarktung sorgen“, sagt Vietinghoff.

Seit vielen Jahren sei der Braugerstenanbau im Land rückläufig und 2013 lag der Sommergerstenanteil nur noch bei 0,6 Prozent der Ackerfläche. Davon wurde rund ein Viertel für Nahrungs- und Industriezwecke angebaut. Das sei zu wenig, um mit dem Marktriesen Malteurope ins Geschäft zu kommen. „Etwa 80 Prozent der Gerste importieren wir über den Überseehafen Rostock aus Skandinavien“, sagt dessen Vertreter Heiko Drechsler. „Die Verfügbarkeit in MV schien uns nicht hoch zu sein.“

Das könnte sich künftig ändern, wenn auch Rügener Landwirte die Vorteile der Nische „Braugerste“ für ihre Fruchtfolge erkennen, hofft Vietinghoff. „Deswegen möchten wir das Wissen um die Braugerste reproduzieren, bevor es verlorengeht.“

Uwe Driest

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