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„Wir reden nicht nur, wir handeln auch“

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Für die Partei die Linke wollen André Brie und Wolfgang Weiß als Direktkandidaten von Rügen in den Landtag

Bergen Für die Partei die Linke gehen auf Rügen zwei Direktkandidaten ins Rennen. Im Wahlkreis 33 kandidiert Hochschuldozent Wolfgang Weiß, im Wahlkreis 34 Landtagspolitiker André Brie. Die OSTSEE-ZEITUNG stellt die Kandidaten vor und sprach mit ihnen über Probleme und Chancen der Insel Rügen und Lösungsansätze.

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Für die Partei die Linke wollen André Brie und Wolfgang Weiß als Direktkandidaten von Rügen in den Landtag

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Sie wohnen beide nicht auf Rügen. Warum ist die Insel die Region ihrer Wahl?

André Brie : Ich habe beste Kindheitserinnerungen an die Insel und hier viele meiner Urlaube verbracht. Vor allem aber: Bei der Arbeit im Europaparlament und im Landtag habe ich gemerkt, dass Vorpommern die Region ist, in der wirklich etwas bewegt werden kann und muss. Es reicht, wenn Mecklenburg-Vorpommern einen Bindestrich hat. Daraus darf kein Trennungsstrich werden. Hier in der Region möchte ich mich engagieren.

Wolfgang Weiß: Ich bin zwar in Wismar aufgewachsen und wohne auf dem Festland in Kreutzmannshagen, aber meine ganze Familie wohnt auf der Insel. Mein Großvater war hier Polizist. Meine Frau kommt von der Insel. Meine Diplomarbeit habe ich 1980 über Jasmund geschrieben. Damals war Sassnitz der Bevölkerung nach die jüngste Stadt der DDR mit einem Anteil von sage und schreibe 32 Prozent Kindern und Jugendlichen. Heute sieht das anders aus. Es gilt, viele Herausforderungen anzugehen.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die größten Probleme auf Rügen?

Weiß: Im Land ist Vorpommern nach wie vor die Region der mit höchsten Arbeitslosigkeit. Die Arbeit ist oft saisonabhängig und die Bezahlung häufig unter Wert. Das Durchschnittseinkommen liegt hier 21 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Das ist ein echtes Problem. Wir brauchen wirkliche Innovationen im Tourismus, um das zu verändern.

Brie: Die Arbeitslosigkeit ist eines der Hauptprobleme, das sehe ich auch so. Die Langzeitarbeitslosen erfahren zum Beispiel nicht genügend Unterstützung. Dafür braucht es mehr Personal. Ein anderer Ansatzpunkt wäre die Schaffung von ganzjährigen Arbeitsplätzen. Sicher liegt das in der Verantwortung der Arbeitgeber, aber die Politik kann Anreize zur Saisonverlängerung schaffen. Das kostet natürlich Geld. Fördermittel sollten generell direkt an den Kreis und die Kommunen gezahlt werden. Die Gemeinden wissen selbst am besten, wo sie das Geld am nötigsten brauchen.

Herr Weiß, Sie sprachen von Innovationen. Wie kann man sich diese in Rügens Wirtschaft vorstellen?

Weiß: Vorpommern ist laut der aktuellen Prognos-Studie deutschlandweit Schlusslicht bei den Innovationen. Wer stehen bleibt, geht unter. Zwar ist es für eine Tourismusregion nicht so einfach, innovativ zu sein wie für Technologiecluster zum Beispiel, aber durchaus möglich. Wichtig ist es auf jeden Fall, untereinander zu kooperieren und die Hochschulen in Stralsund und Greifswald stärker in die Entwicklung mit einzubeziehen.

Rügen wäre der ideale Ort um den Megatrend „Gesundheit“ zu bedienen. Wir betreiben immer noch Tourismus wie im frühen 20. Jahrhundert. Seitdem hat die Lebenserwartung aber um rund 30 Jahre zugenommen – und steigt weiter. Wie wollen und wie sollten wir in Zukunft leben? Bei der Antwort auf diese Frage, kann Rügen die Nase vorn haben.

Herr Brie, wie sehen Sie die

Zukunft des Tourismus auf Rügen?

Brie: Ich wehre mich dagegen, dass Rügen eine Entwicklung wie Sylt nimmt, wo nur noch wenige Grundstücke im Besitz von Syltern sind. So wertvoll und gut der Tourismus ist – die Struktur und Tradition von Rügen muss erhalten bleiben. Der Tourismus darf und kann nicht einziges Wirtschaftsstandbein der Insel sein. Ohne andere Wirtschaftszweige kann auch der Kreis nicht funktionieren. Ich wünsche mir zum Beispiel auch eine Metropolregion Stettin für Vorpommern. Wenn man sieht, wie Mecklenburg von der Metropolregion Hamburg profitiert, bietet sich dieser Schritt geradezu an.

Kooperationen im Bereich Wirtschaft, Bildung, Infrastruktur oder Werbung würden die Region voranbringen.

Womit würden Sie anfangen, wenn sie eine Veränderung auf Rügen aussuchen können?

