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Rügen „Wir lassen uns nicht auf einen Kuhhandel ein“
Vorpommern Rügen „Wir lassen uns nicht auf einen Kuhhandel ein“
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15:52 03.04.2018
Etwa hundert Personen demonstrierten am Königsstuhl für den Erhalt eines Abstiegs. Quelle: Uwe Driest
Sassnitz

Der Hinweis war Sabine Korneli ein Bedürfnis: „Trinkt nicht zu viel, denn die Toilette kostet 9,50 Euro am Königsstuhl“, konnte sich die Demonstrantin aus Hagen nicht verkneifen zu sagen.Soviel nämlich beträgt der Eintritt am Infozentrum. Gemeinsam mit etwa 100 der bislang 3500 Unterzeichner einer Petition für den Erhalt des Abstiegs am Königsstuhl hatte sie sich am Sonnabendnachmittag an der Buswendeschleife vor dem Infozentrum eingefunden.

Etwa 100 Insulaner demonstrierten für den Erhalt eines Abstiegs am Königsstuhl auf Rügen.

Mindestens eine halbe Million Menschen besuchten jedes Jahr den Königsstuhl, von denen viele gern die Treppe zum 118 Meter tiefer gelegenen Ufer abstiegen. Bis ein herabstürzender Baum die Treppe zerstörte. Von den ursprünglichen Plänen, sie wiederherzustellen – drei Millionen Euro lagen dafür bereit – nahm Umweltminister Till Backhaus (SPD) später Abstand (die OZ berichtete).

Sollen Gäste aus der Kernzone ferngehalten werden?

Der Seitenhieb auf die Betreiber des Infozentrums blieb nicht der einzige. Früher habe es auch schon ein Naturschutzgebiet gegeben, betonte der Sassnitzer Norbert Dahms. „Aber da hatten wir eine Eule und keinen Panda und konnten noch überall langlaufen“, sagt Dahms unter Hinweis auf das Wappentier des WWF, der das Infozentrum führt. Weitere Stimmen aus den Reihen der Demonstranten legten die Vermutung nahe, das Verbot des Ministeriums, die zerstörte Treppe am Königsstuhl wiederherzustellen, habe gar keine technischen Gründe. „Man will die Gäste aus der Kernzone des Nationalparks heraushalten. Alles andere sind fadenscheinige Gründe“, glaubt BI-Sprecher Burkhard Rahn und dichtete: „Zwei Sommer lullt man alle ein / dann gibt man die Entscheidung kund / Der Abstieg wird nie wieder sein / Ihr werdet’s nicht ändern, drum haltet den Mund.“

„Wir bestreiten das Risiko nicht, aber es ist in der letzten Zeit nicht größer geworden“, glaubt Rahn. Dass einem Wanderer am Fuße der Steilküste etwas auf den Kopf gefallen sei, wäre zuletzt 1936 passiert. Beispiele dafür, „wie andernorts mit identischen Problemen umgegangen wird“, nannte Guido Hoenig. So würde die Aussichtsplattform auf der Zugspitze mit großem Aufwand gesichert und der lange Abstieg durch die gefährliche Natur des Alpenraums den Besuchern überlassen, so der Lohmer Jurist. „Wer in die freie Natur geht, tut das auf eigenes Risiko.“

Es würde jemanden brauchen, der die Verantwortung trägt

„Dass mal etwas kaputt geht, ist klar“, meinte der ehemalige Pastor Frieder Jelen. Das Land gäbe jedoch beispielsweise auf Hiddensee viel Geld für Küstenschutz und Sandaufspülungen aus. Warum also nicht am Königsstuhl? „Schreiben Sie Briefe an Minister Backhaus“, forderte Jelen daher die Versammelten auf. Darunter auch die Landratskandidaten Andreas Kuhn (CDU), Steffen Ulrich (parteilos) und Dirk Niehaus (Grüne) sowie die Bundestagsabgeordnete Kerstin Kassner (Linke).

Ingolf Stodian vom Nationalparkamt beobachtete das Geschehen vom Rand aus. Durch die vergangenen Abbrüche sei die Wand nun einmal zu steil geworden und die Wellen schlügen nun bis an den Fuß der Steilküste, warb Stodian um Verständnis für die Entscheidung des Ministers. „Es würde jemanden brauchen, der bereit wäre, dafür die Verantwortung zu übernehmen“, so Stodian.

Am 9. April soll es ein Treffen von Bürgerinitiative und Ministerium in der ehemaligen Waldhalle geben. „Wir hoffen, dass wir nicht nur eingeladen wurden, um uns einnorden zu lassen, denn das wird nicht klappen“, stellt Burkhard Rahn schon mal klar. „Wir gehen auch auf keinen Kuhhandel nach dem Motto ,Lehrpfad Lohme gegen Mundhalten’ ein.“

Driest Uwe

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