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2328 Einwohner und Gäste sagen „Nein“

Lohme 2328 Einwohner und Gäste sagen „Nein“

Initiative sammelt Unterschriften gegen Pläne für Rügen-Radio-Gelände und präferiert Entwicklung im Ortskern

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Auf Plakaten hat die Bürgerinitiative den Entwurf für die Bebauung des Rügen-Radio-Geländes schon mal ins Ortsbild integriert.

Lohme. Als Theodor Fontane 1884 in Lohme zu Gast war schwärmte er, dass ihn „die ganze Scenerie von Lohme und Arcona beständig an Sorrent erinnert“. Doch heute sieht die Mehrheit der Lohmer ihr „Sorrent des Nordens“ gefährdet. Durch einen Ferienkomplex mit mehreren hundert Betten, der auf dem ehemaligen Rügen-Radio-Gelände errichtet werden soll. Eine Bürgerinitiative namens „Bewahrt Lohme“ macht mobil gegen das Projekt — mit Bannern und Unterschriftensammlungen.

„2328 Einwohner und Gäste haben bisher unterschrieben, darunter 249 Lohmer. Damit lehnen über 60 Prozent der wahlberechtigten Einwohner das Vorhaben ab“, sagt Jörg Burwitz. Als Sprecher der Initiative musste er am Donnerstagabend in seinem Restaurant „Daheim“ erst einmal zusätzliche Stühle schleppen. Der große Raum konnte die Lohmer und Insulaner, darunter auch der Sassnitzer Bürgermeister, Frank Kracht, kaum fassen. Die Initiative hatte geladen, um ihre Argumente vorzustellen und mit Einwohnern und Gästen über das Vorhaben zu diskutieren.

„Wir haben große Sorge, dass die Bürger bei so einem großen Projekt nicht mitgenommen, nicht einbezogen werden“, sagte Burwitz und stellt für die Initiative gleich klar: „Für uns ist das Vorhaben viel zu groß.“ Mit der geplanten Bebauung würden sich die Ortsfläche verdoppeln, Natur und Landschaft gravierend verändert werden. „Wir sind nicht der typische Badeort, der darauf ausgerichtet ist.

Verkehrstechnisch sind wir mit der Infrastruktur heute schon teilweise am Limit.“

Dabei hatte Burwitz als ehemaliger Bürgermeister selbst den Weg für eine Bebauung des früheren Rügen-Radio-Geländes mit geebnet. Als Gemeindeoberhaupt beschloss er im Jahre 2000 mit die Aufstellung eines Flächennutzungsplans für 500 bis 1000 Betten für das heute der Telekom gehörende Gelände mit den vier alten Sendemasten. „Das war ein Fehler“, räumte er ein. Damals habe es aber auch noch nicht so viele Betten in der Gemeinde gegeben, gab er zu bedenken, dass der Beschluss unter anderen Voraussetzungen gefasst wurde. Seinen Angaben nach sind in den vergangenen 15 Jahren etwa 460 Gästebetten hinzu gekommen. „Ein gesundes Wachstum, das zur Struktur unserer kleinen Kommune passt, die auf Wandern, Angeln und Kulturtourismus setzt“, findet Burwitz. „Jetzt will man uns aber ein throjanisches Pferd ins Dorf tragen.“ Als solches bezeichnete Guido Hoenig, einer der 17 Mitglieder der Bürgerinitiative, das neue Hotel mit 120 Zimmern und großem Medical-Spa-Bereich, das Stefan Kiefer, Inhaber und Betreiber solcher Hotels in Bad Brambach und Wolkenstein in Sachsen, auf dem Rügen-Radio-Gelände bauen will. Ausschließlich mit dem Hotel könne sich die Bürgerinitiative eventuell noch anfreunden, so Hoenig. Das Hotel sei aber nur das „Zugpferd“, denn darüber hinaus sehen die Pläne den Bau von Ferien- und Appartementhäusern sowie Golfvillen vor.

600, 520 oder doch nur 501 Betten? Wie viele insgesamt entstehen sollen, konnte von der Bürgerinitiative niemand so genau sagen. „Das liegt am spärlichen Informationsfluss“, monierte Jörg Burwitz.

„Es werden keine 600 Betten“, versicherte Doreen Buss, die offensichtlich besser als die Initiative informiert war. „Es gab mehrere Einwohnerversammlungen zur Entwicklung des Telekom-Geländes, in denen sich jeder hätte informieren können“, widersprach sie Burwitz. Bürgermeister Matthias Ogilvie lieferte die aktuellsten Zahlen: „240 Betten im Hotel, 120 in 30 Ferienhäusern und zwischen 120 bis 160 Betten im B-Plan-Gebiet für Appartements und Eigenheime.“

Zu viele für Susanne Monz. „Medical Wellness ist nur ein Modewort, mit dem uns ein Hotel übergestülpt wird“, kritisierte die Österreicherin, die jetzt in Lohme zu Hause ist. „Lohme bietet Botex. Der Ort hat alles für die Entschleunigung, Joga, Reiki und den Nationalpark vor der Tür.“

Matthias Ogilvie warnte: „Wenn wir jetzt nichts tun, sterben wir sehenden Auges aus.“ Als er 1991 in Lohme als Hotelier angefangen habe, gab es noch 712 Einwohner, erinnerte er. Heute sind es gerade mal noch 467, davon sind 59 älter als 75 Jahre und weitere 100 schon über 60 Jahre alt. „Wir brauchen den Zuzug junger Leute. Dafür werden im Gesundheitszentrum etwa 40 Arbeitsplätze geschaffen.“

Touristische Entwicklung wolle die Bürgerinitiative auch, versicherte Guido Hoenig. Aber eine, die die bestehenden Strukturen berücksichtige. „Wir wollen den innerörtlichen Bereich weiter entwickeln.

Haben zum Beispiel den Schandfleck des ehemaligen Kinderheims im Auge, das leer steht und auch schon ein Konzept.“ Das hielt die Initiative am Donnerstagabend aber noch zurück. Für solche Großprojekte wie das Gesundheitszentrum, müsste die Planung auf ganz Jasmund besser koordiniert werden, forderte Hoenig. „Die Sassnitzer wollen ihr Kurgebiet entwickeln und haben dort sogar Thermalwasser.“ Er mutmaßte, dass so ein Großprojekt wie das für Lohme in der Hafenstadt womöglich besser aufgehoben sei und mehr Akzeptanz finde.

„Ich könnte mir durchaus vorstellen, eine gemeinsame Sitzung der Lohmer und Sassnitzer Volksvertretungen zu arrangieren“, schlug der Sassnitzer Bürgermeister Frank Kracht vor.

Einwohnerversammlung zum Großprojekt: 21. Januar, 19 Uhr Panorama- Hotel Lohme

Bis zu 520 Betten
23,5 Hektar groß ist das Areal der ehemaligen Küstenfunkstelle Rügen-Radio auf dem Teufelsberg in Lohme. Für das Gebiet haben die Gemeindevertreter Ende Juli des vergangenen Jahres einstimmig das Aufstellen eines Bebauungsplans beschlossen.
240 Betten sollen ersten Planentwürfen zufolge in einem Wellness-Hotel entstehen, 120 Betten in 30 Ferienhäusern und weitere 150 bis 160 Betten in Appartements, Villen und Wohnhäusern.

 



Udo Burwitz

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