Weiß: Eine Rangfolge zu bestimmen, ist schwierig. Es ist viel zu tun. Ein symbolischer Anfang könnte die Wiederbelebung der Königslinie Sassnitz–Trelleborg sein. In den vergangenen Jahren ist die Frequenz auf eine Passage pro Tag zurückgefahren worden. Der Bedarf wäre da. Ich glaube auch, dass die alteingesessene Bevölkerung – nicht zuletzt durch den extremen Winter 1979 – ein emotional gutes Verhältnis zu den Russen hat. Uns verbindet viel, unter anderem die Ostsee. Warum das nicht nutzen? Aber dafür müsste das Russlang-Embargo überwunden werden, auch für unsere Landwirtschaft. Und noch etwas: Der Grundbesitz der Hansestadt Stralsund auf der Insel Hiddensee und auf Rügen geht auf mittelalterliches Recht zurück und macht den Gemeinden die Planung schwer. Das muss auf Landesebene gelöst werden.

Brie: Ich finde den Bereich der Bildung muss man angehen. Rügen ist Pilotregion für gelebte Inklusion an Schulen. Eine sehr gute Sache, wie ich finde. Obwohl ich ein sehr privilegiertes Elternhaus hatte, haben meine Eltern immer dafür gesorgt, dass ich mit ganz unterschiedlichen Menschen – auch mit Handicap – aufgewachsen bin. Daher weiß ich, wie wichtig Inklusion für die Entwicklung eines Menschen sein kann. Damit die Lehrer diese Aufgabe auch stemmen können, braucht es mehr Lehrer. Die zusätzlich geschaffenen Stellen reichen bei weitem nicht aus. Auch das Angebot der sprachlichen Weiterbildung – gerade im Tourismussektor – muss ausgebaut werden. Die Konkurrenz aus Schweden und Polen schläft nicht.

Es leben immer mehr ältere Menschen auf Rügen. Was möchten sie für die Senioren tun?

Weiß: Dass hier mehr ältere Menschen leben, ist nicht das Problem – solange das in angemessenem Wohlstand, gesund und sicher möglich ist. Aber die entsprechende Infrastruktur, von medizinischer Versorgung bis zum sozialen Treffpunkt, hinkt hinterher und muss angepasst werden.

Brie: Ich denke dabei auch oft an die Pflege. Das Pflegepersonal braucht bei dem immer höheren zeitlichen Druck und den zusätzlich entstehenden bürokratischen Hürden selbst bald Pflege. Es geht in diesem Bereich um das Wohlergehen von Menschen – da sind solche Arbeitsbedingungen nicht zu akzeptieren.

Weiß: Es gibt einen Ansatz, der etwas Entlastung bringen könnte: Die Wiedereinführung des öffentlich geförderten Beschäftigungssektor (ÖBS). Diese Stellen entstehen zwar nicht aus der wirtschaftlichen Situation, sind also nicht marktorientiert, aber für das Zusammenleben trotzdem wichtig. Zu den vom Land bezuschussten Stellen könnten zum Beispiel Gemeindearbeiter oder auch eine klassische Gemeindeschwester zählen, aber auch Stellen in den Bereichen Kultur und Tourismus.

Warum sollte man die Linken

wählen?

Weiß: Von sozialer Gerechtigkeit, Bewahrung der Umwelt, Arbeit und Sicherheit reden alle. Aber wir werden das Wahlprogramm auch umsetzen und unsere Wahlversprechen halten. Die Landesregierung hat das nicht geschafft. Schaut man sich die Bilanz der vergangenen Legislaturperiode an, spricht das für sich. Stichwort: Werften.

Brie: Ich denke, unsere Politik ist sehr aktuell. Die soziale Spaltung in der Gesellschaft nimmt zu, die Unterschiede zwischen Arm und Reich wachsen. Deshalb habe ich mir auch die Tasse mit Karl Marx als Wahlkampfmotiv ausgesucht. Dessen Ideen werden zurzeit von vielen Menschen wiederentdeckt.

Die Direktkandidaten der Linken für Rügen

André Brie wurde am 13. März 1950 in Schwerin geboren. Nach dem Abitur 1968 folgte das Studium der Politik mit Schwerpunkt Außenpolitik an der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR in Potsdam-Babelsberg. Anschließend Promotion und Habilitation.

1985 und 1986 Wissenschaftlicher Berater der DDR-Delegation in der Genfer Abrüstungskonferenz und von 1986 bis 1991 Mitglied der Pugwash-Arbeitsgruppen für Kernwaffen in Europa und für konventionelle Waffen in Europa.

Von 1999 bis 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments. Seit 2011 sitzt er für die Partei Die Linke im Landtag von MV (Landesliste). 2016 kandidiert er im Wahlkreis 33 auf Rügen. Brie hat drei Töchter und lebt bei Neu-Poserin (Landkreis Ludwigslust-Parchim).

Wolfgang Weiß wurde am 21. November 1954 in Stendal / Altmark geboren. Aufgewachsen ist er in Wismar, studierte später Mathematik und Geographie an der Ernst Moritz Arndt-Universität Greifswald. Promotion im Bereich Geographie 1984, seit 1999 Privatdozent. Lehraufträge und Professuren unter anderem in Stockholm und Paderborn.

2008 Referent für Demographie der Landesregierung Sachsen-Anhalt. Seit 1998 Leiter des privatwirtschaftlichen Instituts für sozialwissenschaftliche und   Regional- und Umweltforschung (ISRU). Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Demographie, Landessprecher des Deutschen Verbands für Angewandte Geographie. Seit 2014 Kreistagsmitglied Vorpommern-Rügen.

Weiß hat zwei Kinder und lebt in Kreutzmannshagen (Landkreis Vorpommern-Rügen).

Anne Ziebarth

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