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Rügen Windturbine soll sich ab Oktober freischwimmen
Vorpommern Rügen Windturbine soll sich ab Oktober freischwimmen
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00:00 26.03.2016
Karsten Köpke und Bodo Voigt (r.) vorm Modell der schwimmenden Windkraftplattform die von der Edelstahl und Umwelttechnik Stralsund GmbH (ESG) in einer angemieteten Halle auf der Volkswerft gebaut wird. Quelle: Jörg Mattern

In Halle 270 auf der Volkswerft fliegen Schweißfunken. Hier wird daran gearbeitet, einen weltweit einzigartigen Prototypen fertigzustellen. Die zur Dresdener Gicon-Gruppe gehörende Edelstahl und Umwelttechnik Stralsund GmbH (ESG) baut in der angemieteten Halle ein schwimmendes Offshore Fundament (SOF) für Windkraftanlagen.

Eigentlich sollte der Rotor der Windkraftturbine sich schon seit dem letzten Herbst im Windpark „Baltic I“ vor dem Darß drehen. Das Pilotprojekt erfordert jedoch immer wieder neue Ideen, die auch in den Augen der Behörden Bestand haben müssen. Verzögerungen bleiben da nicht aus. Jetzt soll es im Oktober so weit sein.

Die Ursachen dafür kennt Bodo Voigt: „Wir haben uns erfolgreich an einem Ausschreibungsverfahren der Bundesnetzagentur zur Zuteilung von Netzkapazitäten beteiligt, damit wir künftig unseren Strom auch einspeisen können“, sagt der ESG-Betriebsleiter. Dazu kam, dass die Ingenieure für die Plattform einen Schwerkraftanker entwickelten. „Damit benötigen wir keine Rammpfähle mehr, um die Plattform zu verankern“, erläutert Karsten Köpke, Projektleiter SOF.

Der Vorteil: Der Schwerlastanker wird zum Standort der Anlage geschleppt, abgesenkt und hält die vier luftgefüllten Schwimmkörper straff im Wasser. Es entstehen keine Rammgeräusche, was Meeressäuger schont“, erläutert Köpke. Das Verfahren wurde inzwischen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz gebilligt. Bis die entsprechenden Genehmigungen erteilt waren, wurden auch keine Verträge ausgelöst, etwa für die 1,3 Megawatt-Turbine. „Das führte insgesamt zu Verzögerungen, hat uns aber den Zeitplan nicht wesentlich durcheinandergebracht“, betont Voigt. In der Zwischenzeit wurden die Segmente der Plattform vorgefertigt. Und auch sonst hat die Belegschaft der ESG gut zu tun.

„Als wir 2012 Mitglied der Gicon-Gruppe wurden, waren hier gerade noch vier Leute beschäftigt“, sagt der Betriebsleiter. „Heute arbeiten 100 Fachleute, Schlosser, Schweißer, Ingenieure für die ESG.“ 90 Prozent der Belegschaft haben einst auf der Volkswerft gearbeitet. Zum Portfolio des Unternehmens gehören vier Sparten: Offshore/Schiffbau, Maschinen- und Anlagenbau, Metall- und Hallenbau sowie ingenieurtechnische Dienstleistungen. Damit ist man für verschiedenste Aufgaben breit aufgestellt, ob das Kabeltanks für den Windpark „Baltic I“ sind oder die Montage von Industriekühlschränken oder Förderanlagen aus Edelstahl.

Fähigkeiten, die jetzt in den Bau der schwimmenden Offshore Plattform fließen. „Mitte Oktober wollen wir diese jetzt zu Wasser lassen und an ihren Standort nahe des Windparks „Baltic I“ schleppen und verankern“, blickt Projektleiter Karsten Köpke voraus. Dann beginnt die Erprobung. Damit den Ingenieuren nichts entgeht, werden 1000 Messstellen in der gesamten Anlage eingebaut. „Wir haben mit der ESG 1 die einzige Pilotanlage weltweit, die in der Nähe eines Offshore-Windparks unter realen Bedingungen getestet wird“, betont der Projektleiter. Mit den Ergebnissen der Tests, soll das SOF dann in Serie gehen. Dann allerdings mit modernen 5 bis 6 Megawatt-Windturbinen.

Prototyp ESG 1

Prototypen für schwimmende Windkraftanlagen gibt es derzeit unter anderem vor Japan, Norwegen und Portugal. Das besondere an der ESG 1 ist jedoch, dass diese genau so stabil verankert werden kann, wie eine stationär gebaute Anlage. So soll der projektierte Spielraum nur eine Bewegung von drei bis 12 Millimetern zulassen. Die Kosten für den Prototyp betragen rund 18 Millionen Euro.

Von Jörg Mattern

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