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Rügen Winterdienst statt Fischfang
Vorpommern Rügen Winterdienst statt Fischfang
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16:07 29.12.2018
Hans-Joachim Schröder war im Superwinter 1978/79 in der Fischereiproduktionsgenossenschaft im Dienst. Die Kollegen waren in dem Winter mit Schneeschiebern in den Sassnitzer Straßen unterwegs. Quelle: Wenke Büssow-Krämer
Sassnitz

Etwa eine Woche lang ließen die Fischer ihre eigentliche Aufgabe links liegen, als vor 40 Jahren die Stadt im Schnee versank. „Vom Rat der Stadt wurden sie ausgerüstet und waren dann mit Schaufeln in den Sassnitzer Straßen unterwegs“, sagt Hans-Joachim Schröder, der zu diesem Zeitpunkt stellvertretender Produktionsleiter in der Fischereiproduktionsgenossenschaft Sassnitz war. „Zu jedem Lastwagen waren dann sieben oder acht Fischer dabei. Tagelang wurde Schnee gefahren.“

Drei Lastwagen W50 der FPG wurden abgeplant, sodass die Männer problemlos den Schnee raufschaufeln konnten, der dann auch schon mal einfach ins Hafenbecken abgeschippt wurde. Und natürlich mussten Fischer, wie alle anderen Fabrikarbeiter im Umkreis, erstmal das eigene Werkgelände freischaufeln, damit Personal und Fahrzeuge durchkamen und machten dann auch Brücke und Mole frei. „Im Werk wurde aber trotzdem weiter produziert. Es war ja noch Ware eingelagert, die sollte ja nicht verfaulen“, so Schröder.

NVA stellte Raupe und Fahrer zur Verfügung

Schon ein paar Tage später, als die Einwohner wieder problemlos durch ihre Straßen kamen, ging es wieder auf die See. „Der Eisbrecher Stephan Jantzen hat den Weg aus dem Hafen frei gemacht, damit alle Schiffe auf die offene Ostsee kamen“, sagt der heute 79-Jährige. Doch auch wenn die Straßen innerhalb der Stadt geräumt waren und der Seeweg täglich befahrbar gemacht wurde, blieben die Lieferwege weiter problematisch. „In Lohme standen vier Tonnen Räucherware, die in Sassnitz umgeladen werden sollten. Doch es war nicht möglich durchzukommen. Durch den Wald ging nichts und über Bisdimitz und Hagen wurde es auch versucht – alles dicht.“

Die NVA stellte damals eine Raupe mit Fahrer zur Verfügung. Übers Feld wurde die Ware von Lohme dann geholt. Hans-Joachim Schröder erinnert sich aber auch an den Schwimmpanzer, der zum Laden der Räucherware über den Seeweg nach Lohme geschickt wurde. „Durch die NVA wurden wir in diesem Winter besonders unterstützt“, sagt Hans-Joachim Schröder. Als dann das erste Mal ein Durchkommen bis nach Stralsund möglich wurde, haben sich auch die Lastwagen der Fischereiproduktionsgenossenschaft in den Konvoi eingereiht, damit die Sassnitzer Fischprodukte wieder im ganzen Land ausgeliefert werden konnten.

Russische Soldaten versorgten die Einwohner mit Brot

Zu den oft zitierten Erinnerungen gehört auch das Brot aus der Kaserne der russischen Soldaten, da eine Belieferung aus der Bergener Großbäckerei nicht mehr möglich war. „Das haben sie mit ihrer Militärtechnik dann auch auf die Dörfer gebracht“, sagt der Rentner.

Morgens begab sich Hans-Joachim Schröder um sechs Uhr zum Hafen und war an manchen Abenden erst um 21 Uhr zurück. Seine Ehefrau war zu dieser Zeit im Kindergarten beschäftigt. „Auch bei uns wurde weiter gearbeitet. Es fuhr zwar kaum ein Auto durch die Stadt, aber zu Fuß kam man durch“, sagt Ingrid Schöder. Damals wohnte die Familie auf dem Wedding. Versorgungsprobleme im Schneechaos wurden hier nicht bemerkt. „Wir haben zum größten Teil alles gehabt. Nur mit Brot mussten wir von den Russen versorgt werden.“

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