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Wetterfrösche sagen dem Kap adé

Kap Arkona Wetterfrösche sagen dem Kap adé

Bis 2019 soll auch die Wetterwarte vollständig automatisiert werden. Jahresrückblick bestätigt Trend zu Erwärmung und extremen Ereignissen.

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Frank Stein, Leiter der Wetterstation am Kap Arkona, erläutert das Gerät zur Messung der atmosphärischen Strahlung.

Quelle: Foto: Uwe Driest

Kap Arkona. Ende Oktober vergangenen Jahres forderte Sturmtief „Herwart“ an der vorpommerschen Küste das Leben zweier Menschen, als deren Boot kenterte. Die vorangegangene Sturmwarnung kam seinerzeit auch von der Wetterwarte am Kap Arkona. Dort betreibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine Wetterwarte, die rund um die Uhr zahlreiche meteorologische Daten erfasst. Fazit für das zurückliegende Jahr: „Erneut ein sehr warmes Jahr, unbeständig und oft extrem.“ Anders als die zweite, inzwischen vollautomatisierte Wetterstation in Putbus, ist jene am Kap mit drei Personen besetzt. Jedenfalls noch in diesem Jahr, denn spätestens 2019 soll auch diese Rügener Wetterwarte vollautomatisiert werden. „Bemannte Warten wird es dann nur noch an internationalen Flughäfen und Bergwetterwarten oder auch Klima-Referenzstationen geben“, so Stationsleiter Frank Stein (57). Dann wird sich auch sein auf Rügen geborener Kollege Lucien Jenisch verändern müssen.

Stein und seine beiden Mitarbeiter erstellen jährlich einen Witterungsrückblick für Rügen. Danach gab es Orkanböen auch Ende Juli und am Tag vor Heiligabend, als am Kap ein Windstoß der Stärke 11 gemessen wurde, was einer Geschwindigkeit von 105 Stundenkilometern entspricht. Mit durchschnittlich 9,2 Grad Celsius lag die Temperatur im vergangenen Jahr auch am Kap 1,3 Grad über dem Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre, bestätigt Frank Stein. Bis auf den Juli war jeder Monat wärmer als im 30-jährigen Mittel. Der Juli allerdings sei auf Rügen mit einem Mittelwert von weniger als 20 Grad ungewöhnlich kühl gewesen. Insgesamt war der Sommer verregnet und die größten Niederschläge fielen am 30. Juni mit 25 Litern pro Quadratmeter. Die gesamten Niederschläge des vergangenen Jahres lagen mit 656 Litern je Quadratmeter sogar um 26 Prozent über dem 30-jährigen Mittel (521 Liter). Nicht einmal die Sonnenstunden hielten, was Deutschlands Sonnendeck verspricht: Mit 1752 Stunden schien die Sonne gut 50 Stunden weniger als im 30-jährigen Mittel. Die untere Spitze lag im Dezember (30 Stunden), die obere im Mai (272 Stunden), der zugleich auch der einzige relativ trockene Monat bleiben sollte. Schnee lag eigentlich nur an einigen Tagen im Januar und Februar und im März waren nur noch spärliche Reste zu sehen. Am 17. Dezember kamen nach heftigem Schneefall in Putbus dennoch Rodelschlitten zum Einsatz. Einzig die Wassertemperatur können Stein und seine Mitarbeiter nicht allein messen. „Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie betreibt eine Boje, die etwa 40 Kilometer nordöstlich vom Kap liegt. Die funkt die Temperaturen aus 40 Zentimetern Wassertiefe an unsere Station“, erklärt Stein. Das Wasser blieb im vergangenen Jahr mit einem Spitzenwert von 18,6 Grad hingegen etwas kühler als 2016 (maximal 21,1 Grad).

Um alle diese Werte zuverlässig und unter stets gleichen Bedingungen zu messen, verfügt die Wetterstation am Kap neben einem kleinen Rechenzentrum und Gerätschaften im eigenen Haus auch über einen sogenannten „Garten“, in dem sich vielfältige Anlagen befinden. So misst ein auf eine Steinplatte zielender Laserstrahl die Dicke der Schneedecke. Ein zweiter ist in die Höhe gerichtet und misst Abstand und Stärke der verschiedenen, in drei „Stockwerken“ schwebenden, Wolkenarten. Geräte an einem hohen Mast messen Wind, Sonne und atmosphärische Strahlung. Eine Art Erdanker erfasst die Temperatur im Boden. Selbst die Art von Niederschlägen wird vollautomatisch erfasst, indem zwei gegenüberliegende Sensoren die Dichte von Regen, Sprühregen, Hagel oder Schnee erfassen.

Aktuelle Messwerte und einen Wetterbericht hängen Frank Stein und seine Mitarbeiter stets im Schaukasten vor dem „Garten“ gegenüber der Wetterstation aus. An Wetterphänomenen interessierte Besucher können an einer kostenlosen Besichtigung und Führung der Wetterwarte teilnehmen. Anmeldungen zu Führungen sind unter Telefon 038391/13257 oder wewa.arkona@dwd.de möglich.

Wetterwarte Arkona

Am 1. August 1946 wurde die Wetterwarte am Kap Arkona eingerichtet.

Ihre Lage ist exakt 54°40’54’’ nördlicher Breite und 13°26’12’’ östlicher Länge in 42 Meter über Normalnull.

Die Sonne schien am 22. Juni 1959 ganze 17,1 Stunden.

32,2 Grad Celsius betrug die am 26. August 2016 höchste jemals gemessene Temperatur.

Der Wert stellte den vom 16. 8. 1974 aufgestellten bisherigen Rekord (31,3°C) ein.

Die stärkste Bö fegte am 4. 12. 1999 mit 180 Stundenkilometern über das Kap hinweg.

Die Niederschläge vom 16. 9. 1955 betrugen 83 Millimeter.

Der kälteste Tag war mit - 18,9°C der 1. Februar 1954.

Die Schneedecke am 16. November 1965 war 59 Zentimeter hoch. Tags zuvor wurde die mit 27 cm größte Neuschneehöhe gemessen.

Uwe Driest

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