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Aus Sorge ums Rügener Wasser: Zweckverband gegen Fracking

Bergen Aus Sorge ums Rügener Wasser: Zweckverband gegen Fracking

Laut einer Studie soll die Insel Potenzial für Schiefergas haben / Das lässt sich nur mit dem umstrittenen Verfahren fördern / Kritiker: „Das wäre das Aus für Natur und Tourismus“

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Bergen. Eine Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sorgt auf Rügen für Wirbel. Demnach soll fast die gesamte Insel als einziger Standort in MV das Potenzial für Schiefergas haben. Und dieser Rohstoff ist nur mit der umstrittenen Fracking-Methode zu Tage zu befördern. Deshalb schrillen bei Axel Rödiger die Alarmglocken. „Die Risiken durch das Einpressen eines Chemikalien-Wasser-Sand-Gemisches in tiefe Gesteinsschichten sind hoch. Es kann zur dauerhaften Verseuchung des Grundwassers durch die verwendeten Chemikalien kommen“, machte der Geschäftsführer des Zweckverbandes für Wasserversorgung und Abwasserhandlung Rügen (Zwar) auf der jüngsten Verbandsversammlung deutlich. Sein Appell verhallte nicht: Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeiter sprachen sich einstimmig gegen Fracking aus. Was die dabei bewegte, fasste Verbandsvorsteher Reinhard Liedtke so zusammen: „Noch haben wir zwar kalkhaltiges aber gutes Trinkwasser. Das soll auch so blieben.“

Rödiger hatte in seinen Ausführungen noch auf zwei andere Aspekte hingewiesen, die mit Fracking verbunden sein sollen. „Zum einem wird bei der Förderung das Treibhausgas Methan freigesetzt. Und zum anderen werden die Touristen nicht begeistert sein, zwischen Fördertürmen Urlaub zu machen.“ Zudem konstatierte der Zwar-Chef: „Das einmal kontaminierte Grundwasser ist hochgiftig und ist nicht einmal in einer Kläranlage zu reinigen.“

Fracking trifft auf Rügen auf eine breite Gegenwehr. Neben dem Wirtschaftsrat der CDU sprechen sich auch die Grünen dagegen aus. „Fracking auf Deutschlands größter Insel bedeutet das Aus für Natur und Tourismus auf Rügen“, machen Jochen Kwast und Sebastian van Schie, Sprecher des Ortsverbandes Rügen, deutlich. Sie verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass es in den USA beim Fracking immer wieder zu unkontrollierten Grundwasserkontaminationen komme.

Auf etwaige Gefahren wird in der Studie „Schieferöl und Schiefergas in Deutschland. Potenziale und Umweltaspekte“ eingegangen. „Die Risiken der Technologie für Mensch und Umwelt werden überschätzt“, schreibt Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel, Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, im Vorwort der Studie.

Das sieht Christian Pegel anders. „Nach unserem technischen Verständnis kann man derzeit nicht ausschließen, dass das so genannte Aufschließen unkonventioneller Lagerstätten zur Verunreinigung von Grundwasserlagerstätten führt“, sagte der Infrastrukturminister von MV im Oktober 2015 vor dem Landtag.

Aktuell macht sein Sprecher Steffen Wehner deutlich: „Schiefergas führende Gesteine sind im Bereich zwischen Fischland-Darß, Rügen und Usedom vorhanden. Bisher wurden für keinen Standort — auch nicht jenseits Rügens — bergrechtliche Anträge beim zuständigen Bergamt Stralsund eingereicht.“ Dies wäre zurzeit auch schwer durchsetzbar, ergänzt Wehner. Zudem habe sich die Bundesregierung darauf verständigt, vor einer gesetzlichen Regelung (1. Lesung im Juni) zum Umgang mit solchen Frackingverfahren keine Anträge in Deutschland zu bescheiden, also ein Moratorium erlassen. Damit seien derzeit keine Genehmigungen vorstellbar. Zusätzlich wolle das Land in seinem neuen Landesraumentwicklungsprogramm Fracking planerisch nicht möglich machen. „Das Landesraumentwicklungsprogramm soll im nächsten Vierteljahr endgültig vom Kabinett beschlossen werden und durch eine Rechtsverordnung Gesetzeskraft erlangen“, so Wehner.

Das Bergbauamt Stralsund hat schon vor Jahren dem kanadisch- deutschen Unternehmen Central European Petroleum GmbH sechs so genannte Aufsuchungserlaubnisfelder genehmigt. Neben Arealen auf und rund um Rügen sind auch Flächen vor dem Fischland-Darß und vor der Insel Usedom betroffen. „Nur ein ganz kleiner Teil unserer Lizenz Stralsund liegt auf dem Inselgebiet Rügen. Dort und um die Insel herum sind zur Zeit keine Erkundungsbohrungen geplant. Zudem befassen wir uns ausschließlich mit der Erkundung von Erdölvorkommen“, sagt Angela Lammers, Bereichsleiterin Kommunikation und Personal der Central European Petroleum GmbH mit Sitz in Berlin.

Fracking

1. Horizontalbohrung: In die Lagerstätte werden lange Strecken gebohrt.

2. Das Steigrohr wird unten mit Löchern perforiert (Durchmesser 30 bis 40 Zentimeter).

3. Unter hohem Druck wird ein Gemisch aus Wasser, Quarzsand und Chemaikalien durch die Löcher in das umliegende Gestein gepresst.

4. Durch den hydraulischen Druck entstehen Risse im Gestein, durch die das Gas fließen kann. Die Risse dehen sich horizontal bis zu 1000 Meter und vertikal bis zu 10 Meter aus.

5. Das eingepresste Gemisch wird bis auf den Quarzsand und Chemikalienreste zurückgepumpt. Der Quarzsand hält die künstlichen Risse offen. Das eingeschlossene Gas strömt zum Bohrloch und kann gefördert werden.

Von Chris-Marco Herold

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