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Rügen Wilhelmstraße: Charakter soll erhalten bleiben
Vorpommern Rügen Wilhelmstraße: Charakter soll erhalten bleiben
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00:05 13.05.2017
Die Villen mit den Stilelementen der Bäderarchitektur verleihen ein besonderes Flair. Quelle: Foto: Christian Rödel/oz-Archiv

Es war eine Marathonsitzung mit schon historischer Dimension: Zwei Tage saßen die Mitglieder des Selliner Bauausschusses und des Gemeinderates sowie Stadtplaner Heinrich Vulter viele Stunden lang zusammen, um die Art und Weise der Bebauung und die Nutzungen für die Wilhelmstraße im gleichnamigen Bebauungsplan festzuzurren. Damit soll die zukünftige Entwicklung der Vorzeigemagistrale, die zur Seebrücke führt, in geordnete städtebauliche Bahnen gelenkt werden. Denn für Sellins Prachtallee schlägt es fünf vor zwölf: Der historische Charakter der vor über 100 Jahren entstandenen Wilhelmstraße in weißer Bäderarchitektur und somit Charme und Aushängeschild des Ostseebades drohen zu verschwinden.

Selliner Gemeindevertreter erarbeiten in einer Klausurtagung Bestimmungen für den Bebauungsplan

„Die Festsetzungen im Bebauungsplan erfolgten auf Empfehlung der Denkmalpflege und von Fachplanern. So wurden die Gestaltungsvorschriften neu ergänzt, Firsthöhen und Gebäudetiefen festgesetzt.

Insgesamt 72 Punkte – von der Farbgestaltung über Dachformen und Markisen bis hin zum Anteil von Grünanlagen – wurden abgearbeitet“, informiert Bürgermeister Reinhard Liedtke über das Ergebnis der Mammutsitzung. Ende Mai soll der B-Plan zur frühzeitigen Bürgerbeteiligung ausgelegt werden.

Schon im Oktober letzten Jahres hatte die Gemeindevertretung den B-Plan Nr. 7 „Wilhelmstraße/August-Bebel-Straße“ auf den Weg gebracht. Außerdem haben die Volksvertreter eine Veränderungssperre erlassen, die vorerst für zwei Jahre gilt (die OZ berichtete). Das Plangebiet hat eine Größe von rund 21 Hektar und umfasst den Bereich der Wilhelmstraße zwischen Granitzer Straße und Hochufer und von der August Bebel Straße bis zur Waldgrenze östlich der Wilhelmstraße. Ursprünglich war nur eine Seite der Bebel-Straße mit vorgesehen.

Jetzt wurde die komplette Straße mit einbezogen, weil auch die künftige Entwicklung des Parkplatzes (Areal des ehemaligen Kaufhauses Rationell an der Ecke Kirchstraße), wo ein Parkhaus entstehen soll, mit berücksichtigt wird. Das Parkhaus könnte mehretagig gebaut werden und einmal 280 Stellplätze anbieten.Völlig offen sei aber noch, ob die Gemeinde es selbst bauen wird oder dafür einen Investor suchen wird, so Liedtke. Außerdem hat die Gemeinde die Mehrfamilienhäuser in der Bebel-Straße im Blick. Deren Bestand wurde festgeschrieben, damit nicht einfach abgerissen und neugebaut werden könne.

Abgerissen und neu gebaut wurde und wird in Sellin meist, wenn Häuser den Besitzer wechseln. Auch in der Wilhelmstraße mit ihren 25 Häusern auf jeder Seite sollen noch weitere Gebäude weichen und durch neue ersetzt werden – unter anderem die Hotels Kurhaus und „Xenia“ sowie die Pension „Tatjana“. Ein weiteres Problem: der Nutzungswechsel. Immer mehr – vor allem familiengeführte – Hotels und Pensionen verschwinden und werden durch „gesichtslose“ Eigentums- und Ferienwohnungen oder Appartementhäuser ersetzt, deren Besitzer nicht vor Ort sind. „Es sollen Hotels und Pensionen entstehen, Läden und Gastronomie im Erdgeschoss“, so der Bürgermeister. „Die Festsetzungen kommen noch nicht zu spät, sondern jetzt gerade noch richtig, weil in der Wilhelmstraße ein Investitionsschub ansteht“, meint Reinhard Liedtke. Er schätzt das Investitionsvolumen auf rund 500 Millionen Euro.

Die Gestaltung der Gebäude in der Wilhelmstraße soll sich streng an den historischen Gebäuden orientieren. Derzeit werde dazu eine Bilddokumentation erstellt. So sollen historische Fassaden der Villen erhalten bleiben wie zum Beispiel bei den beiden Häusern „Tatjana“ und „Salve“. Künftig seien auch nur noch Weißtöne bei der Fassadenfarbe zulässig. Weiterhin sollen Parkplätze auf dem eigenem Grundstück oder in Tiefgaragen geschaffen werden. Bei Neubauten sollen die Eigentümer künftig auch selbst für Fahrradständer vor dem Gebäude sorgen.

Zu DDR-Zeiten hatte das gesamte Straßenensemble der Wilhelmstraße, die seinerzeit Wilhelm- Pieck-Straße hieß, unter Denkmalschutz gestanden. Mit dem ersten Denkmalschutzgesetz von Mecklenburg-Vorpommern 1993 verschwand plötzlich der Ensembleschutz. Lediglich 12 Gebäude wurden noch als Einzeldenkmale ausgewiesen. Von denen sind inzwischen zwei gestrichen worden: die Villen „Fernsicht“ und „Seerose“. In der mit Linden gesäumten Allee, die zum Wahrzeichen des Ostseebades führt, gibt es heute zehn denkmalgeschützte Häuser: „Miramar“, „Windrose“, „Finja“, „Granitz“, „Vineta“, „Haus am Meer“, „Eintracht“, „Ingeborg“, „Sellin“ und „Johanneshorst“.

Gerit Herold

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