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Rügen Windland-Schüler werden zu Meeresmüll-Experten
Vorpommern Rügen Windland-Schüler werden zu Meeresmüll-Experten
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00:05 06.05.2017
Machen sich stark für den Schutz der Meere: Andrea Stolte vom WWF Ostsee-Büro in Stralsund (li.) mit Rosanna Schöneich-Argent von der Universität Oldenburg. Quelle: Fotos: Anne Ziebarth
Altenkirchen

Die Regionale Schule Windland in Altenkirchen ist für ihr Engagement in Sachen Naturschutz bekannt. Jetzt trafen sich Experten aus ganz Deutschland auf Wittow, um mit den Schülern über Meeresmüll und die Ursachen der Verschmutzung zu diskutieren. „Die Schüler haben sich für Themen wie ,Geisternetze', ,Mikroplastik' oder ,Klimawandel' eintragen können. Fachleute haben ihnen dann einen tieferen Einblick in den Stand ihrer Forschung gegeben und ihnen Einblicke in ihre Arbeit vermittelt“, erklärt Rolf Schernus, stellvertretender Schulleiter der Windlandschule. „Die Jugendlichen können so zu Multiplikatoren werden und andere Menschen und Schüler für das Thema Umweltverschmutzung sensibilisieren.“

Bei einer Tagung diskutierten Experten über Verschmutzung des Meeres

Mirco Haseler vom Insitut für Ostseeforschung Warnemünde zum Beispiel berichtete über die verschiedenen Methoden des Meeresmüllmonitoring und die bisherigen Ergebnisse. „An den von uns beprobten Strandabschnitten haben wir feststellen können, dass der meiste Müll tatsächlich von der Strandnutzung durch Menschen anfällt und nicht aus dem Meer angespült wird. Etwa ein Drittel der einzelnen Müllteile waren Zigarettenkippen, danach folgten Polymere, also Plasikverbindungen.“ Ein Phänomen, das die Schüler der Windlandschule gut kennen. Im Rahmen der Projektgruppe „SEK2“ sind sie in regelmäßigen Zeitabständen an der Küste Wittows unterwegs und sammeln Müll ein. Plastik von Verpackungen, Folien oder auch alte Netze machen einen großen Teil der gefundenen Menge aus.

„Die Fischernetze sind heute alle aus sehr haltbarem Plastik“, erklärt Andrea Stolte vom WWF Ostsee-Büro in Stralsund. „Wenn sie abreißen oder verloren gehen, stellen sie als Geisternetze eine zusätzliche Gefahr für die Tierwelt der Küste dar.“ Seevögel und Fische verenden kläglich in diesen Kunststoffnetzen, der langsame Abrieb des Plastiks führt zur Bildung von Mikroplastik, einer Gefahr für Mensch und Umwelt, die in ihren langfristigen Auswirkungen noch kaum auszumachen ist. Nach Angaben des Umweltbundesamtes gehen wissenschaftliche Schätzungen davon aus, dass etwa sechs bis zehn Prozent der weltweiten Kunststoffproduktion ihren Weg in die Weltmeere finden. Weitere Quellen für Mikropartikel aus Kunststoff sind unter anderem Chemiefasern, die aus der Kleidung und sonstigen Textilien ausgewaschen werden.

Einen anderen Aspekt zur Erforschung des Meeresmülls verfolgt Rosanna Schöneich-Argent von der Universität Oldenburg. Die 25-Jährige erforscht das Strömungsverhalten von Müll in den Ozeanen. Zu diesem Zweck arbeitet sie mit sogenannten Driftern, kleinen markierten Holzblöcken, die sie im Meer platziert und die bei Wiederfund Aussagen über den zurückgelegten Weg ermöglichen. Einer dieser Holzblöcke hat es von der Nordsee sogar bis an die Küste Wittows geschafft und wurde von den Eltern eines Schülers gefunden. „In einem Zeitraum von zwei Tagen einmal rund um Dänemark – das schafft kein Drifter“, musste die Doktorantin aber vermelden. „Den hat wohl jemand an der Nordsee mitgenommen und dann an der Ostsee ausgesetzt.“ Aber auch wenn der Drifter von Wittow nicht in die Forschungsergebnisse einfließen kann, passte ihr Vortrag über Meeresmüll perfekt in die Tagung. „Die Aufmerksamkeit der Schüler war top!“, lobt Rosanna Schöneich-Argent. „Ich denke so eine Veranstaltung ist eine gute Idee. Die Idee einer solchen Konferenz werde ich mitnehmen und auch an Schulen bei uns in der Region vorschlagen.“

Plastik im Meer

600 Jahre braucht synthetische Angelschnur, bis sie im Meer zersetzt wird. Sixpack-Ringe bringen es immerhin noch auf 400 Jahre.

7 Millionen Tonnen Plastikmüll landen nach Schätzungen des WWF jedes Jahr im Meer. Der Müll bildet zum Teil große Strudel und Teppiche im Ozean. Der größte Müllstrudel ist der „Great Pacific Garbage Patch“ im Nordpazifik. Er ist mittlerweile so groß wie Zentraleuropa.

Anne Ziebarth

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